Hintergründe und Fakten
Digitalkamera-Technik: Der Messsucher
Trotz des Vorherrschens der Spiegelreflexfotografie waren Messsucherkameras nie ganz vom Markt verschwunden. Im Gegenteil: In den letzten Jahren brachten zahlreiche Firmen neue Modelle auf den und damit frischen Wind in den Markt. Seit 2004 bietet Epson Freunden der M-Technik den Umstieg auf die digitale Plattform, Ende 2006 begann auch der Traditionshersteller Leica mit der Auslieferung seines ersten digitalen Messsucher-Modells. Gründe genug, das Phänomen Messsucher einmal genauer zu betrachten.

Inhaltsverzeichnis
- 1Entwicklung
- 2Konkurrentin Spiegelreflex
- 3Vorteile der Messsucher-Technik
- 4Bildkontrolle durch den Sucher
- 5Fazit
Entwicklung
Im Jahr 1925 kam mit der Leica Standard die erste Kamera für das Bildformat 24 mal 36 Millimeter auf den Markt. Schon diese Kleinbildkamera war mit einem Sucher ausgestattet, der allerdings noch nicht als Hilfe zum Messen der Entfernung und zum Fokussieren genutzt werden konnte. Der Fotograf musste die Entfernung zum Motiv abschätzen und danach das Objektiv einstellen. Als Zubehörteil war für die Leica ein Aufstecksucher erhältlich, der aber nicht mit dem Objektiv gekoppelt werden konnte. 1932 integrierte die Firma Leitz ein zweites Messfenster in das Gehäuse der Leica II und führte ihre so genannte automatische Scharfstellung ein. Noch heute funktioniert die Entfernungseinstellung von Messsucherkameras nach demselben Prinzip.
Kameratechnik: Der Messsucher
Schematische Darstellung des Messsucher-Prinzips nach den Regeln der Trigonometrie: Messbasis und Entfernung zum Motiv bilden einen rechten Winkel, der zweite Winkel ist durch die Stellung des Drehspiegels im Innern bekannt. So wird die Entfernung zum Motiv ermittelt.
Und hier das tatsächliche Bauteil. Der Übertragungsregler von Objektivschnecke zum Drehspiegel ist deutlich zu sehen.
Blick durch den Sucher einer Messsucherkamera: Erst wenn beide Bilder im Zentrum deckungsgleich sind, ist die Tulpe scharf gestellt.
Aufbau eines Messsuchers mit Linsen, Prismen und Leuchtrahmen (hier in der Zeiss Icon), schematisch darstellt.
Die erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera, die Kine-Exakta der Firma Ihagee aus Dresden. Gebaut ab Mitte der 30er Jahre.
Die Entfernungen werden nach den Regeln der Trigonometrie gemessen: Die Strecke zwischen Sucher und zweitem Messfenster markiert die Messbasis und stellt die Kathete eines gedachten Dreiecks dar. Das anvisierte Motiv bezeichnet den dritten Punkt dieses Dreiecks. Aus der bekannten Länge der Messbasis und dem Stand des Drehspiegels im Inneren der Kamera wird die Entfernung zum Motiv (Ankathete des Dreiecks) abgeleitet. Dieser Ablauf ist mechanisch: Der Fotograf steuert ihn über die Veränderung der Entfernungseinstellung am Objektiv, muss aber keinerlei Rechnungen anstellen.

Beim Blick auf das Motiv durch den Sucher (grüner Strahl) wird über einen Drehspiegel ein Doppelbild in den Sucher eingeblendet, das von einem zweiten Messfenster erfasst wird (gelber Strahl). Durch einen mechanischen Kontakt unterhalb des Drehspiegels, der in eine Steuerkurve des Objektivs greift, wird die Spiegelstellung verändert, sobald der Fotograf den Schneckengang des Objektivs bewegt, also die Entfernung einstellt. So wandert das Geisterbild während des Einstellvorgangs vor dem Auge des Fotografen. Liegen beide Bilder im Sucher deckungsgleich übereinander, stimmt die eingestellte Entfernung zum Motiv und es wird scharf abgebildet.
