Der Edel-Netzwerkplayer
AppleTV im Test: Apfel-Streamer im Check-up
Patrick Woods
Es gibt nicht viel zu erklären. Die Menüs sind übersichtlich, die Oberfläche gleicht einem typischen Mediacenter. Die Grafiken sind angenehm animiert und unterstützen so die Orientierung. Albumcover, Filmplakate und Videoscreenshots verbessern die Übersichtlichkeit. Diese Bilder werden ganz ähnlich dem "Cover Flow"-Effekt von iTunes animiert. Nett anzusehen und hilfreich.
Das übersichtliche Hauptmenü gleicht einem Mediecenter.
Unter "Quellen" kann zwischen der lokalen Festplatte und dem angeschlossenen iTunes gewählt werden. Die "Einstellungen" sind übersichtlich und werden im Normalfall nicht mehr gebraucht, wenn die Bildschirmauflösung erst einmal eingestellt ist. Die Mediendateien sind aufgeräumt und werden nicht anhand ihres Dateinamens, sondern ihres Tags aus iTunes sortiert. Sieht schöner aus und bietet mehr Möglichkeiten.
Bei der Wiedergabe von Filmen, wohl der Hauptaufgabe des AppleTV, geht die Vereinfachung der Bedienung allerdings etwas weit. Pause, Vor- und Zurückspringen sind die einzigen Steuerungsmöglichkeiten. Es gibt keine Zoom-, Skalierfunktionen oder sonstige Darstellungsoptionen. Filme im 4:3-Format werden stur mit dicken Balken rechts und links angezeigt. Praktische Zwischenstufen wie 14:9 gibt es nicht.
AppleTV ist nicht nur für Musik und Filme gedacht, sondern es soll auch Diashows der eigenen Fotos auf den Fernseher bringen und modernen Hörfunk in Form vom Podcasts alltagstauglich im Wohnzimmer abspielen. Letzteres ist jedoch etwas umständlich umgesetzt. Podcasts müssen am PC in iTunes abonniert und heruntergeladen werden, können vom PC gestreamt oder per Sync auf das AppleTV kopiert werden. Podcasts direkt aus dem Web zu streamen - das kann es nicht.
AppleTV - Podcast
Für Großbildansicht auf ein Bild klicken.Der Weg eines Podcasts vom iTS bis zum AppleTV
Das AppleTV lässt sich nicht lange bitten. Es ist so schnell einsatzbereit wie wohl kaum ein anderer Netzwerkplayer. Toll? Eher seltsam. Denn Apples Interpretation des Netzwerkplayers leidet unter unheilbarer Insomnie - Schlaflosigkeit. Einen Netzschalter gibt es nicht. Das alleine wäre noch nichts Außergewöhnliches, aber selbst der Standby-Modus verdient seinen Namen kaum, denn er hält das Gerät immer auf mollig-warmer Temperatur
Es ist schlicht immer im Halbschlaf und wartet darauf, Videos oder Musik präsentieren zu dürfen. Wenn man dem weißen Flachmann etwas echte Ruhe gönnen will, bleibt nur der Weg der aktiven Sterbehilfe: Stecker ziehen. Ein wenig eleganter Umgang mit einem edel wirkenden Wohnzimmer-Utensil.
Bei solch einem sturen Dauerläufer stellt sich sofort die Frage nach dem Energiehunger. Das Messgerät bescheinigte einen angemessenen Verbrauch von etwas mehr als 20 Watt bei der Filmwiedergabe und von zu hohen 15 Watt im Standby. Die Abwärme des lüfterlosen Players ist jedoch beachtlich, sodass man den gemessenen Werten kaum glauben mag. Bei längerer Untätigkeit wird der Bildschirmschoner aktiviert, wohl um Einbrenneffekte bei Plasma-TVs zu verhindern. Der Stromverbrauch steigt dadurch jedoch gegenüber dem Leerlauf etwas an.
Wer den Apple-Kosmos kennt und die Regeln verstanden hat, dem stellt sich die Frage nach den technischen Details eigentlich nicht. Apple-Produkte wollen anders sein. Sie sollen wirken wie aus einem Stück, wie ein Block aus Eis. Die Hardware wird so weit wie möglich abstrahiert, die Funktion soll im Mittelpunkt stehen. Kein Sticker protzt schon auf Karton und Gehäuse über die inneren Werte. Außer bei den Computern werden die technischen Innereien sogar komplett verschwiegen.
Anschluss gesucht: Die Ausgänge des AppleTV
Die Dinger haben zu funktionieren, sonst nichts. Bustakt, Gigahertz? Egal - es spielt Videos! Nicht einmal Schrauben findet man am Gehäuse, die der Neugier des Geeks nur wenig entgegenzusetzen hätten. Stattdessen sind die kalifornischen Kleingeräte fein säuberlich verclipst, sodass rabiatere Methoden mit hohem Kratzrisiko nötig wären, um die unbekannte Seite von iPod und dessen Gefährten zu erforschen. "Blackbox" nennt Apple dieses Prinzip. Intel-Prozessor und 40 GB Festplatte, mehr erfährt der Interessierte vom Hersteller nicht über das AppleTV.
Mutige hält das jedoch nicht ab, schließlich will der Bastler in uns wissen, wie es funktioniert, und den Ökonom interessiert, was er denn für sein Geld bekommt. Und so wissen wir, dass ein Abkömmling des Pentium M mit einem Gigahertz Taktfrequenz das Hirn des AppleTV bildet. Das Kurzzeitgedächtnis besteht aus 256 Megabyte Arbeitsspeicher und die Videodarstellung übernimmt der NVidia G72M-Chip, dem 64 Megabyte Speicher zur Seite stehen. Der USB-Anschluss ist übrigens ohne Funktion, dient laut Apple nur für "Service und Wartung", USB-Speichermedien müssen also draußen bleiben.
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