Fototipp: Available Light-Fotografie
Blaue Stunde
Auch der Selbstauslöser bietet hier eine Alternative. Eine ganz eigene Ästhetik erzeugt der Fotograf, wenn er bei längeren Belichtungszeiten ein Zoom-Objektiv verwendet und während der Aufnahme die Brennweite verändert. So entstehen Lichtspuren, die vom Zentrum nach außen laufen. Je nach gewählter Richtung des Zoomens hat der Betrachter das Gefühl ins Bild hinein oder hinausgeführt zu werden. Das Bild erhält so auch eine zeitliche Komponente. Kompaktkameras mit Zoomwippe erlauben diese Effekte nicht, da die Veränderung der Brennweite während der Belichtung nicht funktioniert.
Available Light Fotografie
Diese Aufnahme ist ebenfalls lediglich eine Sekunde belichtet. Der surreale Effekt wurde durch ein leichtes Drehen am Brennweitenring erreicht. (Foto: Tamar Z. Stern)
Kurz nach Sonnenuntergang kommen die Lichter und der Himmel besonders gut zur Geltung. Durch den mobilen Kamerastandpunkt, auf einem anderen Schiff, musste hier mit hoher Empfindlichkeit fotografiert werden. (Foto: Tamar Zifra Stern)
Um den Wischeffekt durch das gesamte Foto zu ziehen, ist die dritte Aufnahme 30 Sekunden lang belichtet worden und die Blende entsprechend auf den Wert f16 geschlossen. (Foto: Tamar Z. Stern)
Die Aufnahme ist kurz belichtet, damit die nächtliche Stimmung erhalten bleibt. (Foto Tamar Z. Stern)
Die Zeit kurz nach Sonnenuntergang, bevor die Nacht vollends hereingebrochen ist, ist dominiert von einem bläulich-violetten Himmel und leuchtenden Farben der nun stärker in Erscheinung tretenden Lichter der Fenster, Straßenlaternen und jeglicher anderer Beleuchtung. Durch die längeren Belichtungszeiten sammelt der Sensor die restlichen roten Anteile aus der beginnenden Dunkelheit. So wirkt der Himmel auf Fotos, die zur blauen Stunde entstanden sind, oft farbiger, als der Fotograf ihn vor Augen hatte. Da der Zeitraum der blauen Stunde oftmals nicht länger als eine halbe Stunde beträgt, ist es sinnvoll, den Kamerastandpunkt im Vorfeld ausgewählt zu haben. Speziell zu dieser Tageszeit ist das Experimentieren mit dem Weißabgleich spannend.

Kurz nach Sonnenuntergang kommen die Lichter und der Himmel besonders gut zur Geltung. Durch den mobilen Kamerastandpunkt, auf einem anderen Schiff, musste hier mit hoher Empfindlichkeit fotografiert werden. Foto: Tamar Zifra Stern
(Klick vergrößert).
Nachtfotografie
Anders als unser Auge passt sich die Kamera nicht den Lichtverhältnissen der Nachtlandschaft an. Deshalb ist ein Foto zu dunkel, wenn es mit derselben kurzen Verschlusszeit gemacht wird wie am Tage. Der Sensor in der Kamera muss über einen längeren Zeitraum so viel Licht sammeln, dass die Abbildung des Motivs genug Zeichnung, also Details, hat und nicht eine schwarze Fläche ist. Durch den hohen Kontrast zwischen Finsternis und Lampen stechen Lichtquellen in der Nachtfotografie besonders hervor und werden durch die längere Belichtungszeit in ihrer vollen Farbigkeit abgebildet. Anders als am Tage hat in der Nacht auch das vermeintlich schlechte Wetter seine Vorzüge: Feuchtigkeit erzeugt Reflektionen, die dem Motiv Leben einhauchen. Auch Nebel kann stilvolle Effekte erzeugen.

Die Reflektionen der Lichter im Wasser kommt nur nachts so gut zur Geltung, dass diese Aufnahme wirkt. Foto: Tamar Zifra Stern
(Klick vergrößert).
Ausrüstung
Neben einer Kamera mit guten Bildleistungen in hohen ISO-Empfindlichkeiten sind in erster Linie hochwertige, lichtstarke Objektive für die Available-Light-Fotografie ideal. Bei lichtschwächeren Optiken kann der Fotograf auf höhere ISO-Werte zurückgreifen oder die Belichtungszeiten entsprechend verlängern. Kleine Bewegungen der Kamera kann ein optischer Bildstabilisator ausgleichen.
Der kreative Spielraum des Fotografen vergrößert sich durch Verwenden des RAW-Formats erheblich, da sowohl die Belichtung als auch der Weißabgleich nachträglich angepasst werden können. Bei der Wahl des Stativs sollte auf die Stabilität geachtet werden. Für Langzeitbelichtungen ist es dazu sinnvoll, einen abnehmbaren Tragegurt an der Kamera zu befestigen. Für die Zeit der Belichtung kann dieser entfernt werden, was bei leichtem Wind das Verwacklungsrisiko minimieren kann.

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