Positive und negative Effekte des Online-Wahlkampfes
Wahlkampf 2.0: Politiker in der digitalen Welt
Fabian Parusel
In den USA kommt der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen 2008 so langsam in Fahrt und diesmal sollen vor allem die jungen Wähler mobilisiert werden. Mit Auftritten in YouTube, Second Life und MySpace drängen Senatoren in ein bislang eher unpolitisches Medium - das Internet. Auch in Deutschland versuchen einige Politiker Medienkompetenz zu beweisen, indem sie im Web herumspuken.
Wer kommt nach George W.?
Viele Menschen weltweit sehnen den Tag herbei, an dem der amtierende US-Präsident George W. Bush abgelöst wird. Doch wer soll sein Amt übernehmen? Im Gespräch ist unter anderem die Frau eines EX-Präsidenten, ein Ex-Bürgermeister aus New York und ein farbiger Hawaiianer. Alle präsentieren sich auf den angesagtesten Web-2.0-Plattformen im Internet. YouTube hat den Bewerbern sogar einen eigenen Channel gewidmet und wirbt mit dem Satz: >>Face the candidates on YouTube<<.
Hillary Clinton und Rudy Giuliani werden als Favoriten um die Präsidentschaftskandidatur gehandelt (Klick vergrößert).
Hillary Clinton scheint ganz weit vorne im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den Demokraten. In einem Video spricht sie sich für ein rasches Ende des Irak-Krieges aus, verurteilt die Entscheidung George Bushs, weitere Truppen in das Kampfgebiet zu schicken und verspricht, als Präsidentin den Krieg sofort zu beenden. Ihr Gegenüber könnte im Walkampf 2008 der Repuplikaner und EX-Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, sein. Giuliani steht in dieser Frage dichter hinter dem aktuellen Präsidenten und verweist in seinen Videos auf die Bedeutung des Erfolges im Irak und die schweren Folgen, ginge der Krieg erneut verloren.
Farbe in das Rennen bringt Barack Obama, der in den Staaten gerade für Rummel sorgt. Er ist der einzige dunkelhäutige Kandidat um die Präsidentschaftskandidatur und zumindest in den Anzahl der User, die seine YouTube-Videos gesehen haben, ist er ganz vorne. Beinahe doppelt so viele Klicks wie Clinton und Giuliani verzeichnet der junge Hawaiianer in seinem YouTube-Channel.
Links der aufstrebende Demokrat Barack Obama, rechts ein schlafender Republikaner (Klick vergrößert).
Nicht so gut für die öffentliche Meinungsbildung sind Videos wie das von Senator John McCain - es zeigt ihn schlafend während einer Ansprache des Präsidenten. Da zeigt sich der Web2.0-Aspekt von YouTube, denn außerhalb des eigenen Channels können die Senatoren nicht bestimmen, was gesendet wird. Wer sich also nach dem Kandidaten McCain erkundigt, stößt automatisch auf das Video, das ihn beim Nickerchen zeigt.
Negativwahlkampf
Auf der einen Seite des Wahlkampfes steht die positive Bewerbung der eigenen Person, doch es gibt auch noch eine dunkle Seite. Damit sind verbale Angriffe auf Konkurrenten gemeint, Schmutzkampagnen oder andere Diffamierung des Gegners. Diese Art des Wahlkampfes ist nicht sonderlich schön, aber wesentlich publikumswirksamer als Ansprachen und Videobotschaften.
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Der Artikel von Fabian Parusel über die digitale Welt der Politik ist sehr interessant, greift aber leider zu kurz. Das Ziel digitaler Kommunikation für die Politik im Web 2.0 ist es, die Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern zu intensivieren und über den direkten Dialog, das Vertrauen der Bürger in die Politik zu erneuern. Diese neue Dialogform verändert natürlich auch die Selbstdarstellungsweise der Politiker.
Politiker im Web sind direkt und oft in „Echtzeit“ mit den Meinungen der Bürger konfrontiert. Im Chat oder zum Beispiel im Blog. Wer als Politiker im Web bestehen will, kann sich nicht mehr mit Allgemeinplätzen beim Bürger durchmogeln. Der Bürger verlangt konkrete und inhaltsstarke Antworten. Die Erfahrung der Initiative ProDialog zeigt, dass erfolgreiche Kommunikation immer im Dialog mit dem Adressaten stattfindet. Erst im Dialog entwickeln sich beide Gesprächspartner, sachlich und inhaltlich. Zudem findet Online-Kommunikation heute schnell den Weg in die Offlinewelt, so dass jederzeit aus einem Bürgerchat ein gesamtöffentliches Politikum werden kann. Dieses muss dann wieder mit anderen Dialogmedien wie Mailings oder persönlicher telefonischer Ansprache abgeholt werden.
Ein Blick in den US-Präsidentschaftswahlkampf unterstreicht die Bedeutung des direkten Dialogs. Auch die persönlichsten Informationen finden über das Web und die Bloggergemeinde schnelle Verbreitung. Der Republikaner Guiliani und der Demokrat Obama haben dies gerade im Bezug auf ihre Jugendsünden erfahren. Ohne die Online-Vernetzung wäre diese Transparenz und offene Diskussionkultur kaum möglich.
Kerstin Plehwe
Initiative ProDialog
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