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Druckfrische Druckreife: Leere Patronen selber auffüllen
So kommt die Tintenfülle in die Markenhülle

von Moritz Zielenkewitz Uhr veröffentlicht

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Wer seine Dokumente nicht nur in digitaler Form vorliegen haben, sondern auch in der Hand halten will, sollte kalkulieren: Zwar bekommt man die Drucker mittlerweile fast schon geschenkt, die Preise für Patronen steigen dafür unaufhaltsam. Der Trend geht daher hin zum Selbertanken, Nachfüllsets zu weit günstigeren Konditionen werden immer attraktiver. Worauf beim Befüllen zu achten ist und welche Techniken Erfolg versprechen, hat netzwelt zusammengefasst.

Wer seine Dokumente nicht nur in digitaler Form vorliegen haben, sondern auch in der Hand halten will, sollte kalkulieren: Zwar bekommt man die Drucker mittlerweile fast schon geschenkt, die Preise für Patronen steigen dafür unaufhaltsam. Der Trend geht daher hin zum Selbertanken, Nachfüllsets zu weit günstigeren Konditionen werden immer attraktiver. Worauf beim Befüllen zu achten ist und welche Techniken Erfolg versprechen, hat netzwelt zusammengefasst.

ReINKarnation: Neues Leben für alte Patronen

Anstatt immer wieder neue Markenpatronen zu kaufen, kann es lohnenswert sein, die vorhandenen einfach nachzufüllen. Viele Hersteller bieten dafür im Internet spezielle Refill-Sets an. In diesen Paketen enthalten sind neben der Tinte meist eine Spritze mitsamt Kanüle und Material zum Abdichten. Hochwertige Sets legen auch einen kleinen Handbohrer bei, der sich um ausreichend große Löcher kümmern soll.

Sparfüchse sollten dennoch nicht auf Universaltinte zurückgreifen, die langfristig dem Drucker mehr schadet als nützt - die nachgekaufte Tinte sollte explizit für die eigenen Patronen ausgelegt sein. Empfehlenswerte Hersteller von solchen Refill-Sets gibt es in der Linkbox am Ende des Artikels.

Wie beim Zahnarzt: Erst bohren, dann Füllung rein

Alle Methoden zum Nachfüllen erfordern auf einen Nenner gebracht Folgendes: Die leere Patrone wird an einer bestimmten Stelle angebohrt und die Nachfülltinte wird mit einer Spritze in die Tintenkammer befördert. Damit enden größtenteils allerdings auch die Gemeinsamkeiten, denn je nach Hersteller und Produktionsjahr unterscheiden sich die nötigen Handgriffe teilweise drastisch. Ein grundsätzlicher Rat: Wer versucht, mehr als die vorgegebene Menge an Tinte in die Patrone zu bekommen, macht langfristig den Drucker kaputt. Einzig bei komplett leergesaugtem Schwamm in der Patrone sind drei bis fünf Milliliter mehr Tinte möglich.

Die Wunschvorstellung: Gefüllte Patronen

Es ist sinnvoll, die unterschiedlichen Arten des Patronenaufbaus in das ältere Zweikammersystem und das aktuelle Einkammersystem aufzuteilen. Während Erstere eine eigene Vorratskammer für die Tinte verwenden, die bei Bedarf in die zweite Kammer läuft und dort von einem Schwamm aufgenommen wird, ist beim Einkammersystem bereits die Tinte mitsamt Schwamm zusammengeführt. Der Schwamm saugt eine bestimmte Menge Tinte auf und gibt diese dann deutlich langsamer und kontrollierter an den Druckkopf ab, als eine normale Fließbewegung realisieren könnte.

Manche Firmen bauen noch eine Art Schutzdeckel auf die Patrone, die dem Nachfüllen im Wege steht. Dieser muss im Fall von HP oder Lexmark daher meistens mit Schraubstock, Zange oder Messer abgelöst werden, bevor die Patrone angebohrt werden kann. Nach dem Auffüllen ist es dann essentiell, dass der Deckel nur leicht aufgesetzt und mit einem Klebeband fixiert wird - Luft muss nachströmen können, damit sich kein zu großer Unterdruck aufbaut.

Die Tintenkammer des Schreckens

Zweikammersysteme kommen hauptsächlich bei Canon vor und haben zudem den Vorteil, so gut wie immer transparent zu sein. Die gängige Technik ist hier, die Tintenkammer anzubohren und die Tinte einzufüllen. Jetzt ist Wartezeit gefragt, bis sich die Tinte in den Schwamm gesaugt hat. Der Rest der Tintenkammer kann jetzt endgültig aufgefüllt werden. Problem an der Sache: Das Bohrloch muss abgedichtet werden, damit die Tinte nicht ausläuft. Heißkleber oder Klebeband erweisen sich hier nicht immer als zuverlässig und geben der Patrone zudem eine gehörige Portion Heimwerker-Charme.

