Playstation 3 im Test: Klassenprimus oder Hinterbänkler?
Auf die Schulbank: die Praxis
Im Betrieb zeigt sich Sonys Nachzügler angenehm unauffällig: Der Geräuschpegel hält sich in Grenzen. Unter Last lässt sie zwar die Lüfter rotieren, bleibt aber dezent. Auch das Laufwerk bleibt unaufdringlich, lediglich der Leseschlitten macht sich beim Laden deutlich hörbar bemerkbar. Apropos: Eines der auffälligen Mängel der PS3 sind die teilweise langen Ladezeiten. Die akustische Zurückhaltung beruht anscheinend auf der gerade einmal zweifachen Lesegeschwindigkeit des Slot-in-Laufwerkes.
Weniger zurückhaltend zeigt sie sich jedoch beim Stromhunger: Zwischen 160 Watt beim Faulenzen und bis zu 200 Watt beim Zocken saugt sie sich durch das Netzkabel. Zusammen mit einem großen Flachbildfernseher können ausgedehnte Zockersessions für Reue bei der nächsten Stromrechnung sorgen. Da stimmt einen der Standby mit gerade einmal einem Watt und der echte Netzschalter auf der Rückseite wieder versöhnlich: Der schleichende Stromverbrauch im Schlaf ist so kein Thema bei der PS3.
Offenes Multitalent
Im Vergleich zur direkten Konkurrrenz von Nintendo und Microsoft positioniert Sony seinen Spielautomaten deutlich multimedialer und offener. Das XMB taugt als rudimentäres Mediacenter, USB-2.0-Standardanschlüsse sind kompatibel zu gängiger Hardware und anders als alle Hersteller erlaubt Sony nicht nur, ein anderes Betriebssystem zu installieren, es wird sogar gefördert. Sony unterstützte mit Yellow Dog 5.0 gar die Verwendung offener Software. Somit wird die PS3 zum Heimcomputer mit Linux.
Eine der Überraschungen war der neue Controller, bei dem die Vibrationseffekte zugunsten eines Bewegungssensors gestrichen wurden. Wer dabei gleich an lustige Partyspiele wie bei der Wii denkt, liegt aber falsch. Denn lediglich die Rennspiele im Test unterstützten die Lenkung durch Neigung des Sixaxis-Controllers. Und dies war nur eine mittelmäßige Alternative zur herkömmlichen analogen Steuerung. Einen Gewinn bringt es nicht, kostet nur Präzision beim Umkurven von kniffligen Biegungen.
Augenschmaus?
Als Neuling unter den eiligen drei Königen der neuen Konsolengeneration werden an die PS3 hohe Maßstäbe angelegt. Da die Wii sich aus der Polygonschlacht heraushält, muss sie sich zumindest mit Microsofts XBox 360 messen. Mit 1080p, also voller HD-Auflösung, liefert sie schon einmal eine gute Grundlage. In der Realität liegen einige Spiele wie "MotorStorm" oder "Genji" aber nur als 720p-Version auf der Disk.
"Ridge Racer 7" ist zwar Full-HD-tauglich, lässt jedoch in den Texturen der Kulisse einige Details vermissen. Die Launch-Titel geben vermutlich nur einen kleinen Einblick in die Leistungsfähigkeit der japanischen Wohnzimmer-Spielhölle. Auf einem Röhrenfernseher relativiert sich der Grafikvorsprung zur alten Generation allerdings wieder.
Zeugnisvergabe
Insgesamt hat es bei Sonys kleiner Schwarzen zu einem guten Notenschnitt gereicht. Kein Musterschüler ohne jeden Tadel, aber ein durchdachtes Konzept, das weitgehend frei von künstlichen Beschneidungen ist. Die Playstation ist näher am Computer als jede andere Konsole. Viel Multimedia, ein flexibles Gesamtkonzept, die Festplatte und ein serienmäßiges Blu-ray-Laufwerk: Damit kann sie deutlich punkten. Abzüge gibt es bei den Ladezeiten, fehlender Vibration und dem Stromverbrauch.
Unterm Strich positioniert sich die PS3 damit im ähnlichen Sektor wie die XBox, allerdings ist sie mit ihrem Medientalent und der Offenheit für Linux wesentlich breiter aufgestellt. Im Revier der Wii will sie nicht wildern. Wenn die XBox der effektive, funktionelle Schnaps ist und die Wii das Dosenbier für den jugendlichen, günstigen Partyspaß, dann ist die Playstation ein Cocktail mit viel Deko und vielen Zutaten für den Genießer. Das hat allerdings mit 600 Euro auch seinen Preis. Die Versetzung ist jedenfalls nicht gefährdet.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir folgende redaktionelle Übersichten erstellt: Sony Playstation und Sony Playstation 3.
