Kaufsucht: Wenn Einkaufen zwanghaft wird
Gefahr Online-Shopping
Kaufen ist heutzutage grundsätzlich erwünscht, der Konsum treibt die Wirtschaft an. Eine Kaufsucht ist daher viel schwerer zu entdecken als zum Beispiel eine Alkoholsucht, da Kaufen gesellschaftlich voll anerkannt wird. Jedoch gibt es Alarmsignale, die zum Nachdenken anregen sollten: Mangelnde Freude über Einkäufe oder sogar Schamgefühle nach dem Einkauf können erste Anzeichen für eine bestehende Problematik sein. Dazu sollte bei ständigen finanziellen Engpässen das eigene Kaufverhalten beobachtet werden. Dies kann zum Beispiel wirkungsvoll mit dem Führen eines Haushaltsbuches geschehen.
Das bargeldlose und barrierefreie Einkaufen über das Internet kann eine Entwicklung in die Kaufsucht unterstützen. "Mein klinischer Eindruck ist, dass Online-Shopping, gerade bei Jüngeren, eine wachsende Form der Kaufsucht ist", meint Astrid Müller, die Kaufsucht an der Uniklinik Erlangen erforscht und behandelt. Hier werden Betroffene in einer ambulanten Gruppen-Verhaltenstherapie betreut und auf ein suchtfreies Leben danach vorbereitet. Der schnelle Klick im Internet bringt nahezu alles, was der Kunde wünscht bequem nach Hause. Dazu wird mit immer neuen Finanzierungsmöglichkeiten gelockt, die Einkäufe weit über das vorhandene Budget hinaus erlauben.

Für Kaufsuchtgefährdete eine fatale Entwicklung, da "die meisten Kaufsüchtigen ein defizitäres Geldmanagement haben und dazu neigen, ihren Konsum nicht kontrollieren zu können", so Müller weiter. Oftmals kommt zu der Kaufsucht die Problematik Überschuldung hinzu, die den Suchtkranken weiter von seiner Umwelt isoliert. "Die meisten Menschen mit Kaufsucht verschulden sich, allerdings nicht alle. Auch diejenigen, die sich nicht verschulden, beschreiben einen hohen Leidensdruck, der durch die sinnlosen, unangemessenen Einkäufe entsteht", erklärt Astrid Müller.
Kinder bekommen heute nur noch selten den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld vermittelt und erlernen schon früh, sich selbst zu belohnen. Zu wenig Zuwendung wird von berufstätigen Eltern nicht selten mit Spielsachen kompensiert und für ein gutes Zeugnis gibt es Geld statt Lob. Dazu stellt Geld eines der letzten Tabuthemen dar, das kaum in Familien besprochen wird. Genau wie in anderen Themenbereichen, kann ein bewusster Umgang mit Geld nur durch ausreichende Beschäftigung mit diesem Thema erlernt werden.
Erste Hilfe
Wer bei sich oder im Bekanntenkreis ein Verhalten feststellt, welches auf eine drohende oder vorhandene Kaufsucht schließen lässt, kann mit einigen Sofortmaßnahmen handeln. So sind als erstes Kredit- und EC-Karten abzugeben und der Geldverkehr sollte fast ausschließlich über Bargeld abgewickelt werden. Das Führen eines Haushaltsbuches informiert sinnvoll über Ausgaben und deckt unnötige Einkäufe gnadenlos auf.
Eine Liste der eigenen Besitztümer macht im Zweifelsfall schnell klar, dass bestimmte Güter schon angeschafft wurden und ein neues Topfset nicht mehr benötigt wird. Es ist wichtig, nur leider nicht immer möglich, früh die Zeichen einer Sucht zu erkennen. Bei ersten Anzeichen oder Unsicherheiten ist das Aufsuchen von professioneller Hilfe oberstes Gebot. Zahlreiche Institutionen für Suchtberatung helfen heutzutage auch bei Kaufsucht weiter.
