Festplatte, Flash-Speicher und Rohling im Vergleich
Haltbarkeit von Speichermedien: Wo Daten richtig liegen
Wissen Sie eigentlich, wo Ihre wichtigen Dokumente, archivierten Musik- und Video-Dateien oder digitalen Fotos am sichersten liegen? Jedes Speichermedium, egal ob CD- oder DVD-Rohling, Flash-Speicher auf dem USB-Stick oder MP3-Player oder PC-Festplatte, hat seine ganz eigenen Vor- und Nachteile. Welche das sind und wo Ihre Daten am besten aufgehoben sind, erfahren Sie im netzwelt-Ratgeber.

"Scratchen": Gut für den DJ, schlecht für die Festplatte
Inhaltsverzeichnis
- 1Festplatte: Super-GAU Headcrash
- 2Festplatte: Immer schön flüssig bleiben
- 3Festplatte: Prima im richtigen Klima
- 4Festplatte: Stop and go
- 5Flash-Speicher: Hart im Nehmen
- 6Flash-Speicher: Teurer gleich besser
- 7Flash-Speicher: Sichere Windows-Entfernung
- 8CD und DVD: Empfindliche Rohlinge
- 9CD und DVD: Begrenzt haltbar
- 10Datenrettung und Hersteller-Haftung
Festplatte: Super-GAU Headcrash
Im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung besitzt die Festplatte einen gewissen Ausnahmecharakter. Denn sie gehört zu den wenigen Dingen in PCs und Unterhaltungselektronik, die noch mechanisch arbeiten: Eine oder mehrere übereinanderliegende Scheiben, auch als "Platten" oder "Platter" bekannt, drehen ihre Runden in einer stabilen Außenhülle. Je nach Modell 4.200 bis 15.000 Mal in der Minute. Jede dieser festen Platten ist mit einer magnetisierbaren Schicht überzogen, die ihren Zustand je nach Art der zu speichernden Daten verändert. Für die nötige Magnetisierung ist ein so genannter "Schreib-Lese-Kopf", englisch "Head", zuständig.
Wie der Name schon sagt, sorgt dieser sowohl für das Speichern sprich Schreiben der Daten als auch für das Abrufen beziehungsweise Lesen. Dabei hängt er an einem mechanischen Arm und rast mit hoher Geschwindigkeit über die Plattenoberfläche - das menschliche Auge kann da nicht mehr mithalten. Der größte Feind der Festplatte ist die Erschütterung. Bei harten Stößen im Betrieb kann der extrem knapp über der Scheibe schwebende Kopf die Magnetschicht berühren und ernsthaft beschädigen. Ein "Headcrash" ist die Folge, ein Super-GAU. Daten können danach nur noch in den unversehrten Bereichen wiederhergestellt werden.
Festplatte: Immer schön flüssig bleiben
Während eine PC-Festplatte in der Regel nur im ausgeschalteten Zustand transportiert wird, ist das Risiko für einen Headcrash normalerweise gering. Anders sieht es hingegen bei den mobilen Magnetspeichern in Notebooks und MP3-Playern aus, die im laufenden Betrieb herunterfallen könnten. Manche tragbare Festplatten verfügen daher über einen "Fallschutz", der den Schreib-Lese-Kopf in eine sichere Position fährt, sobald sich eine unangenehme Bekanntschaft mit der Erdanziehungskraft anbahnt. Allerdings existieren noch andere Umstände, die einer Festplatte ganz schön zusetzen können.
Deshalb sollte beispielsweise die angegebene Umgebungstemperatur keinesfalls über- oder unterschritten werden. Ist es zu kalt, steigt die Viskosität des für die Flüssigkeitslagerung der mechanischen Bauteile benötigten Öls. Das heißt es wird zunehmend zähflüssiger und die Festplatte kann nicht mehr richtig anlaufen. Eine ähnliche Gefahr besteht bei zu langer Lagerung, denn dann kann die Flüssigkeit ebenfalls aushärten und die Funktion beeinträchtigen. Deshalb sollte eine herumliegende Festplatte zumindest einmal im Jahr reanimiert werden. Bei zu hoher Temperatur, etwa in einem schlecht belüfteten PC-Gehäuse, stirbt der Speicher früher oder später den Hitzetod.

