Grenzen setzen vor allem die hohen Terminierungsentgelte
Handy: Handy-Tarife im freien Fall
E-Plus hat mit dem kürzlich vorgestellten Tarif "Zehnsation" den Minutenpreis auf ein Rekordtief geschraubt. Gleich vier Anbieter haben den Tarif nur wenige Tage darauf kopiert. Discount-Inhaber telefonieren beim gleichen Anbieter untereinander sogar schon für vier Cent. Mit welchen Zugeständnissen muss der Kunde leben und wann ist die preisliche Untergrenze erreicht? In jedem Fall gilt nach wie vor: Rechnen lohnt sich.
Inhaltsverzeichnis
- 1Minutenpreis über die Gesamtkosten in zwei Jahren
- 2Zahlreiche Nachahmer zeigen richtigen Ansatz
- 3Wie sind solche Preise möglich?
- 4Deutsche Terminierungsentgelte zu hoch
- 5"2007 wird der Markt noch günstigere Angebote erleben"
Waren kostenlose Handy-Beigaben früher einmal einer der Hauptgründe, einen Mobilfunk-Vertrag abzuschließen, hat sich das Bild heute verändert. Jörg Müller-Dünow von E-Plus sagt: "Bei den Verbrauchern hat sich das Verständnis durchgesetzt, dass ein Null-Euro-Handy nun einmal kein Geschenk ist, sondern an anderer Stelle bezahlt werden muss." Mit dem Drang nach immer preiswerteren Minutenpreisen lässt sich dieses Prinzip nicht länger vereinen.
Der neue "Zehnsation-Tarif" von E-Plus grenzt subventionierte Handy-Beigaben aus und macht dadurch erst einen Minutenpreis von zehn Cent in alle Netze möglich. Das ist noch einmal gehörig günstiger als die mittlerweile etablierten Discount-Tarife. Das Angebot ist aber nur für Kunden interessant, welche nur minimale Anforderungen an ein Mobiltelefon stellen und beispielsweise ein ausgedientes Handy weiter nutzen.
Nur die wenigsten Kunden können jedoch der Versuchung eines neuen modernen Mobiltelefons widerstehen. Insbesondere dann, wenn die Unterschrift eine 24 Monate währende Ehe besiegelt. Dessen ist sich auch E-Plus bewusst und bietet für einen monatlichen Aufpreis von fünf oder zehn Euro ein vergünstigtes Mobiltelefon an. "Ein Kunde, der dennoch ein neues Handy haben möchte, kann dies auch als 'Zehnsation-Kunde' bekommen, ohne dass sich etwas am günstigen Minutenpreis ändert", führt Müller-Dünow von E-Plus an.
Minutenpreis über die Gesamtkosten in zwei Jahren
Kühle Rechenköpfe können dem aber nicht zustimmen. Will man den Minutenpreis über die Gesamtkosten in zwei Jahren ausrechnen, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Wünscht der Kunde beispielsweise ein Nokia E50 zum Nulltarif, muss er im Zehnsation-Tarif zehn Euro im Monat extra bezahlen. Somit erhöht sich die monatliche Belastung auf 20 Euro im Monat. Im Vergleich darf der Time-and-More-Kunde den gesparten Straßenpreis von 180 Euro von der Rechnung streichen. Über die gesamte Vertragslaufzeit gerechnet, ergibt sich damit im Time-and-More-Tarif ein preiswerterer Minutenpreis als beim Zehnsation-Tarif.
