Spieletest: Helldorado
Taktisches Geduldsspiel
Es muss aber nicht notwendigerweise der Samthandschuh sein: Dynamit, Tomahawks und Schießbüchsen haben in den Satteltaschen der Desperados nach wie vor einen Platz. Auf Wunsch ermöglicht die mit dem zweiten Teil eingeführte Action-Steuerung das Ballern aus der Schulterperspektive. Den ohnehin nicht leichten Missionen kommt jedoch erschwerend hinzu, dass manche Einsätze keine Todesopfer zulassen.
Quickactions und Comboaktionen erleichtern das "Helldorado"-Handwerk. Bis zu fünf Befehle können pro Charakter geplant, aneinandergereiht und per Tastendruck ausgeführt werden. Ein optionaler Filmmodus packt solche Kettenreaktionen in ansprechende Clips, die aus dem Spiel heraus exportiert und später erneut angesehen werden können. Ebenfalls erweitert hat sich die Taktikpalette um Angriffe und Ablenkungsmanöver, die zwei Helden kooperativ vortragen. Im Zuge so genannter Comboaktionen lassen sich beispielsweise Pfeile mit Dynamit kombinieren oder Feuerzeuge mit Brandbeschleunigern. Zum Schein kann sich der Indianer außerdem von seinen Kumpanen festnehmen lassen und sich mit der Flinte im Kreuz feindlichen Blicken aussetzen.
Warum aus der geplanten "Desperados"-Erweiterung das eigenständige "Helldorado" wurde, hängt vermutlich mit dem bescheidenen Abschneiden des Vorgängers zusammen. Doch auch unter neuem Namen bieten die Strategieschlitzohren das gewohnte Programm. Sogar die als eigenwilliges Daumenkino vorgetragene Geschichte knüpft an den zweiten Teil des taktischen Wildwestspiels an. Im Vergleich zum Vorgänger mit den "Desperados" - pardon - "Helldorados" dennoch bergauf. Den Feinden wurde z. B. mehr Hirn unter die Cowboyhüte gepackt, weshalb verräterische Aktionen und Geräusche schneller Misstrauen erwecken. Leider müssen einige Karten immer noch mehrmals beackert werden. Die Folge: "Helldorado" bietet doppelt so viele Missionen wie Einsatzgesbiete.
Dank komfortabler Steuerung, vielfältiger Lösungswege und plakativer Wildwest-Stimmung hätte "Helldorado" dennoch die Aufmerksamkeit auch eines größeren Publikums verdient. Gleichwohl liegt es in der Natur der Sache, dass ein auf Schleichen und Täuschen geeichtes Spielprinzip nicht nur spannend ist, sondern wegen unausbleiblichen Fehlversuchen und Neustarts auch an den Nerven zehren kann. Trotz Schnellspeicherfunktion werden die Sabotage- und Befreiungsaktionen vor allem für Anfänger zur Geduldsprobe. Wenn ein Weiterkommen wegen starker Feindpräsenz unmöglich erscheint und schon ein falscher Schritt das Aus bedeuten kann, klicken Speicher- und Ladetasten schneller als der flinkeste Pistolero schießen kann.


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