Konkurrenz für Google, Wikipedia & Co.?
Mahalo: Die Suchmaschine mit menschlichem Antlitz
Internet & Netzwelt
Der kalifornische Weblog-Unternehmer Jason Calacanis hat eine neue Suchmaschine namens Mahalo gestartet, die statt auf kluge Algorithmen auf Redakteure setzt. Calacanis will damit Suchmaschinen-Optimierern einen Strich durch die Rechnung ziehen. Kritiker halten die Idee für verrückt.
Jason Calacanis ist nicht eben für Bescheidenheit bekannt. Der ehemalige Chefredakteur des Dotcom-Branchenblatts machte Schlagzeilen, als er sein Blog-Netzwerk Weblogs Inc. Ende 2005 für 25 Millionen US-Dollar an AOL verkaufte. Damals erklärte er, Weblogs Inc. werde der New York Times bald ihre Schreiber abjagen.
Mittlerweile hat AOL dem Blog-Unternehmen und dessem neuen Mutterkonzern den Rücken gekehrt. Die gezielten Sticheleien gegenüber den Großen der Branche kann er sich jedoch offenbar immer noch nicht verkneifen. So erklärte er anlässlich der Vorstellung seines neuen Startups Mahalo Ende Mai, dass er Googles Arbeit vollenden wolle. "Googles Auftrag ist es, das Wissen der Welt zu indizieren", so Calacanis. "Wir wollen Nutzer durch diesen wundervollen Index führen."
40 Angestellte, 10.000 Links
Google und seine bekannten Konkurrenten leiden laut Calacanis am Missbrauch durch so genannte Suchmaschinenoptimierer - Web-Anbieter, die ihre eigenen Seiten über Tricks auf die vordersten Ränge einer Suchmaschine bringen. Mahalo setzt deshalb nicht auf die automatische Indizierung und Bewertung von Web-Inhalten, sondern auf Redakteure.

![]()
![]()
Mahalo: Redakteure aus Fleisch und Blut statt Algorithmen
(Klick vergrößert.)
Mit einem Team von 40 Angestellten will Calacanis Link-Empfehlungen für die meist genutzten Suchbegriffe von Google & Co. anlegen. Mahalos Detail-Seiten sehen dabei ein wenig aus wie eine Mischung aus einem Wikipedia-Eintrag und dem Yahoo-Web-Katalog. So linkt Mahalos Radiohead-Seite unter anderem zur offiziellen Webseite der Band, zu Fan-Seiten und zu einer Biographie des Rolling Stone.
25.000 Seiten in 19 Monaten
Mahalo bietet bisher 4.000 solcher Detail-Seiten. Calacanis hat angekündigt, bis zum Ende des Jahres Links für 10.000 Suchbegriffe anbieten zu können. Bis Ende nächsten Jahres soll das Angebot dann auf 25.000 Seiten gewachsen sein. 25.000 Links: Das klingt beeindruckend. Jedenfalls bis man es mit anderen Angeboten vergleicht. So wächst das Web-Lexikon Wikipedia derzeit um 1.700 Artikel pro Tag. Der Social Bookmarking-Dienst Del.icio.us verzeichnet sogar bis zu 6.000 neue Einträge pro Stunde.
Beiden Angeboten kommt dabei zugute, dass sie an Stelle von bezahlten Redakteuren auf Millionen von Nutzern setzen. Kritiker argwöhnen deshalb auch, dass Calacanis dieses Mal auf das falsche Pferd gesetzt haben könnte. So erklärte das Venture Capital-Blog Alarm Clock, Mahalos Konzept sei "so verrückt wie 'Einer flog übers Kuckucksnest' und 'The Shining' zusammen."
Jetzt sind Sie dran.
Kommentieren
nach oben




