Verkehrte Netzwelt: Rechenleistung ist relativ

Doppelhertzschrittmacher

Mit der Ära der Dual-Core-Prozessoren kamen ganz neue Gelüste auf mich zu. Ein Prozessor, der problemlos mehrere parallel laufende Programme verkraftet? Klingt gut. Nicht, dass ich unbedingt gleichzeitig spielen, DVDs brennen und nach Viren scannen müsste, aber vielleicht sollte ich endlich damit anfangen. Es dauerte nicht lange, bis in meinem Rechner die Kraft der zwei Herzen schlug. Und siehe da: Webseiten bauen schneller auf und ich kann MP3-Player, E-Mail-Software und Internet-Browser auf einmal starten, ohne das System in die Knie zu zwingen.

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"Lahmt nicht, gibt's nicht" oder "schneller geht immer" beschreibt die Beziehung zu meiner tendenziell chronisch untermotorisierten Freizeitmaschine wohl am treffendsten. Obwohl mein ständig nörgelnder, weil vernunftorientierter Verstand und Geldbeutel ihr Bestes geben, um mich von einer weiteren, völlig sinnlosen Investition abzuhalten, gewinnt am Ende stets das Bauchgefühl. Und davon gibt es leider mehr als genug.

In der nächsten ungleichen Schlacht zwischen den Gehirnhälften gewinnt - wie soll es auch anders sein - wieder einmal der irrationale Teil. Dieser kommt nämlich gerade auf die kostspielige Idee, dass er das Lieblings-Game viel lieber mit 1.920 x 1.200 Bildpunkten, maximalen Details und höchster Qualität sehen möchte. Und da dafür weder die betagte Grafikkarte noch der alte Röhrenmonitor taugt, verlässt ein vierstelliger Euro-Betrag allein für einen 3D-Beschleuniger der Oberklasse samt passendem 24-Zoll-Flachbildschirm das ohnehin schon arg gebeutelte Bankkonto.

Nach oben offen

Angenommen ich hätte das Glück, mit dem Budget und nicht der Hirnkapazität einer Paris Hilton gesegnet zu sein, die versammelten Hardware-Hersteller würden mir feierlich einen Orden verleihen. Dann wäre ich ein Musterbeispiel des perfekten Kunden: Geld wie Heu, Vernunft gleich null und bereitwillig jedes vollmundige Werbeversprechen schluckend, das mir die Marketingspezialisten gerade auftischen. Denn ohne Menschen wie mich müsste die Computerbranche mehr Klasse statt Masse liefern und sich viel stärker um einen sinnvollen Ressourcen-Einsatz sorgen. Wie gesagt: müsste.

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