AppleTV im Test: Apfel-Streamer im Check-up
Die Diagnose:
Das AppleTV ist ein Schmeichler, aber ohne aufdringlich wie ein Streber aufzutreten. Dezente Optik, ein Menü das den Augen gefällt und eine sprichwörtlich intuitive Benutzeroberfläche. Alles läuft glatt, funktioniert so, wie man es erwarten sollte. Die Fernbedienung, die typische Apple Remote, versinnbildlicht diese maximale Minimierung am deutlichsten: Sechs Knöpfe reichen, um das AppleTV zu bedienen. Rechts, links, oben unten, vor, zurück.
Aber dieses gefällige Auftreten hat auch Schattenseiten: Der kalifornische Flachmann wirkt wie die unauffälligeren Klassenkameraden aus der Schulzeit. Sie waren auf keiner Party dabei. Nicht weil sie keiner mochte, sondern weil einfach nie jemand daran dachte, ihnen bescheid zu sagen. Zu unscheinbar, keine markanten Ecken und Kanten. So geht es auch dem AppleTV. Es funktioniert innerhalb seiner Möglichkeiten sauber und unauffällig.

Jedoch sind diese Möglichkeiten genau das Problem. Zu eingeschränkt, zu sehr auf Apples eigenen Contentverkauf ausgerichtet. Und dieser existiert in Deutschland noch nicht. Wenn es in Zukunft Filme und Serien im deutschen iTunes Store geben wird, dann könnte das AppleTV einen ähnlichen Effekt erleben, wie es der iPod auf die Musikdownloads hatte.
Denn beim Onlineverkauf von Musik hat Apple den Markt angestoßen und dominiert ihn bis heute. Einfache, verständliche Konzepte, die funktionieren und ineinander übergreifen. So hat man die Leute dazu gebracht, Musik online zu kaufen und so soll es auch bei den bewegten Bildern funktionieren. Technikfans schimpfen über die schwachen technischen Daten und die künstlichen Beschränkungen. Anderen ist das egal und so erobert Apple den Markt der digitalen Unterhaltung immer mehr.
Der iPod unter den Netzwerkplayern
Apple stellt sich der "Featuritis" entgegen und vereinfacht die Geräte so weit wie möglich, um die Bedienung auf die Grundfunktion zu fokussieren. Hier ist es vielleicht etwas zu gründlich ausgefallen, denn für Heimkino-Anhänger dürften zu viele Fähigkeiten fehlen. Und für den Massenmarkt ist die komfortable Kommerzkette aus iTunes Store, AppleTV und Fernseher ohne die passenden Filme noch nicht vollständig.
Und jetzt kommt der Vergleich, der kommen musste: Ja, das AppleTV ist so etwas wie der iPod der Netzwerkplayer. Nett anzusehen, einfach zu bedienen und leider mit sehr übersichtlichem Funktionsumfang gesegnet. Durch die fehlenden käuflichen Inhalte und die schwache Formatunterstützung muss man momentan noch ein kleines Fragezeichen hinter dem Sinn des Gerätes setzen. Ansonsten geht der Preis von 300 Euro absolut in Ordnung.
Die Grundlagen stimmen, die Zusammenarbeit mit iTunes funktioniert hervorragend - auch wenn iTunes hier wieder einmal als "Zwangssoftware" fungiert. Die Bedienung ist jedoch wunderbar vereinfacht und die Festplatte gönnt dem Rechner auch mal eine Pause. Aber bei der Formatunterstützung muss Apple nachlegen. Oder die Hacker, die das Gerät gegen Apples Willen aufbohren.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir folgende redaktionelle Übersichten erstellt: Apple iPod, Apple iTunes und Apple TV.
