Wacom Bamboo im Test: Stift als Mausersatz
Ergonomie
Mit jedem vollführten Bogen, jeder Linie und Interpunktion verläuft das Zusammenspiel zwischen Tablett und Benutzer zunehmend harmonischer und sinkt die ohnehin schon ausgesprochen geringe Fehlerquote. Bei Verschreibern lässt sich das hintere Ende des Stifts als Radiergummi benutzen, alternativ werden die zu löschenden Zeichen einfach durchgestrichen und verschwinden anschließend von der Bildfläche. Vor allem kurze Notizen oder Anmerkungen gehen bedeutend leichter von der Hand als mit der Tastatur, da der Stift sozusagen Maus und Keyboard gleichzeitig verkörpert.
Nach den ersten Strichen auf dem schwarzen Tablett macht sich eine Vernachlässigung der guten alten Handschrift bereits schmerzlich bemerkbar. Durch die ungewohnte Haltung gegenüber der Maus verkrampft die Hand zunächst recht schnell, was glücklicherweise kein Dauerzustand bleibt. Je länger die Nutzungszeit, desto entspannter die Fingerarbeit. Irgendwann fällt die Führung des lediglich elf Gramm leichten Stifts sogar leichter als das Hantieren mit einer schnurlosen Maus, die in den meisten Fällen ein über zehnmal so hohes Gewicht aufbringt.
Wacom Bamboo im Test
Oft gebrauchte Tastaturbefehle lassen sich bequem auf eine der vier Funktionstasten umlegen, die dank der hellen Beleuchtung auch im Dunkeln gut lesbar bleiben.
Statt geschrieben können Wörter auch per Bildschirmtastatur getippt werden.
Dafür muss nicht mehr extra ein teurer Tablet-PC auf den Tisch. Mit dem Bamboo liefert Wacom eine bezahlbare Mausalternative, die mehr kann als bloß den Cursor über den Bildschirm scheuchen.
In erster Linie als effiziente Bürokraft gedacht, macht es als Zeichenbrett ebenfalls eine ansehnliche Figur. In Kombination mit der integrierten Handschrifterkennung von Windows Vista läuft es zur absoluten Bestform auf.
Als Basis dient ein schwarzes Tablett mit den rechteckigen Abmessungen eines kleinen Mousepads, das mit einer Höhe von gut einem Zentimeter jedoch deutlich dicker ausfällt.
Auf der einen Seite punktet Wacoms Bamboo mit einer hochpräzisen Abtastung, auf der anderen entziffert das eingebaute Microsoft-Werkzeug selbst eine echte Sauklaue, die sich bei den ersten Schreibversuchen kaum vermeiden lässt.
Nicht nur die zwei Tasten am Stift sind individuell programmierbar, auch die Art und Weise der Abtastung kann festgelegt werden.
Eine Computermaus ist Ihnen zu langsam, zu ungenau oder einfach zu langweilig? Sie möchten Texte oder Notizen lieber in der eigenen Handschrift verfassen und wichtige Dokumente mit ihrer ganz persönlichen Signatur unterzeichnen?
Im Stiftmodus arbeitet das Bamboo wie der Touchscreen eines Tablet-PCs. In den Einstellungen lassen sich die aktiven Bereiche auf Brett und Bildschirm frei wählen.
Im Mausmodus verhält sich das Sensorfeld ähnlich wie das Touchpad eines Notebooks.
Navigiert wird mit einem kugelschreiberartigen Stift, der gerade mal ein Achtel des Gewichts einer leichten Gamer-Maus auf die Waage bringt. Ein abnehmbares USB-Kabel sorgt für Strom und Datenübertragung.
Zugegeben, billig ist das Bamboo mit einem Kaufpreis von mindestens 80 Euro nicht gerade, doch auch manch andere exotische Eingabegeräte wie etwa schnurlose Gamer-Mäuse kosteten bei der Markteinführung vergleichbar viel.
Während der Linksklick über ein simples Tippen auf die Sensorfläche erfolgt, gibt es beim Rechtsklick gleich mehrere Möglichkeiten. Entweder hält dafür eine der beiden Seitentasten im Stift her, wahlweise mit oder ohne direkten Tablett-Kontakt, oder der Rechtsklick wird durch ein etwa einsekündiges Aufdrücken der Stiftspitze eingeläutet. Letzteres funktioniert ausschließlich unter Windows Vista und den Tablet-PC-Betriebssysteme von Microsoft, nicht aber im herkömmlichen Windows XP.
Oft gebrauchte Tastaturbefehle lassen sich bequem auf eine der vier Funktionstasten umlegen, die dank der hellen Beleuchtung auch im Dunkeln gut lesbar bleiben. Genau dazwischen ist ein kreisrundes Touchpad untergebracht, dass zum Zoomen und Scrollen verwendet, aber auch ganz abgestellt werden kann. Allerdings wurde die Position der Bedienelemente am oberen Rand nicht optimal gewählt, da das Gelenk der einen Hand stark gekrümmt werden muss, um nicht der anderen mit dem Stift in die Quere zu kommen. Am linken, rechten oder unteren Rand wären die Tasten sicherlich besser aufgehoben. Dafür liefern sie eine ausgesprochen prägnante Rückmeldung und einen hochwertigen Eindruck, zugleich aber auch laute Klickgeräusche.
Fazit
Eine gute Portion Experimentierfreude gehört schon dazu, um von der Maus auf das Wacom Bamboo umzusteigen. Tablet-Laien tun sich anfänglich schwer mit der ungewohnten Stiftführung, doch mit etwas Übung entwickelt sich das schwarze Brettchen zu einer absolut brauchbaren Eingabe-Alternative. Man mag Windows Vista vieles vorwerfen können, - zu fett, zu träge, zu bunt angezogen - doch bei der Handschrifterkennnung leisteten die Microsoft-Entwickler wirklich erstklassige Arbeit. In vielen Situationen arbeitet das Wacoom Bamboo sogar exakter und schneller als eine gewöhnliche Computer-Maus und kann manchmal durchaus den Griff zur Tastatur ersetzen.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Tablet-PC hier.
