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Zattoo: Internetfernsehen mit P2P-Hilfe
Per IPTV kommen Sender als Live-Stream auf den PC

von Moritz Zielenkewitz Uhr veröffentlicht

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Fernsehen erobert nach und nach das Internet - sei es als Clipsammlung à la Youtube, per Video-on-Demand oder mit Live-Streaming. Auf Letzteres setzt ein IPTV-Projekt, das jetzt auch in Deutschland im geschlossenen Betatest läuft: Zattoo. Das erklärte Ziel der Entwickler ist, dank P2P möglichst vielen Usern echtes Free-TV auf den Computer zu bringen. Netzwelt hat einen ersten Blick gewagt.

Fernsehen erobert nach und nach das Internet - sei es als Clipsammlung à la Youtube, per Video-on-Demand oder mit Live-Streaming. Auf Letzteres setzt ein neues IPTV-Projekt, das jetzt auch in Deutschland im geschlossenen Betatest läuft: Zattoo. Das erklärte Ziel der Entwickler ist, dank P2P möglichst vielen Usern echtes Free-TV auf den Computer zu bringen. Netzwelt hat einen ersten Blick gewagt.

Update: Geschlossener Betatest angelaufen

Nach etlichen Monaten des Vertröstens ist es endlich soweit: Nach der Schweiz und Großbritannien kommt Zattoo nun endgültig auch nach Deutschland. Eine Handvoll ausgesuchter Tester können sich bereits jetzt vom vielversprechenden P2P-Streamer überzeugen, eine öffentliche Betaphase scheint also zum Greifen nah. Auch netzwelt konnte einen Blick auf die Closed Beta werfen; die Unterschiede zum bisherigen Testaccount sind allerdings deutlich.

Denn auf den ersten Blick fällt auf, dass die Liste Dutzender Sender aus Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz dermaßen zusammengeschrumpft ist, dass der Scollbalken kaum mehr nötig wäre: Mit DSF, MTV, VIVA, Giga und Comedy Central sind die beteiligten deutschen Sender schnell aufgezählt. Noch vor wenigen Wochen war bis auf wenige Ausnahmen der komplette Katalog des deutschen Free-TVs verfügbar.

Logo Zattoo

Unklar ist bis dato, ob die Senderauswahl nur eine Art Vorgeschmack auf das fertige Proukt sein soll oder aus rechtlichen Gründen tatsächlich nicht mehr Inhalte lizenziert werden konnten. Trifft Letzteres zu, scheinen die Verhandlungen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ebensowenig gefruchtet zu haben wie Gespräche mit der RTL-Gruppe und ProSiebenSat1. Erfreulich: Das Umschalten der Sender geht subjektiv schneller als noch vor einigen Wochen, der Stream läuft stabil und in akzeptabler Qualität.

Vorteilsfernsehen für Menschenmassen

Die große Senderauswahl und bequeme Handhabung des herkömmlichen Fernsehens mit den Vorteilen eines Computers verbinden - das war der Plan von Beat Knecht und Sugih Jamin, als sie im Mai 2005 Zattoo gründeten. Seitdem wird an dem schweizerisch-amerikanischen Projekt gewerkelt, bis zum aktuellen Betatest waren mehr als 40 Sender zu empfangen. Und allesamt sind sie Internet-Streams normaler Fernsehsender, die am PC angeschaut werden können.

Alle großen deutschen Kanäle sind vertreten: ARD, ZDF, RTL und RTL 2, Sat.1, Pro 7, Kabel eins, VIVA, DSF, n-tv, VOX, arte - die Liste ist lang und beinahe vollständig. Erweitert wird das Angebot um mehrere Sender des schweizerischen, italienischen und französischen Fernsehens; BBC, CNN und Bloomberg runden die Palette ab. Laut Zattoo ist damit das Ende der Fahnenstange allerdings noch nicht erreicht: Mehr als 50 Kanäle sollen am Ende dem Nutzer kostenlos zur Verfügung stehen.

Zattoo

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Auch eine Vielzahl italienischer Sender ist dabei.

Zattoo - das ist japanisch und bedeutet nichts anderes als "Menschenmenge". Denn das Projekt präsentiert sich als Ablösung für den herkömmlichen Fernsehapparat: Zurzeit nutzen bereits weit über 100.000 Fernsehfreunde Zattoo, laut firmeneigenen Umfragen besitzt etwa ein Drittel kein TV-Gerät.

Von Zappingkultur und Grundversorgung

Ähnlich wie Joost und die asiatischen Streamer setzt auch Zattoo auf die Vorteile der P2P-Technologie, um möglichst stabile Streams gewährleisten zu können. Hierbei kontaktieren nur vergleichsweise wenige User die Server, der Löwenanteil an Streaming-Daten wird untereinander weitergegeben. Wer also per Zattoo einen Sender anschaut, sorgt mit seinem Upload zugleich dafür, dass andere ebenfalls die Datenpakete bekommen. Das sorgt für Unabhängigkeit gegenüber den Servern und eine konstant hohe Bandbreite - die entsprechend große Community vorausgesetzt.

