Schnellschuss
Angespielt: The Hell in Vietnam
Der Einsatz der Fremdenlegion ist kaum beendet, da haben die polnischen Fließbandprogrammierer von City Interactive bereits die nächste Kugel im Magazin. In der grünen Hölle Vietnams wird auf alles geschossen, was nicht schnell genug die Bäume hoch kommt. Aufmerksame Beobachter mit böser Zunge könnten behaupten, die Osteuropäer hätten sich auf Schnellschüsse spezialisiert.

Wenn man den Games-Markt quartalsweise mit Ballerspielchen überschwemmen will, den Zweiten Weltkrieg nebst Anti-Terroreinsätzen von Südamerika bis Afrika aber schon durch den Wolf gedreht hat, dann bleibt ja immer noch Vietnam.
Dorthin geht es, weil während des Kriegsjahrs 1967, als amerikanischer Infanterist. Von der knisternden Spannung eines "Vietcong" ist "The Hell in Vietnam" Artilleriereichweiten entfernt. Erneut heißt es: Ballern, was die M-16 hergibt. Eine Handvoll weithin sichtbarer Fallen, zu entschärfen per Knopfdruck, fällt nicht ins Gewicht. Taktische Manöver: Fehlanzeige. Die Tatsache, dass selbst greise Reisbauern in voller Kampfmontur noch Salti schlagen können, lenkt nicht von der jämmerlichen Gegner-KI ab.
Somit bleibt fast alles beim Alten: Was sich gegenüber "Code of Honor: die Fremdenlegion" verändert hat, ist neben der Kulisse und des höheren Preises (20 Euro) die stärkere Präsenz von Computerkameraden. Unter der Mithilfe selbstständig agierender Trupps werden Dörfer ausgeräuchert, Dschungelstraßen vermint, Zielobjekte gesprengt oder Absturzstellen nach Überlebenden abgesucht.
Das klingt interessanter als das starre und auf wenige Tasten reduzierte Spielprinzip tatsächlich ist. Den Höhepunkt der knapp dreistündigen Schützenkirmes bildet die Jagd auf Nordvietnamesen per Kampfhubschrauber. Dasselbe Ziel verfolgt der Einsatz auf einem Patrouillenboot, in dessen Verlauf das von Panzerfahrzeugen und Infanteristen gesäumte Ufer mit Geschützfeuer bestrichen wird. Hier zeigen sich die Wurzeln der "Terrorist Takedown"-Reihe, als die Knallchargen bis auf die Finger am Abzug kein Gliedmaß regen konnten.
Fazit: Im Südosten nichts Neues. Die polnischen Programmierer sollten sich und anderen eine kreative Kampfpause gönnen.