Die bessere, wenn auch schwierigere Methode ist daher, auf der Seite der Schwammkammer ein Loch zu bohren - und zwar möglichst tief unten. Beim Bohrvorgang sollte der Schwamm allerdings besser nicht beschädigt werden, Vorsicht ist also geboten. In das Loch kann jetzt die Kanüle eingeführt und durch die Öffnung zwischen beiden Kammern bis in die Tintenkammer geführt werden, wo die Tinte wie im anderen Beispiel eingefüllt wird. So muss das Loch später nicht geschlossen werden, weil der Schwamm die Tinte zuverlässig aufsaugt, bevor diese austreten kann.

Bei Refills sollte die Spritze vorsichtig verwendet werden.

Einziger Nachteil: Die Kanülen der Refill-Sets sind für diese Technik oft zu kurz. Ein Verkaufsgespräch mit dem Apotheker des Vertrauens sollte aber helfen - 50 Millimeter Länge genügen vollkommen, bei der Gelegenheit sind vielleicht auch noch ein paar Ersatzspritzen drin. Der Füllvorgang sollte mindestens eine halbe Minute pro Kammer dauern, um Luftblasen zu vermeiden. Danach sollte die Patrone vor dem ersten Ausdruck ohne Bodenkontakt in Druckposition platziert werden, damit sich die Tinte gleichmäßig verteilen kann und eventuell austropfende Tinte nicht den Drucker beschädigt.

Druckausgleich für besseren Druck

Einkammersysteme sind relativ einfach nachzufüllen: Der Großteil von Patronen hat bereits eine kleine Öffnung, die dem Druckausgleich dient und verhindert, dass beim Austreten von Tinte nach und nach ein Vakuum in der Patrone entsteht. Solche Öffnungen können weiter aufgebohrt und dann mit der Tinte befüllt werden. Wichtig: Handelt es sich um eine Farbpatrone, sollte jede Farbe mit einer eigenen Spritze befüllt werden, um Farbmischungen und schlechte Ausdrucke zu vermeiden. Alternativ sollte die Spritze für die nächste Farbe mit warmem Wasser ohne Seife gereinigt werden.

In vielen Fällen ist es unabdingbar, vor dem Bohren die Plastikstreifen abzuziehen, die die Luftlöcher verschließen. Der Haken: Bei den verschiedenen Patronenarten gibt es große Unterschiede, wie nach dem Befüllen mit den Klebestreifen zu verfahren ist: Bei manchen muss er drauf bleiben, bei anderen darf er nie wieder aufgeklebt werden - und wieder anderen ist es einfach egal. Hier hilft nur genaues Informieren über die eigene Patronenversion.

Druckt die entsprechende Patrone nach dem Befüllen trotzdem nicht, ist vermutlich Luft in die Kammer gelangt. Um die heraus zu befördern, müssen alle Öffnungen außer einem Einlass für die Spritze und der Drucköffnung unten geschlossen werden. Wenn jetzt Luft mit einer leeren Spritze hineingedrückt wird, verdrängt diese die bereits vorhandenen Luftblasen. Sobald Tinte anstatt Luft die Drucköffnung verlässt, ist mit Sicherheit die störende Luft draußen. Die herausgetropfte Tinte am Druckkopf sollte vorsichtig abgetupft werden; Düsenplatten wie bei HP üblich werden am besten mit warmem, destilliertem Wasser gesäubert.

Markenfixiert: Firmenexklusives Patronendesign

Beim Nachfüllen von Farbpatronen legen die Hersteller den Bastlern Steine in den Weg: Die Firmen benutzen eigene Systeme, welche Farbe an welcher Stelle liegt. Wo Canon sich (im Uhrzeigersinn und ab Einbaurichtung oben) für die Reihenfolge Rot, Gelb und Blau entschieden hat, nutzen HP und Lexmark Rot, Blau und Gelb. Bei Fotopatronen ändert sich das Spielchen auf Blau, Rot und Schwarz. Farbvielfalt für Fortgeschrittene.

Geschick und der richtige Füllpunkt sind Pflicht.

Wenn also die Patronen nicht durchsichtig sind und anhand der Oberseite nicht zu erkennen ist, welche Farbe sich in welchem Bereich befindet, sollte die Patrone nach dem Bohren der drei nötigen Löcher ins Licht gehalten werden. Auch bei relativ leeren Patronenkammern ist an den Schwämmen meistens zu erkennen, um welche Farbe es sich handelt.

Beim Einfüllen der Farben ist Vorsicht geboten: Die Kanüle sollte nicht zu tief in die Kammer eingesteckt werden, da sonst das Drucksieb beschädigt werden kann, welches die Druckköpfe abdeckt. Um bei blickdichten Patronen zu erkennen, wann die Farbkammer voll ist, kann einfach so lange Tinte nachgefüllt werden, bis die Farbe zu sehen ist. Jetzt wird wieder ein wenig Tinte abgezogen - fertig. Einmal abgezogene Tinte sollte allerdings nicht wieder in die Patrone zurückgeführt werden, weil sonst Luftblasen und Verschmutzungen in die Kammer gelangen könnten.

