Onlinesucht: Krankheit erkennen und behandeln
Hilfe zur Selbsthilfe im Netz
Auch das Internet bietet mit diversen Infoseiten erste Anlaufstellen für Onlinesüchtige. Im deutschsprachigen Raum hilft besonders das Online-Projekt des HSO (Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige) 2007 e.V. Dort finden Betroffene viele Infos zum Thema Onlinesucht, eine Liste mit professionellen Therapeuten sowie ein Forum mit jeder Menge Beiträge.
Das oft auch schon kleine, vermeintlich unwichtige Schritte aus der Sucht helfen können, weiß Vereinsvorsitzende Gabriele Farke: "Es muss nicht immer gleich eine Therapie sein. Oft helfen auch Beratungen oder der Austausch mit Gleichgesinnten, wie beispielsweise im Forum von Onlinesucht.de. Es gibt verschiedene 'Brücken', die ein Onlinesüchtiger anwenden kann, um aus der Sucht auszusteigen. Fakt ist aber, dass jemand, der diesen Willen überhaupt hat, auf dem richtigen Weg schon ein gutes Stück vorangekommen ist."
Angehörige können helfen
Auch Familienmitglieder und Freunde können Internetabhängigen helfen, ihre Sucht hinter sich zu lassen. Ein "kalter Entzug" im Sinne von Internetzugang sperren oder kündigen ist dabei jedoch oft der falsche Weg. Dr. Platz: "Eine Abstinenz ist im Gegensatz zu anderen Suchtformen bei Internet-Dependence nicht das Ziel - allein schon wegen beruflicher Notwendigkeiten. Angestrebt wird deshalb eher ein kontrollierter Umgang mit dem Internet." Die Familie kann einen Süchtigen dabei auch schon mit Kleinigkeiten oder vielmehr durch das Vermeiden von Fehlern helfen.
Der Verein HSO gibt die Tips, beispielsweise einen Onlinesüchtigen, der ohnehin schon den größten Teil des Tages vor dem Rechner sitzt, nicht auch noch am PC mit Getränken, Zigaretten und Speisen zu versorgen. Stattdessen sollten eher Dinge gefördert werden, die den Betroffenen von dem Computer "weglocken". Auch hilft es oft schon, den Süchtigen auf seine Situation aufmerksam zu machen - das Internetsüchtige zu viel Zeit vor dem Rechner verbringen, Familie und Freunde vernachlässigen und Freundschaften sogar dadurch verlieren, fällt den Betroffenen oft nicht auf.
Auch können sich Familienmitglieder und Freunde mit anderen Angehörigen Onlinesüchtiger zum Beispiel über das Forum des HSO 2007 austauschen. Dort gibt es etwa zum Thema "Online-Sex-Sucht" einen speziellen Bereich nur für Angehörige.
Neues Hobby gegen alte Sucht
Wer sich als Onlinesüchtiger selbst von seiner Krankheit befreien will, findet auch dazu Informationen im Netz. Grundsätzlich gilt dabei: "Selbstheilungsversuche sind wie bei jedem exzessiven Verhalten selbstverständlich möglich. Der Erfolg hängt dabei allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Ein Weg wäre zum Beispiel (im verhaltenstherapeutischen Sinn), sich vorzunehmen - sofern tatsächlich Leidensdruck besteht - die Expositionszeit, das heißt die Zeit, die im Internet verbracht wird, mit einem Wecker kontrolliert, allmählich zu reduzieren", so Dr. Platz.
Die Selbsthilfe des HSO rät zudem beispielsweise den Computer aus dem unmittelbaren Wohnbereich zu entfernen, vielleicht ein neues Hobby zu suchen, beziehungsweise ein altes wieder aufzufrischen und nach Möglichkeit mit einem vertrauten Menschen über sein Problem zu sprechen. So könnte, mit oder ohne fremde Hilfe, der Umgang mit dem Internet wieder in geregelte Bahnen gelenkt und ein Ausweg aus der Krankheit Onlinesucht gefunden werden.
