Von einem, der auszog, umzuziehen

Gamer-Kolumne: Zum Glück bin ich kein Spieleheld

Fast jeder kennt sie, diese Helden. Nicht die Sorte, die mit handlichem Actiongepäck durch den Cyberspace reist. Die Rede ist von jenem Heldentypus, der im Kampf gegen Monster nicht nur sein Leben riskiert, sondern wegen chronischer Inventarüberfüllung einen Leistenbruch. Denn bekanntlich sammeln solche Abenteurer alles auf, was die Bodentexturen hergeben. Nichts scheint so wertlos, dass es sich nicht danach zu bücken lohnt. Für einen, der frisch umgezogen ist, tut sich vor diesem Hintergrund eine Frage auf: Wie bekämen solch Sammelwütige einen Wohnungswechsel hin?

Gamer-Kolumne: Zum Glück bin ich kein Spieleheld
Schweres Los: Rollenspielheld

Nur mal angenommen, ein Rollenspielheld zöge um. Was würde wohl alles in den Umzugskisten landen? In erster Linie natürlich Waffen, Rüstwerk und je nach Profession etliche Folianten oder Werkzeuge. So weit kein Problem. Freundlich ein paar dumme Barbaren um Hilfe gebeten oder arglose NPCs mit der Klinge gekitzelt, schon wandern die wertvollen Kisten von A nach B.

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Doch wohin mit dem restlichen Tinnef, der sich im Laufe eines Heldenlebens auftürmt? Ab zum nächsten Händler vielleicht, doch welcher Kaufmann hätte ernsthaft Interesse an faulem Gemüse, Gammelfleisch oder stinkenden Tierhäuten, die selbst der sparsamste Dönerladen dankend ablehnen müsste?

Mutige Messis

Die Liste dessen, was Fantasyveteranen mit sich herum schleppen, kann auch ohne Griff in die Ekelkiste fortgesetzt werden. Beispiel Schmuck: Im Glanze mühsam erkämpfter Ringe, Amulette und sonstigen Geschmeides sähen sogar goldbehangene Rapper blass aus. Ein paar handelsübliche Schatullen reichten da beileibe nicht aus, von einer Ladung Schuhwerk und Klamotten ganz zu schweigen. Nichts irdisch Weibliche würde den Kleiderschrank eines Rollenspielhelden voll kaufen können.

In der Haustierfrage hätten die Stauraum-Akrobaten wiederum einen Vorteil. Falls der neue Vermieter kein Viehzeug duldet, könnten so genannte Pets einfach vor den Stadttoren ausgesetzt werden. Was ein tüchtiger Beschwörer ist, zaubert neue Begleiter nach erfolgtem Tapetenwechsel wieder herbei. Das war's dann aber schon mit den Vorteilen. Denn bei der Organisation eines Umzugs täten sich für jene mutigen Messis Probleme auf, wogegen sich jedes noch so große Gegnerungeheuer klein ausnähme.

Vom Helden zum Packesel zum Dummen

Ich bin jedenfalls froh, kein Spieleheld zu sein. Nichts gegen pralle Bizeps, wallendes Haar, Todesverachtung, halbnackte Begleiterinnen oder das Beherrschen von Zaubertricks, die in Gesellschaft Applaus einbrächten. Aber spätestens bei einem Wohnungswechsel wäre der Preis für all das zu hoch. Mein Umzug als Normalo hat mir gereicht, war stressig genug. Auch ohne fragwürdige Fundsachen, ohne geweihte Ahnenfußnägel oder verhexte Käsereiben fiel nach acht Jahren Wohnzeit mehr als genug Plunder an. Das meiste davon: PC-Schrott und Computerspiele.

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