Hui Spinne
Angespielt: Spider-Man 3
Gegen den Fortsetzungsbefall durch Hollywood-Studios hilft auch kein Insektenspray. Aktuell krabbelt Tobey Maguire alias Spider-Man zum dritten Mal über die Kinoleinwände. Passend dazu veröffentlicht Activision Begleitspiele für alle gängigen Systeme. Uns ging die PC-Version ins Netz.

Wenn fiktionale Helden erwachsen werden, scheinen sie der dunklen Seite besonders zugeneigt, ganz gleich, ob Prügelprinz oder Geheimagent. Dass nun ausgerechnet die Starspinne mit dem Helfersyndrom der dunklen Verlockung erliegt, ist aber nicht der Fantasie von Spielemachern geschuldet, sondern dem aktuellen "Spider-Man"-Film.
Dessen Handlung dient zwar als roter (Spinnen-)Faden, peinlich genau wird das Drehbuch trotzdem nicht genommen. Im Gegenteil: Das Spiel zum Film enthält neben weiteren Handlungssträngen auch zusätzliche Schurken aus dem Marvel-Universum.
Diese werden per (zuschaltbarem) Spinnensinn aufgestöbert und nach den Regeln der Comic-Kunst vermöbelt. Das überarbeitete Kampfsystem profitiert neben artistischen Schlagkombinationen insbesondere von den Kräften des schwarzen Anzugs, wenn ein spezieller Wutpegel für Blutergüsse im Großformat sorgt.
Wer es klebriger mag, darf Feinde mit Spinnfäden einwickeln. Obwohl das Kampfsystem oft nach dem Zufallsprinzip funktioniert, das Klicken schnell in Hektik ausartet, machen die wilden Keilereien Spaß. Innenräume sind ein dankbares Kampfgebiet, weil fast sämtliches Mobiliar zu Bruch geht.
Dennoch sorgt vor allem die frei erkundbare Außenwelt für optischen Prunk. Dichter Großstadtverkehr, qualmende Kanalschächte, tagsüber spiegelnde Fensterfronten, des Nachts ein Lichtermeer - kurz: Big Apple sieht zum Anbeißen aus. Auch der Titelheld macht eine gute Figur, lässt unter dem hautengen Zwirn animierte Muskeln spielen. Pech nur, dass die Bewohner New Yorks offenbar nichts Außergewöhnliches an einem Kerl im Spinnenkostüm finden. Den ärgerlichen Höhepunkt erreicht diese Ignoranz, wenn "Spidey" öffentlich Punks gen Himmel schleudert oder Gebäudefassaden stürmt, ohne dass auch nur ein Passant Notiz davon nimmt. Positiv fällt auf, dass nicht nur sehr viele Menschen die Gehwege bevölkern, sondern auch unterschiedliche Klamotten und Staturen geboten werden.
Spinnenbeute Hardware
"Spider-Man 3" ist ein schwungvolles Spiel. Ständig ist die Spinne in Bewegung, sei es im Kampf, auf der Suche nach tickenden Bomben oder während des Freiflugs durch Wolkenkratzerschluchten. Ohne eine vernünftige Steuerung würde dieses Konzept nicht funktionieren. Auf Befehle der Tastatur, besser eignet sich ein Gamepad, reagiert die Spielfigur flink und vergleichsweise genau. Weil aber "Spider-Man 3" Rechenleistung saugt wie die Spinne Fliegenblut, können Heldentaten durch Performancelöcher ebenso erschwert werden wie durch knapp bemessene Zeitlimits oder mühsame Bossfights.
Fazit: Insgesamt gelungene Adaption, für Fans lohnt das Rumspinnen.
