Wie das Internet die Medien beeinflusst
Massenmedien im Wandel: Zeitungen und Zeitschriften
Internet & Netzwelt
Durch ihre Struktur haben die gedruckten Zeitungen den digitalen einiges voraus. Denn Lokalausgaben informieren über Aktuelles aus der Region. Geografisch sind nur wenige Onlineangebote so stark spezialisiert. Deren Spezialisierung richtet sich neben den allgemeinen Magazinen eher nach einzelnen Themen, ähnlich den Special-Interest-Zeitschriften. Dass gedruckte Medien im digitalen Zeitalter überhaupt noch akzeptiert werden, überrascht Kaltenbaek nicht: "Lesen bietet eine gewisse Art von geistiger Entspannung von den audio-visuellen Reizen, die täglich zunehmend auf uns niederprasseln."
Gedruckte Medien genießen allerdings bislang noch den seriöseren Ruf. Medienexperte Jesko Kaltenbaek: "Es ist auf jeden Fall so, dass gedruckte Medien mehr Seriösität und Kompetenz zugeschrieben bekommen. Im Printbereich hat sich ein Verlag einmal festgelegt und kann den Bericht nicht einfach wieder zurückziehen, also 'aus dem Netz nehmen'. Hier steht zudem ein oft seit Jahrzehnten bekannter Name für die Qualität der Berichte."
Ein klarer Vorteil des Webs ist, dass die Artikel kostenlos sind. Zwar gibt es auch im Internet kostenpflichtige Inhalte, aber deren Akzeptanz ist bescheiden: "Anfang des Jahrtausends fand man noch von vielen Verlagen die Inhalte der Printausgaben ihrer Zeitungen in einem kostenlosen Online-Archiv. Das hat sich mittlerweile geändert. Da man im Netz oft dieselben Inhalte kostenlos findet, für die an anderer Stelle Geld verlangt wird, sind kostenpflichtige Internet-Artikel ein Problem", sagt Kaltenbaek.
Dies mag vor allem am verhältnismäßig hohen Preis der Inhalte liegen: "Wieso sollte man beispielsweise für drei Seiten 1,50 Euro zahlen, wenn es die gedruckte Ausgabe des Magazins von insgesamt 200 Seiten für sechs Euro gibt. Diese Relationen macht viele Nutzer unzufrieden und sie sind dann schon aus psychologischen Gründen nicht bereit, die 1,50 Euro zu zahlen."
In der näheren Zukunft könnten moderne Anzeigegeräte der Tageszeitung zusätzlich Konkurrenz machen. Viele Onlineanbieter bereiten ihren Inhalt zunehmend auch für PDAs und Handys auf. Damit sind aktuelle digitale Nachrichten auch unterwegs nur einen Griff in die Jackentasche entfernt: "Nun könnte man sich folgendes Szenario vorstellen. Ein funktionsstarker PDA lädt aus dem Internet die von Zeitungen, Zeitschriften und Presseagenturen abonnierten Inhalte über UMTS morgens automatisch herunter. Damit verfügt man über die selbst zusammengestellte Zeitung im handlichen Format", erklärt Medienforscher Kaltenbaek.
Tragbare Geräte mit Display könnten die Mediennutzung verändern.
Wie sieht die Zukunft aus? Werden Print und Internet sich gegenseitig die Leser stehlen oder sich doch lediglich ergänzen? Jesko Kaltenbaek von der FU Berlin sieht die Zukunft differenziert: "Die Ergänzung wird besonders von der zuvor beschriebenen, dritten Benutzergruppe gefordert und gefördert. Allerdings ist vieles von dem, was als klassisches Printmedium erscheint, mittlerweile auch online verfügbar. Neuere Anzeige-Devices werden jedoch eine zunehmende Konkurrenz zu Print-Medien bieten."
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