Gratulation, Grabräuberin

Spieletest: Tomb Raider Anniversary

Happy Anniversary: Zehn Jahre "Tomb Raider", zehn Jahre Lara Croft. Wie keine andere Pixelgestalt hat die britische Archäologin zur öffentlichen Wahrnehmung von Videospielen beigetragen. Zum Jubiläum recycelt Eidos das erste Abenteuer der Grabräuberin mit den Technikmitteln von heute. Netzwelt blickt auf den Werdegang der virtuellen Karrierefrau und begleitet sie durch ihr neues, altes Abenteuer.

Spieletest: Tomb Raider Anniversary

Es war nicht nur Kühnheit, die den damals 22-jährigen Charakterdesigner Toby Gard dazu bewog, eine weibliche Figur für das Videospiel "Tomb Raider" zu konzipieren. Er strebte nach einer starken Figur, einer echten Type mit archäologischem Sachverstand, idealerweise mit Peitsche und Revolver ausgestattet, vielleicht mit Schlapphut. Dummerweise existierte eine solche Figur bereits - und sie wusste die Mächtigen Hollywoods hinter sich. Aus Sorge vor einem Rechtsstreit rückte das britische Entwicklungsstudio Core Design von dem Vorhaben ab, einen "Indiana Jones" mit Bits und Bytes zu reproduzieren.

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Stattdessen kreierte Toby Gard eine Heldin. Mehr: ein künstliche Powerfrau mit eigener Blutgruppe (AB), Leibspeise (Gebackene Bohnen auf Toast) und lückenloser Vita. Klug sollte sie sein, schön, athletisch. Inzwischen war auch das restliche Team davon überzeugt, dass die im Spielkonzept vorgesehene Akrobatik einer weiblichen Hauptperson besser zu Gesicht stünde. Aus anfänglichen Ideen kristallisierte sich ein Charakter südamerikanischer Herkunft, Projektname: Lara Cruz. Die Namensforschung wurde intensiviert, wobei sich Gard einer Quelle bediente, aus der auch Autoren und Filmschaffende schöpfen: dem Telefonbuch. Aus Lara Cruz wurde Lara Croft, Spross eines britischen Adelsgeschlechts. Sportskanone. Musterschülerin. In der Gewissheit, "etwas sehr Cooles entwickelt zu haben", präsentierten die Künstler 1996 eine gut gebaute Amazone mit nie gesehenen Biegefähigkeiten. Toby Gard und die Seinen hatten Spielegeschichte geschrieben. Dass ihre Kunstfigur zu einer Ikone der Popkultur avancieren würde, hätten die britischen Programmierer aber nicht zu hoffen gewagt.

Ab Ende der Neunzigerjahre war Lara Croft überall: auf Titelblättern, in Musikvideos, auf der Kinoleinwand, zwischen Buchdeckeln. Gleichzeitig begann ihr Stern am Spielehimmel zu sinken, mit jedem weiteren "Tomb Raider"-Abenteuer - ihr Schöpfer war längst ausgestiegen - manövrierte sich Lara weiter ins technische und kreative Abseits. In Gamerkreisen galt es bald als chic, die Croft doof zu finden. Ein Trauerspiel, das erst endete, als Publisher Eidos nach einem vermurksten sechsten Teil die Notbremse zog, das Produktionsteam wechselte und mit Toby Gard Laras Urvater reaktivierte. Die Rechnung ging auf: "Tomb Raider Legend" versöhnte Fans und Kritiker, der Grundstein für weitere Abenteuer war gelegt.

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