Zehn Tage lang unterwegs mit dem Walkman-Erben
Luftgitarre im Test: Walkman-Handy Sony Ericsson W880i
Michael Knott
Was passiert, wenn man alten Bandsalat mit aktueller Mobilfunktechnik garniert, die Hände zum Lieblingslied wild in der Luft herumrudern und dabei plötzlich das Telefon klingelt, kann man in diesem Testbericht nachlesen. Zehn Tage lang war der Autor mit Sony Ericssons neuestem Walkman-Handy W880i in der Tasche und den unterschiedlichsten Kopfhörern im Ohr unterwegs und hat dabei Stärken und Schwächen des Walkman-Erben ausfindig gemacht.
Ähnlich wie in der Automobilbranche schneidern die großen Handy-Hersteller ihre Geräte der Zielgruppe auf den Leib. Der Geschäftsmann - Anzug, Schlips oder Krawatte, Headset im Ohr, braucht ein dickes Smartphone in der Tasche. Modebewusste Frauen: auffällige Kleidung, schicke Schuhe, tragen niedliche Klapp-Handys mit Designer-Logo in der Handtasche spazieren. Das Bandmitglied: Revoluzzer, lange Haarmähne, abgewetzte Klamotten benötigt demnach ein Walkman-Handy. Eigentlich steht das W880i aber allen Sterotypen gleich gut.
Inhalt
- Tag 1: Überblick verschaffen, Verpackung öffnen
- Tag 2: Brille putzen, zweiter Blick
- Tag 3: Einschalten, Akku und SIM-Karte einlegen
- Tag 4: Auf die Couch setzen, im Menü herumspielen
- Tag 5: Die erste SMS schreiben
- Tag 6: In die Tasche stecken, um die Häuser ziehen
- Tag 7: Es klingelt
- Tag 8: Let's rock!
- Tag 9: Auf Geschäftstermin
- Tag 10: Abgabetermin
Tag 1: Überblick verschaffen, Verpackung öffnen
Im silbergrauen Karton liegt nicht der erste, aber ein sehr aufregender Nachfahre des legendären Walkman. Gemütlich eingebettet, zwischen einer sehr kurz gehaltenen Bedienungsanleitung, einem USB-Kabel zum Anschluss an den Rechner, ansehnlichen Kopfhörern nebst passenden Adaptern für unterschiedlich große Gehörgänge sowie einem Netzteil.
Was aussieht wie eine SIM-Karte, ist in Wirklichkeit ein Speicherbaustein im Mini-Format, Sonys exotischer Micro-Memorystick M2. Ein Gigabyte gibt es gratis zum Lieferumfang. Bedenkt man, dass mittelklassige MP3-Player mit Flashspeicher meist ebenfalls einen Gigabyte Kapazität bieten, ein faires Angebot. Als Letztes wird die Software-CD im Karton entdeckt.
Tag 2: Brille putzen, zweiter Blick
Das W880i ist schlank, nicht einmal einen Zentimeter dick. Die genauen Abmessungen von 103 x 46,5 x 9,4 Millimetern und das Gewicht von 71 Gramm lassen es in jede Hemd- und Hosentasche gleiten. Es sieht gut aus, kaum einer wird dem wahlweise silbernen oder schwarzen Edelstahlgehäuse die gelungene Optik absprechen. Es fühlt sich wertig an. Die Front aus kühlem Metall, die Rückseite aus handzahmen und extraglattem Samtkunststoff sind haptische Highlights.
Dabei erinnert das W880i ein wenig an diese extrem robusten Telefonzellen, welche öfters vor Fußballstadien zu finden sind und auch einer gröhlenden Fan-Menge standhalten müssen. Egal wie sehr man es auch hin und her schüttelt, hier klappert nichts. Die sehr schmalen Tasten liegen weit genug auseinander und lassen sich aufgrund des Profils gut erfühlen.
Die separaten Walkman-Drücker für die Lautstärkeregelung und den Musikmodus sind hingegen sehr klein ausgefallen, lassen sich aber ebenso zielsicher treffen und bedienen. Auf der Rückseite, kaum sichtbar, versteckt sich eine Mini-Kameralinse mit einer Auflösung von zwei Megapixeln. Einsam und alleine, leistet ihr weder ein Spiegel für Selbstporträts noch eine Foto-Leuchte oder gar ein LED-Blitz Gesellschaft. Für die Videotelefonie befindet sich eine zweite Kameralinse auf der Vorderseite des W880i.
Tag 3: Einschalten, Akku und SIM-Karte einlegen
Wie extrem dünn die Akku-Abdeckung tatsächlich ist, bemerkt man erst, wenn man sie abnimmt. Darunter findet sich ein ebenfalls sehr schmaler Lithium-Polymer-Akku mit einer Kapazität von 950 mAh. Die Kraft reicht laut Hersteller aus, um den Walkman-Zwitter 35 Tage lang im Standby-Betrieb zu halten. Im normalen Alltag gehen die Warnlichter natürlich deutlich früher, in Form eines pulsierenden Rots der Tastatur, an. Im Test hielt der Akku auch unter Dauerstress nie weniger als zwei Tage durch.
Um an den Steckplatz der SIM-Karte zu gelangen, muss der Akku vollständig entfernt werden. Die Tür zum Memorystick geht glücklicherweise wesentlich einfacher auf. Der fingernagelgroße Speicherbaustein lässt sich im laufenden Betrieb auswechseln und in den unteren Teil des Handys schieben. Gummilasche schließen, Walkman-Taste drücken, neue Musik genießen.
Sony Ericsson W880i
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