Jenseits von Second Life

There: Die andere Parallelwelt

  • Kleider machen Leute: Teures Feigenblatt
  • Nein, so kann ich nicht länger herumlaufen. Mit orangefarbenem Hawaii-Hemd, grauen Shorts und Sandalen bin ich nicht wirklich standesgemäß gekleidet. Als netzwelt-Redakteur möchte man schließlich eine gewisse Seriosität vermitteln. Selbst wenn man als mittelloser Reporter gerade in einer virtuellen Welt angekommen ist.

    Erste Gespräche - \"Auf dem Berg dort drüben findest du Klamotten. Aber beeil dich, sonst ist alles weg...\"
    \"Auf dem Berg dort drüben findest du Klamotten. Aber beeil dich, sonst ist alles weg...\"

    Inhaltsverzeichnis

    1. 1Kleider machen Leute: Teures Feigenblatt
    2. 2Besser als Sandalen und Shorts, hält aber nicht lange. Anprobe im Spa (Klick vergrößert)
    3. 3Geld regiert die Welt
    4. 4Katina und Profi-Racer Rapboy zeigen mir ihre Buggys (Klick vergrößert).
    5. 5Ingenieur und Besucher, Jung und Alt
    6. 6Ganz wie in echt: Banken und Immobilien
    7. 7 Mittagspause im Konsumtempel
    8. 8There und SL: Da liegen Welten dazwischen
    9. 9Fazit: Drei Thesen

    Mein virtuelles Ich steht am Strand von Zona Island, der dem Waikiki Beach nachempfunden sein mag. Mit meinem Outfit bin ich hier zwar nicht so fehl am Platze wie auf einem Staatsbankett - ein kurzer Blick umher offenbart aber: Fast jeder trägt hier die gleiche legere Freizeitkombi. Das leuchtende Orange gleicht einer Warnung: Achtung - Neuankömmling! Genauso wird man dann auch behandelt. Die erste Reaktion auf meine freundliche Frage nach besserer Kleidung: "Siehst du den Berg dort? Ganz oben findest du ein kleines Lager mit Klamotten. Aber beeile dich, sonst ist alles weg."

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    Kleider machen Leute: Teures Feigenblatt

    Na vielen Dank. Nach dieser unfreundlichen Begegnung halte ich mich an die automatische Kurzeinweisung und besuche ein Spa. Dort soll das gepflegte Avatar-Äußere modelliert werden können. Hinter dem entsprechenden Hinweisschild steht jedoch nur ein kleiner Strandpavillon anstelle der erwarteten Wellness-Oase. Doch ein kleines Podest reicht aus, um Gesichts- und Körperdimensionen des virtuellen Alter Ego genau so schnell zu ändern wie dessen Kleidungsstil. Um die persönlichen Idealmaße zu halten, ist dann weder Körperpflege noch Bodybuilding nötig.

    Auch wenn der There-Bewohner auf seinen virtuellen Körperbau noch so stolz sein mag: Allzu freizügig zeigen darf er ihn nicht. Was ein Mensch mit normal ausgeprägtem Schamgefühl in der Öffentlichkeit verhüllt, muss auch in dieser virtuellen Welt verdeckt bleiben - so wollen es die Gesetzgeber, namentlich Makena Technologies Inc. Sexy darf die Kleidung trotzdem aussehen. Mir schwebt für meinen Avatar jedoch etwas anderes vor.

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    Besser als Sandalen und Shorts, hält aber nicht lange. Anprobe im Spa (Klick vergrößert)

    Ein für Online-Redakteure angemessenes Outfit ist im Spa schnell gefunden. Zum Umziehen verschwindet mein Avatar kurz hinter einem Paravent, um sich vor neugierigen Blicken zu schützen. Passt alles. Behalten darf ich Poloshirt, Hose und Schuhe allerdings nicht: Solange nicht ein paar Tausend Therebucks den Besitzer wechseln, sind nur fünf Minuten Probetragen erlaubt. Arm wie ich auf dieser Insel angekommen bin, verschwindet die Garderobe wieder im Nirvana. Also erst einmal umsehen, ob es nicht etwas für umsonst gibt.

    Geld regiert die Welt

    "Typisch Neuling, die fragen entweder nach Kleidung, Geld oder Küsschen," sagt Katina und kugelt sich vor Lachen. "Und gerade die jüngeren Bewohner haben oft keine Manieren." Katina ist die erste, die mich trotz des orangenen Hemds als Gesprächspartner akzeptiert. Sie stellt sich mir als Mittdreißigerin aus Wales vor. Nachdem sie über mein berufliches Anliegen Bescheid weiß, erklärt sie sich bereit, mir die Welt von There näherzubringen und zeigt: Daumen hoch!

    Von Katina erfahre ich, dass Therebucks nicht auf der Straße herum liegen. Um an das virtuelle Zahlungsmittel zu kommen, ist ein Premium-Account für einmalig 9,95 US-Dollar nötig. Per Kreditkarte kann dann umgetauscht werden: 1.800 Bucks für einen Dollar. "Wenn man Kontakte knüpft und an Events teilnimmt, erhält man ein paar Gegenstände kostenlos", erklärt Katina. Mit roter Pappnase oder Bunny-Pantoffeln fühle ich mich aber immer noch gebranntmarkt. Dann doch lieber Premium-Mitglied werden und zahlen. Oder für die harte Währung arbeiten. Denn Geld verdienen kann in There auch Spaß machen.

    There

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    Erste Gespräche - \"Auf dem Berg dort drüben findest du Klamotten. Aber beeil dich, sonst ist alles weg...\"
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    \"Auf dem Berg dort drüben findest du Klamotten. Aber beeil dich, sonst ist alles weg...\"

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    Fliegende Möbel - Je nach Anzahl der neuen Texturen dauert es eine Weile, bis ganze Häuser aufgebaut sind.
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    Je nach Anzahl der neuen Texturen dauert es eine Weile, bis ganze Häuser aufgebaut sind.

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    Astrologie-Pavilion - Nette Bildungseinrichtung, oder einfach nur zum träumen...
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    Nette Bildungseinrichtung, oder einfach nur zum träumen...

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    Kleidung - Schräg, aber jugendfrei: There-Bewohner ziehen sich für die Kamera aus.
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    Schräg, aber jugendfrei: There-Bewohner ziehen sich für die Kamera aus.

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    Landschaft - Unterwegs mit dem Hoverboard. Fliegen ist nicht möglich, dafür ist das Hoverboard als schnelles Fortbewegungsmittel schon von Beginn an im Inventar.
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    Unterwegs mit dem Hoverboard. Fliegen ist nicht möglich, dafür ist das Hoverboard als schnelles Fortbewegungsmittel schon von Beginn an im Inventar.

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    Einkleiden im Spa - Sieht gut aus, hält ohne Bezahlen aber nur fünf Minuten: Anprobe im Spa.
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    Sieht gut aus, hält ohne Bezahlen aber nur fünf Minuten: Anprobe im Spa.

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    Buggy-Rennen - Rapboy und Katina zeigen Ihre Buggys. Marke: VV.
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    Rapboy und Katina zeigen Ihre Buggys. Marke: VV.

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    Ägypten - Wie ein Urlaubsfoto: Mein Avatar vor den Pyramiden von Gizeh.
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    Wie ein Urlaubsfoto: Mein Avatar vor den Pyramiden von Gizeh.


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    "Da im weltweiten Netz aber kaum etwas absolut ist, wird There als eine andere Parallelwelt trotzdem weiterexistieren." Leider nicht. Am 9.3.2010 hat There die Pforten dichtgemacht. Die Krise hat auch...

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