Zwischen Fußballfieber und Speicherwahn

Angespielt: UEFA Champions League 2006-2007

Damit der Rubel rollt, muss der Ball rollen, im echten Fußballgeschäft wie in der Gamesbranche. Mit dem neuesten Update des offiziellen Spiels zur Champions League will und muss Electronic Arts das Geld für teure Lizenzen rein holen. Scheinbar zögerlicher investiert wurde in die Weiterentwicklung des Königsklassen-Kicks.

Angespielt: UEFA Champions League 2006-2007
Bonuspunkte schalten Champions League-Klassiker frei, gespielt wird dennoch mit aktuellen Teams.

Als offizielles Begleitspiel ist "UEFA Champions League 2006-2007" mit den aktuellen Vereinsdaten der laufenden Saison bestückt. Im Bann der wichtigsten Trophäe des europäischen Vereinsfußballs scharren etliche Originalteams mit den Stollen, viele davon im eigenen Stadion. Diese sind würdig herausgeputzt, werden aber nach wie vor von zuckenden Grafikplatzhaltern bevölkert. Nicht viel besser sieht es am Spielfeldrand aus, wo zweidimensionale Pappfiguren mit erhobenen oder ausgestreckten Armen zu grotesken Salzsäulen erstarren.

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Bewegter geht es auf dem Rasen zu. Dafür sorgen ein paar neue Animationen und die gegenüber "FIFA 07" noch einmal leicht modifizierte Ballphysik. Mehr kuriose Abpraller, gleichzeitig aber weniger Treffer mit Tor-des-Monats-Garantie sind die Folgen jener Minimalkosmetik. Neu ist die Schnellsteuerung, die spontane Freistöße, Ecken, Einwürfe und Abschläge ohne verzögernde Animationen erlaubt.

Menschliche Torhüter

Wer nicht gegen Onlinespieler antritt, sucht die Herausforderung auf dem höchsten von vier Schwierigkeitsstufen. Dann ist das Spiel zwar schneller, die gegnerische Offensivabteilung ballgewandter, bezüglich der Spielintelligenz bleibt trotzdem Luft nach oben. Besonders in der Rückwärtsbewegung treten sich computergesteuerte Spieler oft gegenseitig auf die Füße, ohne die Räume wirklich eng zu machen.

Nach einem tödlichem Pass laufen Angreifer - mit Ball so flott wie ohne - oft ungehindert auf die keineswegs übermenschlichen Torhüter zu. Kahns Kollegen leisten sich durchaus menschliche Fehler. In einer Situation landete der Abwurf des gegnerischen Schlussmannes direkt auf dem Stiefel eines lauernden Stürmers. Dem Realismus sind solche Einlagen nicht abträglich.

Am eigenen Vorstand zweifeln

Völlig unrealistisch dagegen das Einmischen des Vorstands in sportliche Belange: Im Triple-Modus, einer kompletten Saison mit Managementeinschlag, grätscht die Vereinsführung mit teils absurden Forderungen dazwischen. Man habe Spieler X aufzustellen oder ein defensives System zu praktizieren, auch dann, wenn man die Kontrolle über eine Partie erst in der soundsovielten Minute übernimmt und hinten liegt. Nachvollziehbarer sind Maßgaben wie Siege ohne Gegentor sowie das Vermeiden gelber oder roter Karten, wofür es Punkte zur Freischaltung diverser Herausforderungen gibt.

Lästig ist die halbautomatische Speicherfunktion. Nicht nur im Anschluss einer Partie oder nach Aktionen auf dem Tranfermarkt penetriert das Programm mit Bestätigungsmasken zur Aktualisierung des Spielerprofils. Auf dem Platz würde so viel Klein-Klein den Tadel der Herren Beyer und Hellmann auf sich ziehen. Zusammen mit dem Kommentatoren-Gespann sorgen bunt gemischte Fangesänge und Stadiongeräusche für realistische Klangkulissen.

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Fazit: Kaum überraschender als ein Schlusspfiff nach 90 Minuten. Aufgrund der Nähe zum großen "FIFA"-Bruder könnte dieser Titel schlicht "UEFA 07" heißen.

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