Spieletest: S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl
Strahlen über beide Ohren
Denn auch ohne Monstrositäten herrscht in der gesamten Spielwelt eine so authentische wie makabere Grundstimmung. Auch wenn die verwendete 3D-Grafik im Glanze kommender Actiontitel schnell verblassen wird, die Atmosphäre bleibt von den etwas eckigen Charakteranimationen und der überschaubaren Detailfülle unberührt. Mit welcher Intensität das Szenario vor allem auf Zeitzeugen der Tschernobyl-Katastrophe wirkt, lässt sich auch daran ermessen, dass die kaum vorhandene Musik niemals vermisst wird. Von Blitzen und Anomalien durchzuckte Niemandsgebiete mit Fahrzeugwracks, Bauruinen und augenscheinlich fluchtartig zurückgelassenen Zivilisationszeugnissen zeigen das Frankensteinmonster Tschernobyl in seiner ganzen Schreckensfaszination.
Die Tatsache, dass nicht mehr viel Leben in der Zone existiert, bedeutet nicht, dass die sich die Verbliebenen lethargisch an ihre Geigerzähler klammern. Ganz im Gegenteil scheint der Alltag voller Bewegung. Ein Beispiel: Nachdem man im Auftrag einer Fraktion einen Scharfschützen erledigt hat, der die Angreifer zurückhielt, bläst die Mannschaft zur Attacke. In vielen anderen Spielen würde sich der Auftraggeber bedanken, den geplanten Angriff jedoch aus fadenscheinigen Gründen vertagen. Nicht so in "S.T.A.L.K.E.R.": Selbst wer eine andere Richtung einschlägt, sieht aus der Ferne Trümmer in die Luft fliegen, hört Schüsse. Der angekündigte Kampf findet tatsächlich statt, unabhängig davon, ob man als Spieler dabei ist oder nicht. Wird die Gefechtszone Minuten später erkundet, liegen dort die Leichen derer, die eben in die Schlacht gezogen sind.

Allen Ukenrufen zum Trotz: "S.T.A.L.K.E.R." war das Warten wert. Die große und atmosphärisch großartige Spielewelt steckt voller (böser) Überraschungen: Gefahr droht nicht nur von den clever agierenden Feinden, obendrein zwingen unberechenbare Kräfte wie Strahlung oder Anomalien zur Vorsicht bzw. zum Tragen spezieller Schutzanzüge. Mit Ausnahme bewachter Stützpunkte, wo Stalker am Lagefeuer einander russisch und stillschweigend dem Wodka zusprechen, bietet die Zone kaum Plätze, an denen man sich sicher fühlt - geschweige denn wohl. Gut dosierte Rollenspielelemente machen schließlich den Unterschied zu herkömmlichen Ballerspielen. So muss der Held regelmäßig essen, allmählich die Ausrüstung verbessern und nicht zuletzt sein Image bei den unterschiedlichen Fraktionen pflegen.
Während der gut zwölfstündigen Spielzeit unvorteilhaft aufgefallen sind inakzeptable Performancelöcher, eine etwas umständliche Inventarverwaltung sowie der allgemein hohe Schwierigkeitsgrad. Neben dem Solopart bietet "S.T.A.L.K.E.R." einen Netzwerkmodus via LAN und Internet (GameSpy). Auf zehn Karten jagen sich bis zu 32 Spieler einzeln oder in Gruppen gegenseitig bzw. einem Artefakt hinterher. Sonderprämien für bessere Waffen verdienen sich Multi-Stalker durch Dolchstöße, Kopfschüsse und ähnliche Unhöflichkeiten.
Herzstück des Spiels ist jedoch klar der Einzelspielermodus. Er macht "S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl" zu einem höchst atmosphärischen Shooter und zu einem der schauerlichsten überhaupt. Dem wäre auch ohne Monster und Mutanten so.


Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 6 Beiträge
Gut so, dann muss man deine unnötigen Kommentare nicht mehr ertragen. Schau dir weiterhin die Strugazki-Brüder an und lasse die Kinderchen sich entertainen wie sie wollen. Das Spiel ist von der Atmosphäre her ein...
S.T.A.L.K.E.R. es ist schon deprimierend, in welcher abgrundtiefen minderwertigkeit etwas enden kann. alles fing mal mit dem genialen roman "Picknick am Wegesrand" der strugazki-brüder an - bis dann...
Na umso besser, viel Spaß dann auch;-)
Doch leider lag an Vista. Haben es nochmal installiert und jetzt geht es. Tolles Spiel
Von einem Fehler kann man da nicht sprechen. Der Pfeil zeigt das Ziel an, nicht den Weg.