Dell XPS 710 H2C im Test: Wo die obere Messlatte endet
Zu viel des Guten
Dem geschulten Auge halten die breiten Spaltmaße und unregelmäßigen Übergänge leider nicht stand, ebenso wie das klapprige, billig wirkende Plastik der Frontpartie. Als wirklichen Makel lässt sich das durchgehend düstere Finish nicht bezeichnen, schließlich findet auch ein eher diskretes Design seine Liebhaber. Dennoch erscheint das schwarz-silberne Design des deutlich günstigeren Standard-XPS-Systems irgendwie aufregender. Wirklich schade ist außerdem, dass die aufwändige Kühlung lediglich den Prozessor bearbeitet und keine der anderen Komponenten wie Festplatten, Grafikkarten und Mainboard mit einbezieht.
Selbst auf deutlich schwächerer Hardware erzielte schon eine einzelne Grafikkarte mit GeForce 8800 GTX mehr Leistung, als selbst anspruchsvolle Spiele auf höchsten Qualitätseinstellungen wirklich ausnutzen können. Da lässt sich einfach an einer Hand abzählen, um welchen Faktor sinnvoller zwei dieser 3D-Monster sind. Besonders wenn diesen zusätzlich noch ein Vierkern-Prozessor und ein Physikbeschleuniger beisteht. Wer ohnehin nur auf der gängigen Flachbildschirm-Auflösung von 1.280 x 1.024 Pixeln spielt, erhält bereits für ein Drittel des H2C-Preises mehr als ausreichende Performance.
Bei aller Kritik: Zu behaupten, dass derartiger Overkill keinen Spaß machen würde, wäre schlichtweg gelogen. Es verschlägt einem regelrecht die Sprache, mit welch brachialer Gewalt das High-End-Geschoss nach vorne schiebt. Es ist an der Zeit, die Definition von "schnell" noch einmal gründlich zu überdenken. Mit weniger als dem oberen Ende der Messlatte gibt sich der Potenzprotz gar nicht erst ab. Lange Wartezeiten? Ja, die soll es wirklich einmal gegeben haben.
Außer der Vorder- und Rückseite wird auch das Herzstückin einer von sieben Farben effektvoll beleuchtet.
Nicht nur den lüfterlos wassergekühlten Rundum-Lautlos-PC von netzwelt, auch sämtliche bisher getesteten Rechner degradiert der XPS 710 H2C nach allen Regeln der Kunst. Ein Beispiel: Der beim synthetischen Spiele-Benchmark 3DMark06 erzielte Wert von über 15.000 Punkten liegt beinahe doppelt so hoch als bei jedem anderen System, dass jemals den netzwelt-Prüfstand erreichte. Bei "Half-Life 2" und "Quake 4" lassen sich die Leistungsgrenzen nicht einmal annähernd erahnen.
Nervtötender Klima-Killer
Dass die Zwei-Phasen-Kühlung ganze Arbeit leistet, zeigen die gemessenen Temperaturen sehr anschaulich. Obwohl der Quad-Core-Prozessor um mehr als ein halbes Gigahertz übertaktet wurde, erwärmt er sich bei voller Belastung auf nur 49 Grad Celsius, im Leerlauf bleibt er sogar zehn Grad darunter. Allerdings dürfte auch eine gewöhnliche, leistungsfähige Wasserkühlung ähnlich niedrige Werte erzielen. Aber die erschien den Entwicklern von Dells Prestige-Objekt wahrscheinlich zu profan.
Dell XPS 710 H2C im Test: Wo die obere Messlatte endet
Kenner erkennen die Extrem-Version des normalen XPS-PCs an der schwarzen Außenhülle, die ebenfalls komplett aus massiven Aluminium besteht.
Dieser Komplettrechner ist so etwas wie der Bugatti Veyron unter den PCs: Mehr Leistung, als man im Alltag jemals ausnutzen könnte, absolute High-Tech-Bauteile und ein Preis jenseits aller Vernunft.
Der Dell XPS 710 H2C mobilisiert einen übertakteten Quad-Core-Prozessor mit 3,2 Gigahertz, zwei GeForce 8800 GTX mit beachtlichen 1,5 Gigabyte Grafikspeicher und eine ausgefeilte Hybrid-Kühlung.
Die klapprige Front aus vergittertem Plastik will so gar nicht zum horrenden Kaufpreis passen.
Selbst die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA soll eine vergleichbare Kühltechnologie in ihrem Space Shuttle einsetzen.
Als ob zwei der derzeit schnellsten Grafikkarten nicht genug wäre, verfügt das Sondermodell über einen zusätzliche Spielphysik-Beschleuniger. Den guten Ton besorgt ein Creative Sound Blaster der X-Fi-Serie.
Bei der Beleuchtung kann der H2C-Besitzer zwischen sieben verschiedenen Farben wählen oder sie einfach abschalten.
Trotz der klobigen Erscheinung ist der High-End-Bolide rein äußerlich ein Meister des Understatements.
Vereinfacht ausgedrückt steckt in Dells Vorzeige-Protz das Beste, was man momentan für Geld bekommen kann.
DVD-ROM, DVD-Brenner, Speicherkartenleser und Diskettenlaufwerk verstecken sich hinter schmalen Klappen.
Statt eines normalen CPU-Kühlers kommt ein Zwei-Phasen-System zum Einsatz: Zunächst fließt Flüssigkeit am Vier-Kern-Prozessor vorbei, anschließend geht es dem Rest der Wärme mit thermoelektrischen Kühlmodulen aus Keramik an den Kragen.
Dells Beitrag für ein besseres Klima beschränkt sich lediglich auf das Innere des PCs.
Mit der außergewöhnlichen Hybrid-Lösung arbeitet der H2C auf einem noch angenehmen, keineswegs zu lauten Lärmpegel. Auch der hochfrequente Dauerton eines Lüfters ließe sich noch verschmerzen, wenn er nicht ständig auf- und abschwellen und geräuschempfindliche Zeitgenossen schnurstracks in den Wahnsinn treiben würde. Leider besteht beim Testgerät keine Möglichkeit, die Lüfterdrehzahl zu verändern, geschweige denn auf einen festen Wert einzustellen. Eher dem Chip-Hersteller zuzuschreiben ist hingegen das heraushörbare Pfeifen der Grafikkarten-Spannungswandler.
Ganz im Stile eines großvolumigen Ami-Schlittens verbraucht der schwarze Bolide mindestens für zwei. Aber nicht Benzin, sondern Strom. Allein fürs Nichtstun genehmigt er sich über 300 Watt. Beim Spielen benötigt er im Schnitt knapp 500 Watt, während er im Extremfall sogar die 600-Watt-Marke knackt. Wie gut, dass sich diesen Schluckspecht nur die wenigsten leisten können, andernfalls müssten eine Menge Kraftwerke Überstunden schieben und für den Klimaschutz sähe es dann denkbar düster aus.
