Über die heimlichen Aktivitäten der Unternehmen im Netz
Stealth-Marketing: Das gefakte Netz
Dominik Schöneberg
"User generated content" ist eine der vielzitierten Neuerungen der Web-2.0-Welt: Internetnutzer können inzwischen auf vielen Websites selber Artikel, Podcasts oder Videos veröffentlichen. Auch den Unternehmen ist der Boom nicht entgangen: Wenn bezahlte und getarnte PR-Agenten zum Beispiel schöngefärbte Testberichte veröffentlichen oder neue Blogs ins Leben rufen, sprechen Fachleute vom Stealth-Marketing. Wird das Internet zum Fake?
Inhalt:
- Geringe Kosten locken PR-Strategen
- Angriffsziel Wikipedia: Politiker schreiben mit
- Die Ein-Prozent-Regel: Viel Einfluss für wenige
- Geprüfte Qualität: Wikipedia-Alternative Citizendium
- Viral-Marketing: PR-Aktionen mit offenem Visier
- Risiko Stealth-Marketing: Die Community schlägt zurück
Die Welt ist ungerecht: Charly hat eine Playstation Portable und Jeremy nicht. Um Jeremys Eltern und die ganze Welt auf diesen Missstand hinzuweisen, gründeten die beiden Freunde Ende des vergangenen Jahres ein Blog. Dieses widmeten sie allen, die genau wie sie sagen: "All I want for xmas is a PSP". Für besonderes Aufsehen sorgt ein unsagbar albernes Rapvideo ihres Freundes Pete, das auch in einigen deutschen Blogs und bei Youtube veröffentlicht wurde.
Ebenfalls bei Youtube erschien einige Zeit später ein Video, in dem Beweise dafür präsentiert werden, dass nicht Teenager namens Charly und Jeremy, sondern die Werbeagentur Zipatoni im Auftrag von Sony das Blog im Netz platziert hatte. Im Fachjargon heißen solche verdeckten Werbeaktionen, bei denen PR-Agenturen als normale Nutzer getarnt Inhalte im Netz veröffentlichen, Stealth-Marketing.
"Sorry Sony, we're not that stupid": Das Blog "alliwantforxmasisapsp.com" wurde von Internetnutzern als Marketing-Aktion von Sony entlarvt.
Wie viele vergleichbare Kampagnen unentdeckt bleiben, lässt sich schwer abschätzen: Unmöglich lässt sich nachvollziehen, wie viele Amazon-Bewertungen von Verlagsmitarbeitern stammen oder wie viele PR-Agenten aktive Wikipedia-Schreiber sind. Dass, seitdem "user generated content" zu einer der Losungen in der Web 2.0 Welt geworden ist, auch Unternehmen unter dem Deckmantel der Anonymität ihre Interessen vertreten, ist jedoch kein Geheimnis: Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit genug.
PR-Kommentare: Blogger entlarven ungeschickte Jamba-Mitarbeiter
Als beispielsweise im Jahr 2004 Johnny Hauesler im Spreeblick-Blog eine Schmähschrift über den Klingelton-Anbieter Jamba veröffentlichte, häuften sich Nutzerkommentare, die Jamba in Schutz nahmen und sogar auf die Konkurrenz schimpften. Dumm nur, dass sich die IP-Adressen der Nutzer nachvollziehen lassen, die Kommentare in einem Blog abgeben. Wie der Blogger Hauesler herausfand, wurden sämtliche Jamba-freundlichen Kommentare an Rechnern des Jamba-Muttekonzern Verisign verfasst. Vielleicht zum ersten Mal kam es zu einem öffentlichkeitswirksamen Sturm der Entrüstung in der gerade entstehenden Blogosphäre.
Dass sich die Möglichkeit des IP-Logging immer noch nicht herumgesprochen hat, zeigt der Fall Betty TV: Auch hier posteten Mitarbeiter unter einem wenig schmeichelhaften Testbericht eines Bloggers Kommentare, die das Produkt in Schutz nahmen. Auch hier wurden sie anhand ihrer IP-Adressen überführt. Dass Mitarbeiter großer Unternehmen sich weiterhin so leicht enttarnen lassen, ist unwahrscheinlich. Dass sie aufhören, anonym Werbebotschaften im Netz zu verbreiten, leider nicht.
Druckversion | Links zum Thema | Kommentare
-
Verkehrte Netzwelt: Kein Pardon im Web 2.0
Der Fluch der Kommentarfunktion -
Sony Ericsson C905: Neues 8,1-Megapixel-Handy?
Hersteller präsentiert kommende Woche die neuen Modelle -
Link-Wink: Gefundene Kameras und herrenlose Fotos
Kanadier vereint verlorene Fotos und ihre Besitzer
Mehr über: Web 2.0, Internet,
Links zum Thema
Diskutieren Sie zu diesen Artikel im Forum!
Neues Thema eröffnen
Kommt der Name "Steath" eigentlich vom gleichnamigen Film
Unter "Amateur Videos" finden sich nämlich allem Anschein nach gefakte Videos, die Existenz der im Film gezeigten Flugzeuge beweisen soll.
Edit: Leider bleibt auch Netzwelt nicht von Stealth-Marketing verschont
(Ok schlechter Witz :))
Stealth heißt aus dem Englischen übersetzt Heimlichkeit. Stealth Marketing ist also einfach heimliches Marketing.
Mit dem Film hat das Steahlth-Marketing also nichts zu tun: Die Tarnkappenbomber, die unsichtbar für Radar sind und in dem Film die Hauptrolle spielen, heißen auf Englisch stealth bomber.
Zitat:
Gehört zwar nicht hierher, aber ich möchte nur mal anmerken, dass ein "Tarnkappenbomber", wie ihn Freund Yankee (also die Amerikaner-Sippe) nennt, nicht zwangsläufig auch so "stealth" ist, wie die Jungens auf der anderen Seite des großen Teiches behaupten.
Die Russen können diese fliegenden Blechklumpen sehr wohl auf ihrem Radar sehen. Zitieren
Ja ich dachte bloß, dass man diese Marketing Strategie nach dem Film benannt hat, weil sie dort evtl. zum erstem mal richtig zum Einsatz kam.
Jetzt bin ich schlauer;)
Stealth-Marketing: Das gefakte Netz von netzwelt.de steht unter einer Creative Commons-Lizenz. Sie dürfen die Texte für nicht-kommerzielle Zwecke nutzen, bei Angabe und Verlinkung der Quelle "netzwelt.de".
Klicken Sie hier für weitere Informationen
nach oben