In der Tinte: Patronen-Chips überlisten

Seit einigen Jahren kommt noch ein weiteres Problem auf Füllfreunde zu: Neuere Patronen besitzen einen Chip, der den Füllstand der Tinte speichert. Was auf der einen Seite von großem Nutzen im laufenden Betrieb ist und auf dem Monitor die Füllstandsanzeige ermöglicht, stört beim Nachtanken. Denn selbst wenn die Patrone manuell aufgefüllt wird, weiß der Chip das nicht und überzeugt den Computer weiterhin zuverlässig davon, dass die Patrone leer und ein weiterer Druckauftrag nicht möglich ist.

Was ist also zu tun? Verschiedene Methoden können hier Erfolg versprechen: Die einfachste ist, so lange weiter zu drucken, bis die Druckersoftware meldet, dass die entsprechende Patrone leer sei. Jetzt muss am PC von Hand die Tintenfüllstandsanzeige deaktiviert werden, der Chip wird in Zukunft nicht mehr nerven. Nachteil: Der Füllstand muss geraten werden, die Anzeige gibt es nicht mehr. Deshalb sollte von jetzt an direkt nachgefüllt werden, wenn beim Ausdruck die ersten Streifen auftauchen - ansonsten nehmen Düsen und Druckkopf Schaden. Der zweite Dämpfer: Mit dem Deaktivieren des Chips verfällt die Garantie, der Hersteller haftet ab jetzt nicht mehr für etwaige Schäden.

Kontakte und Chips erschweren den Füllvorgang.

Wird später übrigens wieder eine Originalpatrone eingesetzt, aktiviert sich der Chip automatisch und nimmt seine Arbeit wieder auf. Oftmals genügt das Deaktivieren der Füllstandsanzeige allerdings nicht, um mit dem eigenen Refill Erfolg zu haben: Bei manchen Druckern wie beispielsweise Epson ist ein Chip-Resetter notwendig, der schlicht eine Neuprogrammierung vornimmt und der Patrone klarmacht, dass sie wieder voll ist. Bei älteren Modellen hilft oft nur das zwischenzeitige Abkleben einzelner Kontakte - bei einer Auswahl von mehreren Dutzend eine Geduldsprobe.

Fazit: Anfangs mehr für Abenteurer als Sparfüchse

Zugegeben, es sind schon ein paar Versuche nötig, bis das Nachfüllen von Hand zur Routine wird. Einfacher wird der gesamte Vorgang nach dem ersten Erfolgserlebnis vor allem dann, wenn immer die gleiche Patrone nachgefüllt wird, weil die Handgriffe sich nicht ändern. Beliebig oft lässt sich eine Patrone allerdings nicht auffüllen: Die Qualität des Schwamms lässt mit der Zeit nach, da er nicht für eine so lange Zeit konzipiert ist - billige Universaltinte beschleunigt diesen Verfall noch. Da die Aufnahmefähigkeit des Schwamms rapide abnehmen kann, tun Nachfüller sich und ihrem Geldbeutel keinen Gefallen, ewig die gleiche Patrone zu verwenden - irgendwann sollte dann doch eine neue, frische Basis geschaffen werden. Druckfrisch.

Kommentare zu diesem Artikel

Wer seine Dokumente nicht nur in digitaler Form vorliegen haben, sondern auch in der Hand halten will, sollte kalkulieren: Zwar bekommt man die Drucker mittlerweile fast schon geschenkt, die Preise für Patronen steigen dafür unaufhaltsam. Der Trend geht daher hin zum Selbertanken, Nachfüllsets zu weit günstigeren Konditionen werden immer attraktiver. Worauf beim Befüllen zu achten ist und welche Techniken Erfolg versprechen, hat netzwelt zusammengefasst.

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  • hartelmann1 schrieb Uhr
    AW: Druckfrische Druckreife: Leere Patronen selber auffüllen

    siehe dazu meinen Beitrag über das neue Tintensystem für Canon-Drucker. Meine Tintenbehälter liegen neben dem Drucker und sind mit den Original- Druckertinten über Schläuche verbunden. Ich muß nur noch bei Bedarf Tinte in die außen liegenden Behälter nachfüllen. Und das funktioniert einwandfrei. MfG hartelmann1

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Druckfrische Druckreife: Leere Patronen selber auffüllen
Druckfrische Druckreife: Leere Patronen selber auffüllen
Wer seine Dokumente nicht nur in digitaler Form vorliegen haben, sondern auch in der Hand halten will, sollte kalkulieren: Zwar bekommt man die Drucker mittlerweile fast schon geschenkt, die Preise für Patronen steigen dafür unaufhaltsam. Der Trend geht daher hin zum Selbertanken, Nachfüllsets zu weit günstigeren Konditionen werden immer attraktiver. Worauf beim Befüllen zu achten ist und welche Techniken Erfolg versprechen, hat netzwelt zusammengefasst.
http://www.netzwelt.de/news/75253-druckfrische-druckreife-leere-patronen-selber-auffuellen.html
2007-03-06 17:08:00
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