| Tarif-Vergleich | ||
|---|---|---|
| Time and More 100 | Zehnsation +10 | |
| Nokia E50 ohne Vertrag | 180 | 180 |
| Nokia E50 mit Vertrag | 0,00 | 0,00 |
| Grundgebühr | 25,00 | 10,00 + 10,00 = 20 |
| Kosten über zwei Jahre | 600 - 180 = 420 | 480 |
| Minuten über zwei Jahre | 2400 | 2400 |
| rechnerischer Minutenpreis aus der Division von Grundgebühr und Minuten | 17,5 Cent | 20 Cent |
| Minutenpreis ab der 101. Minute | 45 Cent | 10 Cent |
| Besonderheiten | nicht genutzte Inklusivminuten werden in den Folgemonat übertragen | auch bei Wenig-Nutzung fällt der Mindestumsatz von 10 Euro an |
| Mindestvertragslaufzeit | 24 Monate | 24 Monate |
Der Minutenpreis erscheint also nur auf den ersten Blick günstig. Sobald ein neues Handy mit im Boot sitzt, relativiert sich der Preis merklich. Auf der Pro-Liste des Zehnsation-Tarifes steht die 101. Minute, die immer noch zehn Cent kostet. Time-and-More-Inhaber zahlen für jede Minute, die nach Ablauf der Inklusivminuten begonnen wird, happige 45 Cent. Wird der Mindestumsatz im Zehnsation-Tarif aber nicht im vollen Umfang genutzt, ist die rechnerische Minute teurer. Jeder Tarif hat also seine Eigenheiten und beruft sich auf Tarif-Prinzipien, die besagen, dass ein Tarif zum Nutzungsverhalten passen muss.
Zahlreiche Nachahmer zeigen richtigen Ansatz
Kaum ist der zehn-Cent-Tarif von E-Plus eingeführt worden, schon kriechen Nachahmer aus ihren Löchern, als hätten sie nur darauf gewartet, zu kontern. Callmobile, Simply und Klarmobil haben sich scheinbar nicht gescheut, den E-Plus-Tarif zu kopieren. Zehn Cent in alle Netze, zehn Euro Mindestumsatz und 24 Monate Vertragslaufzeit, ohne subventionierte Hardware. Henning Klawiter von Callmobile sieht jedoch einen gravierenden Unterschied zur Mutter des Zehn-Cent-Tarifs: "Callmobile-Kunden telefonieren in D-Netz-Qualität". Tatsächlich könnte dieser Umstand für einige Kunden entscheidend sein. In einigen Gebieten ist das E-Netz immer noch sehr schwach. Der Wettbewerb hat also wieder einmal Vorteile für den Verbraucher hervorgebracht.

Bei der mobilen Kommunikation kann auch im neuen Jahr wieder kräftig gespart werden. Während viele Aktionstarife in die Verlängerung gehen, wurden auch viele neue Preisrunden eingeläutet. Das Ziel ist klar: Mit verlockenden Angeboten soll das Neukundengeschäft angekurbelt werden. Welche Tarif-Aktionen sich lohnen, verrät netzwelt.
Mit einer völlig neuen Tarifstruktur läutet der Discounter simply die letzten Tage des Monats Januar ein und berücksichtigt dabei Prepaid- und Vertragskunden. In die Verlängerung schickt hingegen die E-Plus-Billigmarke Base ihre Komplett-Flatrate, ein Paradies für echte Quasselstrippen. Aber auch mit schmalen Geldbeutel können die Base-Kunden künftig mehr für ihr Geld erwarten. Sogar Bestandskunden profitieren diesmal von den neuen Tarif-Errungenschaften.
Telefonate zum Discount-Preis: Die zum Monatswechsel eingeläutete Preisrunde greift um sich. Sechs weitere Mobilfunk-Anbieter haben ihre Tarife geändert und locken nun mit überarbeiteten Preisen. Auch Bestandskunden profitieren häufig davon.
T-Mobile senkt die Preise für sein Prepaid-Angebot Xtra-Card. Der Minutenpreis für nationale Gespräche sinkt von 19 auf 15 Cent. Netzintern berechnet T-Mobile pro Minute und SMS fünf Cent. Für Telefonate aus dem EU-Ausland werden 29 Cent pro Minute fällig zuzüglich einem Verbindungsentgelt von 75 Cent.
Ein weiteres Discount-Angebot für den deutschen Mobilfunkmarkt ist da. Nachdem gestern schon Vodafone einen neuen Otelo-Billigtarif an de Start gebracht hat, folgt nun ein Angebot aus dem Hause Drillisch. Der Prepaid-Tarif HelloMobil nutzt das O2-Netz und bietet auch eine Daten-Option.
Mit Snoog Seven ist ein neuer Mobilfunk-Discounter gestartet, der für Gespräche in alle deutschen Mobilfunknetze 7,7 Cent pro Minute berechnet. Auch pro SMS wird dieser Preis fällig, das Abrufen der Mailbox ist hingegen kostenlos.