Diagnose-Tools für Festplatten versuchen zwar das Ableben von Festplatten vorauszusagen, wichtiger sind aber erste Anzeichen wie Datenfehler oder Geschwindigkeitsverlust.
Festplatte: Prima im richtigen Klima
Das unscheinbare, winzige Loch im Gehäuse kann eine große Wirkung haben, wenn die diesbezüglichen Warnhinweise missachtet werden. Denn es spielt bei der Kühlung eine entscheidende Rolle. Ist es verstopft, kann die Festplatte nicht mehr "atmen" und überhitzt. Eindringendes Wasser kann bei den metallischen Bauteilen Korrosion verursachen und mindestens ebenso fatale Folgen haben.
Wer seine Festplatte ohnehin nur alle paar Tage zur Datensicherung anschließt und sonst im nur Schrank herumliegen lässt, kann ihr durchaus eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren bescheren. Wie bei manchen Lebensmitteln ist dabei jedoch die richtige Lagerung wichtig - kühl und trocken. Normalerweise arbeitet eine Standardfestplatte bei null bis 60 Grad Celsius noch einwandfrei, am wohlsten fühlt sie sich allerdings bei 35 bis 50 Grad.
Festplatte: Stop and go
Anders als bei einem Auto, dessen Lebensdauer bauartbedingt leidet, wenn es der Fahrer ständig in den roten Drehzahlbereich treibt, wirkt sich die Umdrehungsgeschwindigkeit einer Festplatte nicht auf die Lebenserwartung aus. Anders dagegen der "Stop-and-Go"-Betrieb: Üblicherweise macht eine Festplatte 50.000 so genannte Start-Stop-Zyklen klaglos mit, ein Zyklus entspricht dabei dem Starten und anschließenden Herunterfahren des PCs. Letzteres sollte möglichst ordnungsgemäß geschehen, denn wer bei einer externen Festplatte sehr oft einfach den Stecker zieht oder dem PC im laufenden Betrieb den Strom abschaltet, riskiert Fehler und Datenverlust.
Festplatten verfügen über ein eigenes Diagnosesystem namens "S.M.A.R.T.". Die Abkürzung steht für "Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology" und soll drohende Defekte frühzeitig erkennen. Entsprechende Programme zum Auslesen der S.M.A.R.T.-Informationen sind als kostenlose Freeware erhältlich und sagen teilweise sogar den ungefähren Zeitpunkt des Ablebens voraus. Wer sich nur darauf verlässt, ist zwar nicht gleich verloren, doch entscheidender ist, was man selbst hört, sieht und spürt. Spätestens wenn die Festplatte seltsame Geräusche produziert, Dokumente nur noch als kryptisches Durcheinander erscheinen oder die Geschwindigkeit abnimmt, sollten wichtige Daten in Sicherheit gebracht werden.
Flash-Speicher: Hart im Nehmen
Der so genannte Flash-Speicher ist so schnell nicht kleinzukriegen. Heutzutage stecken die digitalen Speicher-Chips in USB-Sticks, MP3-Playern und Speicherkarten, früher oder später dürften sie sogar der Festplatte die Daseinsberechtigung streitig machen. Sie brauchen keine mechanischen Bauteile und sind dementsprechend unempfindlicher als mechanisch arbeitende Magnet-Festplatten. Manche USB-Sticks überstehen selbst mehrere Schleudergänge in der Waschmaschine. Doch auch der robuste Flash-Speicher ist nicht frei von Alterserscheinungen.
Ein Flash-Chip besteht aus unzähligen, winzigen Speicherzellen mit einer physikalisch begrenzten Lebensdauer, deren Ansteuerung ein so genannter "Controller" übernimmt. Eine bestimmte, kleine Menge von Speicherzellen wird in Blöcken zusammengefasst. Entscheidend ist die Anzahl der "Schreib-Lösch-Zyklen", sprich wie oft Daten in einem Block gespeichert oder gelöscht werden, das reine Auslesen spielt hingegen keine Rolle. Stößt der Controller in einem Block auf eine defekte Zelle, greift er auf eine Art Notreserve zurück, die meist mehrere Prozent der Speicherkapazität für sich veranschlagt, und überspielt die Daten auf einen Ersatz-Block.

