Die geplatzten Versprechungen des Digitalfernsehens
DVB-T: Die digitale Mogelpackung
DVD-Hardware und Medien
Ein weiterer Trick um Platz zu sparen: Sendungen im Breitbildformat werden statt in echtem Breitbild als "letterboxed" dargestellt. Dabei bleibt das Bild in der normalen Breite, oben und unten sind lediglich schwarze Balken eingeblendet. Insgesamt kleineres Bild - weniger Platzbedarf - aber schlechtere Bildqualität, da der Fernseher das Bild vergrößern muss.
Je nach Aufbereitung des Videomaterials kann hier weitere Bildqualität verschenkt werden. In manchen Signalketten wird das Video gleich zweimal komprimiert. Norbert Riepl von T-Systems: "Zum Teil werden die Sendungen analog, zum Teil digital bei uns angeliefert." Wenn das Material schon zuvor im Sender komprimiert wurde, geht durch die erneute Komprimierung unnötig Qualität verloren.

![]()
![]()
Schwarze Balken statt Breitbild
Der einzige echte Vorteil, den die aktuelle Übertragung in der Praxis bringt, ist das fehlende analoge Bildrauschen. So ist das DVB-T-Bild weniger körnig und damit klarer als die analoge Variante. Dieser Vorteil wird jedoch in der Praxis mit Komprimierungsartefakten und schwacher Bildschärfe erkauft. Auf kleineren Röhrengeräten ist die Qualität noch ausreichend, für große Flachbildschirme ist DVB-T hingegen ungeeignet. Diese decken die Schwächen der Darstellung gnadenlos auf.
DVB-T hat jedoch gewisse Vorteile in der Benutzung. Durch die digitale Übertragungstechnik gibt es Komfort-Extras wie die elektronischen Programminformationen. Zudem gibt es dank DVB-T kompakte und günstige Empfänger für Laptop und PC. Damit wird der Rechner kostengünstig zum Festplattenrekorder. Da die Videodaten schon digital mit moderater Bandbreite übertragen werden, können Computer sie so speichern, wie sie empfangen werden. Ohne aufwändige Enkodierung.
Kein Dolby Digital mehr bei den Privaten
Besonders für Heimkino-Freunde ist ein bestimmtes Feature von DVB-T interessant. Denn einige Sender übertragen nicht nur eine herkömmliche MP2-Tonspur, sondern auch eine Dolby-Digital-Spur. Damit kommt der Zuschauer günstig in den Genuss von digitalem Surround. Doch die Vorreiter ProSieben und Sat1 haben dies vor wenigen Wochen abgeschaltet.
Auf Anfrage von netzwelt bestätigte ProSieben: "Um die Bildqualität über DVB-T weiter zu verbessern, haben wir uns entschlossen, die für Dolby Digital benötigten Datenkapazitäten zu nutzen." Damit fällt ein weiterer Vorteil von DVB-T weg. Allerdings soll der Digitalton nicht endgültig abgeschafft sein: "Mittelfristig arbeiten wir an einer Lösung, die uns auch die Bereitstellung des Dolby-Digital-Signals ermöglicht", heißt es weiter.
Insgesamt lohnt sich DVB-T fast nur für Gelegenheitszuschauer, Laptopbesitzer ohne Fernseher oder Fans der öffentlich-rechtlichen Sender. Denn diese senden fast bundesweit und das in ordentlicher Qualität, da für die wichtigen Hauptsender der größte Teil der kostbaren Bandbreite reserviert ist. Die Privatsender reduzieren den terrestrischen Aufwand wegen der hohen Kosten auf ein Minimum. Heimkinoerlebnis mit dem Flachbildschirm ist so jedenfalls nicht machbar.

![]()
![]()
Mehr Bitrate bei ARD und ZDF
(Klick vergrößert)
TV-Junkies kommen deshalb kaum an einer digitalen Sat-Anlage oder einem digitalen Kabelanschluss vorbei. Diese senden in deutlich höherer Qualität und zudem gibt es dort auch digitalen Surroundsound. Schuld an der Misere um DVB-T sind aber weder die Anbieter noch die Fernsehsender. Es ist vielmehr die Struktur. Zu viele Sender, zu wenig Bandbreite. Zu hohe Kosten für die Privatsender, jedem ihrer Hauptsender einen eigenen Kanal zu reservieren.
Mit mehr Kanälen und größerer Bandbreite könnte das Bild stark verbessert werden. Laut Norbert Riepl wäre es zumindest technisch machbar, neue Funkkanäle einzurichten. Ein anderer Weg wäre schlicht eine effektivere Videokomprimierung wie beispielsweise H.264. Damit wäre auch schon mit der heutigen Bandbreite ein gutes Bild möglich. Allerdings müssten dann sowohl die Distributoren als auch die Kunden neue Hardware anschaffen.
Die Technik dazu steht mit DVB-T2 schon in den Startlöchern und wird in einigen Gebieten Europas bereits getestet. Besonders die Länder, in denen es bisher noch kein DVB-T gibt, interessieren sich für die neueste Form des terrestrischen Fernsehens. In Deutschland wird es jedoch so schnell keine erneute Umstellung der Übertragungstechnik geben.
Weitere Artikel zum Thema
-
Wegweiser im Format-Dschungel - 4:3, 16:9, CinemaScope
Bildformate in der Übersicht
-
CeBIT 2007: Verschärft - HDTV für den PC
Hauptsache hochauflösend
-
DVB-T: Digitales Fernsehen im Süden und Südwesten
Anfang Dezember letzte Umstellungen für 2007
Links zum Artikel
Mehr über: Home Entertainment, DVB-T
nach oben




