Drucktechnik
CeBIT 2007: 3D-Drucker modelliert Figuren aus Gips
Christoph Scholl
Wie schön wäre es für den einen oder anderen begeisterten World of Warcraft-, Second Life- oder Everquest-Spieler seinen Spiel-Charakter, mit dem er schon so viele virtuelle Abenteuer bestanden hat "in echt" und zum Anfassen in der Hand zu halten. Auch der Hobby-Traumhaus-Designer würde sich bestimmt über ein maßstabsgetreues Modell seines am Rechner konstruierten Hauses freuen. Moderne 3D-Drucker machen es bereits seit einigen Jahren möglich, jede beliebige 3D-Figur, sei es ein Haus, ein Getriebe für ein Auto, ein Turnschuh oder jede beliebige andere Figur aus Gips zu modellieren - maßstabsgetreu und in Farbe.
Leider sind diese 3D-Drucker sehr teuer und mit Preisen um die 30.000 Euro nur für Industrieunternehmen interessant. Diese erstellen damit allerhand komplexe Modelle, um neue Designs ihrer Produkte anschaulicher werden zu lassen. Warum diese Technik nicht Privatleuten zur Verfügung stellen? Dies dachte sich die Telekom und präsentiert auf der diesjährigen CeBIT ein Konzept, wie jene 3D-Figuren aus dem Rechner "Wirklichkeit" werden könnten.
Herzstück der neuen Idee sind natürlich die 3D-Drucker. Die Profigeräte arbeiten im Prinzip wie ein gewöhnlicher Tintenstrahldrucker - nur eben in drei statt in zwei Dimensionen: Über einen Schlitten kann sich ein Druckkopf beliebig über eine Fläche bewegen. Auf diese Fläche wird eine hauchdünne Schicht Modelliergipspulver aufgetragen. Je nachdem, welche Form die zu druckende Figur haben soll, trägt der Druckkopf dann an den entsprechenden Stellen Farbe sowie ein durchsichtiges Bindemittel auf, welches den Gips an genau den aufgetragenen Stellen schnell zusammenkleben lässt.
Figuren aus hauchdünnen Gipsschichten
Ist dies geschehen, wird eine neue Schicht Gipspulver aufgetragen und der Vorgang beginnt von neuem. So entsteht Schicht für Schicht eine dreidimensionale Figur. Da jede aufgetragene Gipsschicht nur weniger als 0,1 Millimeter dünn ist, sind auch bei kleinen Figuren viele Schichten nötig, bis die Figur fertig gestellt ist. Die Daten für den 3D-Druck bekommen die Drucker in Industrieunternehmen direkt aus CAD-Programmen geliefert.
3D-Drucker
Für Großbildansicht auf ein Bild klicken.Beim Modellieren einer Figur aus "World of Warcraft" zum Beispiel müssten die 3D-Daten direkt aus dem Spiel kommen. Diese könnten dann über ein Online-Portal direkt zu einem Dienstleister geschickt werden, der die Figur druckt - so die Idee der Telekom. Zum einen müsste es dazu jedoch erst einmal entsprechende Dienstleister geben, die sich die teuren Geräte zulegen. Zum anderen müssten die Spielehersteller damit einverstanden sein, ihre Daten für einen solchen Druck zur Verfügung zu stellen.
Sicher ist es nicht einfach, Spielehersteller dazu zu bewegen, ihre Daten herauszurücken. Auch dürfte noch einige Zeit vergehen, bis erste Dienstleister die Erstellung von 3D-Modellen für jedermann anbieten. Trotzdem ist die von der Telekom gezeigte Idee nicht utopisch. Schließlich liegen die Daten von beispielsweise 3D-Figuren aus Computerspielen bereits in irgendeinem 3D-Format vor - warum dieses nicht umwandeln und in einer anderen Form weiterverwenden? Ein nettes Gimmick für begeisterte Computerspieler, Traumhausdesigner oder andere 3D-Fans wären die modellierten Gipsfiguren allemal - aber auch eben nur ein Gimmick...
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