Je nach Flash-Speicher variiert dieLebenserwartung um das Zehnfache.
Flash-Speicher: Teurer gleich besser
In Sachen Flash-Speicher konkurrieren derzeit zwei unterschiedliche Technologien, "MLC (Multi Level Cell)" und "SLC (Single Level Cell)". In den meisten Fällen, beispielsweise in MP3-Playern, kommt MLC zum Einsatz. Dabei werden pro Zellenblock zwei Bit an Informationen hinterlegt und die Herstellung ist günstiger, dafür sind Stromverbrauch und Abnutzung höher. Hier ist jede Speicherzelle für mindestens 10.000 Schreib-Lösch-Zyklen spezifiziert.
SLC-Speicher arbeitet nicht bloß effizienter und schneller, sondern mit mindestens 100.000 möglichen Zyklen auch deutlich sicherer. Allerdings kostet er mehr und bietet weniger Platz auf derselben Fläche, da auf jeden Block nur ein Informationsbit kommt. Wegen der klar überwiegenden Vorteile setzen auch die Produzenten reiner Flash-Festplatten auf SLC-Technologie. Jedoch geben die wenigsten Anbieter von USB-Sticks überhaupt an, ob es sich um MLC- oder SLC-Chips handelt, da hilft nur die Anfrage beim Hersteller oder Fachhändler.

USB-Stick von innen: Nach Möglichkeit sollte der"Windows-Selbstschutz" auch genutzt werden.
Flash-Speicher: Sichere Windows-Entfernung
Besitzer von Windows-PCs kennen das kleine Symbol mit dem grünen Pfeil in der rechten Ecke der Task-Leiste. Der Dialog "Hardware sicher entfernen" ist eine Art Selbstschutz für das Betriebssystem und sollte bei der Handhabung wichtiger Daten besser ernstgenommen werden. Denn selbst wenn der Kopiervorgang etwa zu einem USB-Stick oder MP3-Player nicht mehr angezeigt wird, könnte Windows im Hintergrund immer noch "heimlich" Schreib- und Lesevorgänge durchführen. Das muss nicht, kann aber zu Datenfehlern führen. Erst wenn die Hardware "sicher entfernt" wurde, ist sichergestellt, dass Windows nicht mehr auf den angeschlossenen Speicher zugreift.
In sehr seltenen Fällen segnet der Controller, etwa eines USB-Sticks, das Zeitliche und die gespeicherten Daten sind zwar noch physikalisch vorhanden, aber nicht mehr ansprechbar. Ebenso selten wie unangenehm sind unterbrochene Leitungen auf der elektronischen Platine mancher Flash-Geräte. Bei artgerechter Behandlung halten die Daten auf einem USB-Stick jedoch mindestens zehn Jahre. Theoretisch funktioniert er jedoch weitaus länger, deshalb werden hier sogar Garantielaufzeiten bis zum hierzulande möglichen Maximum von dreißig Jahren gewährt.
CD und DVD: Empfindliche Rohlinge
Im Vergleich zum Flash-Speicher sind CD- oder DVD-Rohlinge bezogen auf den Preis pro Gigabyte deutlich erschwinglicher. Günstige, wiederbeschreibbare DVD-Rohlinge kosten pro Gigabyte mitunter sogar weniger als eine große PC-Festplatte. Für sich betrachtet steht ein Rohling den beiden anderen Speichermedien in puncto Durchhaltevermögen nicht unbedingt nach, fünf bis zehn Jahre sind durchaus denkbar. Dass die Realität meistens anders aussieht, wissen wohl die meisten PC-Besitzer aus eigener Erfahrung: Einmal in der Sonne liegen gelassen oder aus Versehen zerkratzt, schon ist die CD oder DVD nicht mehr lesbar oder wichtige Daten zerstört.
Heutzutage muss ein Rohling nicht nur schnell beschreibbar sein, sondern auch mit möglichst vielen Laufwerken harmonieren und eine hohe Beständigkeit gegen UV-Licht mitbringen. Hier kocht jeder Hersteller sein eigenes Farb-Süppchen, daraus resultieren wiederum die bunten Rückseiten von Rohlingen. Viele tragen ihre eigene Mixtur aus organischen Farbstoffen auf, um eine möglichst hohe Resistenz und Laufwerkskompatibilität zu erzeugen. Deshalb können verschiedene Farbtöne auch auf unterschiedliche physikalische Eigenschaften hindeuten.

