Fototipp: Available Light-Fotografie
Belichtungszeiten und Empfindlichkeit
Werden die Belichtungszeiten aber länger und das Licht auf dem Sensor gesammelt, prägen die Farben das Bild deutlich. Ein Blitz, der neutralisierendes weißes Licht abgibt, zerstört die Farbstimmung und erzeugt Flächigkeit, weil alles jenseits der vom Blitzlicht ausgeleuchteten Ebene im Hintergrund verschwindet. Auch die Farben des vorhandenen Sonnenlichts ändern sich im Laufe des Tages stark.
Steht die Sonne horizontal, morgens und abends, dominieren langwellige Farbanteile das sichtbare Frequenzband des Lichts: Es ist rötlich und warmtonig. Mittags steht die Sonne im Zenit und strahlt senkrecht auf die Erde. Die kurzwelligen Anteile im Spektrum sind prominenter vertreten und gleichen das Rot aus. Deswegen sind Außenaufnahmen am Mittag farblich kühler als morgendliche und Abendaufnahmen. Allerdings wirken Mittagsaufnahmen durch den hohen Kontrast der hellen Flächen und besonders dunklen, kurzen Schatten schnell kalt und grell. Das farblich neutralste Licht hat der Fotograf in den Vor- und Nachmittagstunden.
Besonders in den Morgen- und Abendstunden sieht die Kamera Farben anders als ein Mensch, da sich Sensoren und Filme nicht automatisch an den Weißwert des Lichts anpassen. Foto: Tamar Zifra Stern
In der analogen Welt passte sich der Fotograf durch die Wahl seines Films an die Lichtquellen und ihre unterschiedlichen Wellenlängen an. Digitalkameras haben einen nicht wechselbaren Sensor und arbeiten mit softwareseitigen Farbkorrekturen, je nach vorhandener Beleuchtungssituation. Dabei bestimmt die Kamera entweder automatisch einen Weißpunkt oder der Fotograf weist eine in der Kamera gespeicherte Voreinstellung zu.
Viele digitale Spiegelreflexkameras bieten auch einen komplett manuellen Weißabgleich an, bei dem der Fotograf unter den gegebenen Lichtverhältnissen ein weißes Blatt Papier oder geeigneten Ersatz fotografiert und der Kamera diese Aufnahme als Weiß zuweisen kann. Wird eine Weißabgleichseinstellung verwendet, die nicht zur Beleuchtungssituation passt, sind Farbverschiebungen im Foto das Ergebnis. Meist ist das nicht erwünscht, in der Available-Light-Fotografie, speziell nach Sonnenuntergang, können so aber auch spannende Effekte erzielt werden. Wird im RAW-Modus fotografiert, hält sich der Fotograf alle Optionen offen, da der Weißabgleich im Rechner erneut komplett verändert werden kann.
Speziell in Innenräumen und zur späteren Stunde schwindet das natürliche Licht der Sonne, und der Fotograf wird dazu gezwungen, seine Belichtungsparameter an diese schwach beleuchtete Situation anzupassen. Dazu hat er drei Möglichkeiten, wenn eine zusätzliche Lichtquelle ausgeschlossen wird. Er kann erstens die Belichtungszeit verlängern, um bei gleich bleibender Blendenzahl weiter zu arbeiten.

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