Spekulationen auf dünnem Eis
Verkehrte Netzwelt: "Tötet Knut!"
Wenn in der Medienlandschaft der Bär steppt, so der redaktionelle Revoluzzergedanke, kontert netzwelt mit Katzen. Ursprünglich sollte diese Verkehrte Netzwelt von Samtpfoten handeln, deren Fellzeichnung an Hitlerbärte und -scheitel erinnert. "Kitlers" nennen die Betreiber der Plattform "cats that look like hitler" solche Launen der Natur. Doch ausgerechnet eine Morddrohung gegen Jesus Knut Superstar stoppte die tierische Trendwende. Es folgte das Zurückrudern in den Mainstream: Knut-Kolumne statt Hitler-Heizis.

Auch wenn die schreiende Überschrift das Gegenteil suggeriert: Der Verfasser, trotz Erwachsenenalters von einer Wendy-Welle getragen, schwärmt ebenfalls für das Eisbärbaby, das ja bald keines mehr ist. Noch ein paar Tonnen Fisch, und Knut passt in kein Iglu mehr. Insofern kommt die Morddrohung gegen die Bärenberühmtheit schon fast zu spät. Schließlich lehrt die Erfahrung, dass Mitgefühl für die Kreatur mit rückläufigem Knuddelfaktor sinkt. Wer kleinen Robben zwischen die Knopfaugen knüppelt, ist herzlos, wer Schweine und Kühe kartätscht, Metzger.
Den Zeitpunkt der maximalen Schockwirkung hat der potenzielle Knut-Killer somit verpasst. Ernst genommen wurde das anonyme Ansinnen, dem Fellknäuel selbes über die Ohren zu ziehen, nichtsdestotrotz. Die Berliner Zooverwaltung reagierte auf ein Schreiben unbekannter Herkunft und lässt Knuts Kinderzimmer seitdem von Wachleuten observieren.
Schleichende Knutisierung
Nun fragt sich Deutschland - an Hitlers und Killerspieler zwar gewöhnt - wie viel böser Geist der bloßen Ankündigung einer solchen Tat innewohnen muss. Wer ist dieser Mann? Oder ist es eine Frau? Ist es denkbar, dass der Eisbär-Eliminierer durch die knutsche Allgegenwart im Boulevard erst zu einem solchen geworden ist?
Davon ausgehend, dürfte die Zahl der Knut-Kritiker mit jedem weiteren seiner Medienauftritte wachsen, ganz zu schweigen von Begleiterscheinungen wie Liedern oder Games. Mag Klein-Knut noch so unschuldig an seiner Rolle als inoffizielles Wappentier Deutschlands sein, einigen stinkt das haarige Brimborium inzwischen wie ein Bärenfurz. Deshalb gleich Morddrohungen zu verschicken, spricht aber nicht für nervliche Bärenstarke. Demnach würde ja die versammelte Menschenprominenz zur Vergrößerung des Briefkastens gezwungen sein.