Im guten alten "Jewel Case" sind CD undDVD immer noch am besten aufgehoben.
Trotz vieler Rohling-Anbieter existieren weltweit nur ein paar große Medien-Hersteller. Der Großteil kommt aus dem asiatischen Raum, zum Beispiel von CMC, Moser-Baer und Ritek. Dennoch sind nicht alle Rohlinge gleich, da sie die Endanbieter zusätzlich nach eigenem Ermessen veredeln. Qualität und Haltbarkeit können zwischen teureren Marken- und billigen No-Name-Produkten mitunter stark schwanken.
CD und DVD: Begrenzt haltbar
Zumindest theoretisch verkraften CD- und DVD-Rohlinge bis zu tausend Schreibvorgänge, was in Wirklichkeit aber nur selten erreicht wird. Denn allein das häufige Einlegen ins und Herausnehmen aus dem Laufwerk setzt den empfindlichen Medien oftmals derart zu, dass Daten weder gelesen geschweige denn geschrieben werden können. Leidet ein Rohling tatsächlich einmal an Altersschwäche, liegt es an Materialermüdung. Beim Brennen wird die spezielle Beschichtung auf der Rückseite von einem Laser erhitzt, wodurch sich die Lichtdurchlässigkeit für das ebenfalls per Laser stattfindende Auslesen verändert. Irgendwann fehlt dem Material die Fähigkeit, seinen Zustand weiterhin zu verändern und der Rohling wird unbrauchbar.
Bei richtiger Einlagerung spielt es keine Rolle, ob eine CD oder DVD horizontal oder vertikal aufbewahrt wird. Am besten eignet sich dafür eine gewöhnliche Standardhülle aus Kunststoff, das so genannte "Jewel Case". Das dünnere "Slim Case" ist zwar keine unbedingt schlechte Wahl, aber weniger stabil und anfälliger für mechanische Belastungen. Verbogene oder wellige Medien erkennt das Laufwerk nicht mehr und sie können aufgrund der hohen Drehzahl sogar schwere Schäden anrichten. In einem dunklen, trockenen Plätzchen mit Raumtemperatur und ohne übermäßigen Druck von schweren Gegenständen sind CD und DVD am besten aufgehoben.

Rohlinge halten oftmals gar nicht langegenug, um an Altersschwäche zu sterben.
Datenrettung und Hersteller-Haftung
Oft hängt der sicherste Platz für wichtige Daten bereits am eigenen Schlüsselbund. Ein USB-Stick mit Flash-Speicher bietet die geringste Ausfallquote und das beste Durchhaltevermögen. Wegen ihrer anfälligen Mechanik bleibt die Festplatte nur zweite Wahl, auch wenn teurere Profi-Modelle eine höhere Lebensdauer als gewöhnliche offerieren. Eigentlich gebührt dem CD- oder DVD-Rohling der zweite Platz, doch den verspielt seine hohe Anfälligkeit für äußere Einflüsse. Außerdem muss für ein optimales Speicherergebnis die Kombination aus Rohling, Laufwerk und Brenn-Software perfekt zusammenpassen.
Vorsicht ist nicht nur die Mutter der Porzellankiste, sondern auch immer noch besser als Nachsicht. Denn eine Datenrettung ist je nach Zustand zwar bei jedem Speichermedium möglich, aber mit zum Teil unerschwinglichen Kosten verbunden, weiterhin ist es eher Glückssache, ob tatsächlich die entscheidenden Daten rekonstruiert werden können. Im Rahmen der Garantie haften die Hersteller zwar für ihre Produkte selbst, aber nicht für die darauf gespeicherten Daten - schon deshalb, weil keine Versicherung leichtsinnig genug wäre, für eventuelle Schadensersatzklagen aufzukommen. Die Vielfalt macht's: Wer sich nicht allein auf ein Speichermedium verlässt, geht das geringste Risiko ein.
- Download: Flash Memory Toolkit
- Download: DiskDigger
- Backup-Strategien: Wo Daten sicher lagern
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- Test: Flash-Festplatte gegen Standard-Festplatte
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