Den knapp zwölf Megabyte großen Player gibt es momentan für XP, Vista und Mac OS X. Die Hardware-Anforderungen halten sich dabei in Grenzen: Neben einer DSL-Flatrate sollte der Rechner mit mindestens 1,5 GHz takten und 512 Megabyte Arbeitsspeicher unter der Haube haben. Zudem setzt Zattoo auf das NET-Framework 2.0, die Arbeitsbelastung während des laufenden Streams fällt mit knapp 15 Megabyte RAM dezent aus.

Bei diesen Angaben dürfen daher auch keine Wunder erwartet werden: Die Zattoo-Oberfläche besteht aus einem Video-Fenster und der Senderleiste am rechten Rand, wirkt also wie ein gewöhnlicher Media Player. Der Stream kann gestoppt und wieder gestartet werden, auch Lautstärkeregelung und Vollbild haben eigene Icons verpasst bekommen. Eine Pause- oder gar Aufnahme-Funktion ist aus rechtlichen Gründen nicht mit an Bord.

Zattoo

Zattoo: Die Oberfläche bleibt übersichtlich (Klick vergrößert).

Im Gegensatz zu anderen P2P-Streamern kommt beim Senderwechsel dafür fast schon das am Fernseher bekannte Zapping-Gefühl rüber: Nicht einmal zehn Sekunden dauert der Kanalwechsel, zwei Sekunden davon entfallen für das Buffering. Wahrscheinlich ist das aber noch Beta-Luxus: Später sollen bei jedem Senderwechsel Werbeeinblendungen das kostenlose Zattoo-Angebot ermöglichen. Unterbrecher-Spots wie im normalen TV sollen dafür ebenso wenig zu sehen sein wie Banner.

Qualität: Kein Bild für die Götter

Maximal als akzeptabel ist allerdings die Bildqualität zu bezeichnen: Der Stream wirkt senderunabhängig leicht verwaschen, bei schnellen Bildbewegung ist eine ausgiebige Blockdarstellung zu beobachten. Bei Sportübertragungen machen Spielfeldlinien der Software das Leben schwer: Starke Treppenbildung trübt das Fernsehvergnügen. Obgleich das Bild recht konstant über den Äther kommt, patzt der Ton des Öfteren durch Stocken oder den plötzlichen Ausfall eines Kanals. Was davon auf den Betastatus geschoben werden kann, bleibt abzuwarten.

Zwei Funktionen von Zattoo scheinen sehr wichtig für Zapper zu sein: Lock Video Size verhindert, dass beim Umschalten jedesmal wieder auf Briefmarkengröße gesprungen wird, Fit Video passt das Seitenverhältnis an den aktuellen Stream an. Dennoch war beispielsweise bei Pro 7 der Bildausschnitt seitlich abgeschnitten - besonders problematisch bei Texteinblendungen und Bauchbinden. Eine Übernahme des Videotextes ist laut Zattoo nicht geplant.

Vollkommen live ist das Angebot von Zattoo aufgrund der Streaming-Technologie nicht: Um bis zu 20 Sekunden verzögert erreicht das Material den Computer. Für die Zukunft plant Zattoo neben den kostenlosen Sendern noch eine Bezahlplattform; ob diese auf Premium-Angebote im Stil von Pay-TV abzielt oder eher auf dem Video-on-Demand-Sektor punkten will, ist indes noch nicht bekannt. Zusätzlich sollen Plugins die Interaktivität erhöhen: Wie bei der Konserven-Konkurrenz Joost sollen Suchfunktion und Chat die Attraktivität von Zattoo gegenüber normalem TV erhöhen.

Menü Zattoo

Beim Zapping bitter nötig: Die Menüleiste (Klick vergrößert).

Zattoo: TV-Tod noch nicht in Sicht

Das ambitionierte Projekt macht vieles richtig: Zattoo wirkt nicht überfrachtet, die Bedienung ist intuitiv und schnelles Umschalten lässt tatsächlich Fernseh-Atmosphäre aufkommen. Die prognostizierte Ablösung des TV-Apparates ist beim derzeitigen Stand allerdings nicht in Sicht: Die Bildqualität hinkt dem Fernsehprogramm deutlich hinterher, die Vorteile der Internet-Struktur werden trotz P2P zu wenig ausgespielt.

Zattoo

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Auch eine Vielzahl italienischer Sender ist dabei.

Kollaborationen mit Online-TV-Zeitschriften, Unterstützung kleinerer Internet-Sender statt der bekannten Größen, personalisierter Programmplaner; allesamt Elemente, die einen echten Mehrwert gegenüber der Glotze bieten würden. Und allesamt fehlen sie - zumindest noch. Beim aktuellen Stand der Entwicklung ist Zattoo eine sinnvolle Alternative für Menschen, die entweder unterwegs sind oder sich keinen Fernseher anschaffen wollen. Gut für ein Nischengeschäft, als Internetfernsehen für eine globale Menschenmenge aber nicht ausreichend.

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http://www.netzwelt.de/news/75220-zattoo-internetfernsehen-p2p-hilfe.html
2007-09-01 13:25:00
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