Jenseits von Gut und Böse

Verkehrte Netzwelt: Kriminell, aber schnell

Verkehrte Netzwelt: Kriminell, aber schnell Was macht den Reiz eines guten Märchens aus? Nicht etwa eine bildschöne Prinzessin und ein strahlender Held in Strumpfhosen, die nach nervenaufreibenden Konflikten mit der aristokratischen Obrigkeit endlich ihr Glück finden und auf ewig darin schwelgen. Nein, vielmehr ist es die strikte Trennung zwischen Gut und Böse, welche Groß und Klein in ihren Bann zieht. Doch im Zeitalter von omnipräsenten Filesharing-Verbrechern, Internet-Sündern und Computerkriminellen weiß niemand mehr genau, auf welcher Seite er eigentlich steht.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Film-Fans am Pranger
  2. 2Musikalische Missklänge
  3. 3Digitaler Verfolgungswahn

Mit einer großangelegten Kampagne weit jenseits des guten Geschmacks schuf sich eine selbsternannte Film-Schutztruppe unter dem Motto "Raubkopierer sind Verbrecher" ihre eigene kleine Welt mit simplen, stereotypen Vorstellungen von Gut und Böse. Dank dieser dürfte sich im Kopf der meisten PC-Besitzer mittlerweile das latente Gefühl manifestiert haben, selbst ein Verbrecher zu sein. Wer bloß eine gekaufte Video-DVD in seinen PC einlegt, fühlt sich schon mit einem Bein hinter schwedischen Gardinen. Wer dann noch so viel kriminelle Energie aufbringt, um sie auf seine Festplatte zu kopieren, würde wohlmöglich auch kleine Kinder verspeisen oder im Blutrausch wahllos auf Passanten ballern.

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Film-Fans am Pranger

Dass diejenigen, die im großen Stil Filme raubkopieren und zu Schleuderpreisen auf den (Schwarz-)Markt werfen, mit rechtlichen Konsequenzen und bis zu fünfjährigen Haftstrafen zu rechnen haben, dürfte fast jedem einleuchten. Doch stattdessen lautet der Tenor mehr schockieren statt informieren und verunsichert in erster Linie die juristisch weniger versierten Privatleute. Anstatt gleich im Klartext über mögliche Kopier-Konsequenzen aufzuklären, wird wie auf einem Plakat plump und ethisch äußerst fragwürdig mit Knast-Vergewaltigungen oder zumindest -gewalt gedroht.

Auf ihrem rücksichtslosen Feldzug gegen den großen Feind, dem es an der Bereitschaft oder finanziellen Möglichkeit mangelt, den weit geöffneten Rachen der Filmvermarkter fleißig mit frischem Geld zu stopfen, schrecken die angeblich "harten aber gerechten" Neo-Kreuzritter vor kaum etwas zurück. Nicht einmal vor Vergleichen wie "Kinderschänder sind besser dran", bezogen auf die Dauer des Gefängnisbesuchs - zweifelsohne einer der absoluten Tiefpunkte menschlichen Geistes. Denn bereits das Wohlergehen eines einzelnen Kindes sollte schwerer wiegen als alle gesammelten Raubkopien der Welt und nicht für niedere wirtschaftliche Ziele missbraucht werden.

Musikalische Missklänge

Auf kaum dickeres Eis begeben sich die Käufer einer Musik-CD. Wer kann als Laie schon mit absoluter Sicherheit sagen, ob er diese überhaupt noch an Freunde oder Bekannte verleihen darf, ohne wegen eines widerrechtlichen Vergehens belangt werden zu können? Schließlich brauchen sie die Silberscheibe dann nicht sofort gleich zu kaufen und die Musikindustrie sieht zunächst keinen einzigen Cent. Möglicherweise stellt der vorübergehende Besitzer sogar fest, dass sich ein Eigenerwerb überhaupt nicht lohnt oder sorgt für eine illegale Weiterverbreitung. Als potenzielle Kleinkriminelle dürften sich auch jene fühlen, die ihre legal erworbene CD in das Laufwerk ihres Computers legen. Es sei denn, sie haben das zweifelhafte Glück, dass ein übereifriger Kopierschutz den Zugriff verhindert.

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Beiträgeinsgesamt 1 Beitrag

Wenn ich das alles so lese bekomme ich direkt Angst demnächst beim Internetradio mitzumachen

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