Dekadenz in 3D
Verkehrte Netzwelt: Killerspieler als Klimakiller
Internet & Netzwelt
Politiker, die plötzlich so tun, als ob sie nicht mehr in überlangen Luxus-Limousinen mit dem Hubraum eines Putzeimers anreisen würden, Autohersteller, welche die Bedrohung durch PKW-Abgase auf einmal nicht mehr als Paranoia-Produkt langhaariger Hippies abstempeln, Privatleute, die ihrer Hi-Fi-Anlage aus Angst vor der nächsten Stromrechnung nachts den Stecker ziehen - fast jeder leistet auf seine Art einen mehr oder weniger sinnvollen Beitrag zum Thema Klimaschutz. Doch die Klimakiller der Zukunft sind Konsolen- und Computerspieler.
Nein, wir wollen die schier endlose Liste von Vorurteilen gegenüber der modernen Gamer-Generation nicht um ein weiteres verlängern. Denn eigentlich können die enthusiastischen 3D-Zocker gar nichts dafür, dass ihre virtuellen Freizeitgeräte derart gierige Stromschluckspechte sind. Vielmehr liegt die Schuld bei den Produzenten von Spielkonsolen und PC-Grafikkarten. Wer schön sein will, muss leiden: Dieser Wahlspruch ist heute aktueller denn je, zumal die Spiele-Grafik ohne energiehungrige Hardware nur noch halb so schön aussieht. Leiden muss darunter die Umwelt, wenn dreckschleudernde Kraftwerke deshalb Doppelschichten schieben.
Wattrüsten
Beginnen wir mit den aktuellen Spielkonsolen aus den Häusern Sony und Microsoft als schlechte Beispiele. Den größten Negativrekord erzielt die PlayStation 3, die eine Energie von bis zu satten 200 Watt verschlingt - gut viermal so viel wie der Vorgänger PlayStation 2. Kein Kind von Genügsamkeit ist auch die Microsoft Xbox 360, welche die ältere Generation glatt um den Faktor 2 bis 3 übertrifft. Wichtige Kritikpunkte, die beim ständigen "Schneller-Schöner"-Wettrüsten allzu gerne unter den Tisch fallen.
Maßgeblich am Stromverbrauch von PCs beteiligt sind die beiden großen Grafikschmieden Ati und Nvidia, besonders wenn der Rechner auch ordentliche Spieleleistung mitbringen soll. Im High-End-Segment jagt ein Verbrauchswunder das nächste, bloß leider in negativer Hinsicht. Ein paar Beispiele: Mitte 2006 verkörperte eine Grafikkarte mit Ati Radeon X1900 XTX das Beste, was der Bilanz der Energieerzeuger passieren konnte. Dagegen war das damalige Top-Modell von Erzfeind Nvidia das reinste Unschuldslamm.
Doch die Zeiten ändern sich, auf dem Hardware-Sektor besonders schnell. Nicht einmal ein halbes Jahr später schließt die Konkurrenz mit dem GeForce 8800 GTX auf in Sachen Stromverbrauch. Doch trotz Leistung im Überfluss reichte das noch nicht und ein noch stärkerer und verschwenderischer GeForce 8800 "Ultra" musste her. Gerade mal zwei Wochen später kommt mit dem Radeon HD 2900 XT Atis neues bestes Stück auf den Markt, das den Stromzähler sogar noch mehr auf Touren bringt.
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