In Bewegung: Kinder- und Jugendschutz im Internet
Filterprogramme bieten keinen hundertprozentigen Schutz
Die am häufigsten eingesetzte Technik hört auf den Namen "Keyword-Blocker". Das Programm sucht ausgewählte Websiten nach Wörtern ab, die intern auf einer schwarzen Liste stehen. Ein Schutz bis in die letzten Ecken des Internets ist damit aber nicht möglich. Ein Problem ist das sogenannte "Over- und Underblocking". Seiten mit fragwürdigem Inhalt werden zugelassen, und Adressen wie kinderkanal.de geblockt, weil sie die Wörter Kinder und anal enthalten. Effizienter sind Filter, die über große Positiv- und Negativ-Listen verfügen, welche vom Anbieter regelmäßig aktualisiert werden. Aber auch hier fallen noch immer einige Seiten durchs Raster.
Andere Filterprogramme blockieren bestimmte Seiten auf der Grundlage des so genannten "Page-Labelings". Auf Basis einer freiwilligen Selbsteinschätzung kennzeichnen Webseiten-Anbieter ihre Inhalte als Jugend gefährdend. Filterprogramme sprechen auf die Kennzeichnung an und sperren die Seiten automatisch. Das Page-Labeling-Verfahren wurde von der KJM anerkannt. Die noch spärlich gesäten Page-Labeling-Anbieter erfüllen schon heute die gesetzlichen Anforderungen des Internet-Jugendschutzes.
Nur Internetseiten, die auf der "White-List" stehen, sind zulässig
Aufgrund von hohen Fehlerquoten und dem nur selten zum Einsatz kommenden Page-Labeling können automatische Filter keinen hundertprozentigen Schutz bieten. Effektiver ist es, manuelle Positiv-Listen, so genannte "White-Lists", anzulegen. Der Internet-Explorer von Microsoft bietet diese Funktion schon von Haus aus. Der allseits beliebte Firefox-Browser benötigt hierfür eine kostenlose Erweiterung. Die Idee ist einfach: Nur Internetseiten, die auf der "White-List" stehen, können dann geöffnet werden.
Hier gilt es jedoch eine Auswahl zu treffen, denn ein einzelnes Angebot ist nicht in der Lage, das zu bewirken, was ein inhaltsreicher Verbund erreicht. Nur selten finden sich gesuchte Informationen auf nur einer Seite. Die Arbeitsgemeinschaft seitenstark.de bietet eine vernetzte Sammlung von 32 Kinderseiten. Nach ein wenig Tipp-Arbeit seitens der Eltern verfügen Kinder und Jugendliche über unterschiedlichste Ansätze und Möglichkeiten Informationen zu finden.
Die große Vielfalt stellt sicher, dass für jeden Geschmack und für jedes Bedürfnis etwas dabei ist. Von der Iniative klicksafe.de, einem von der Europäischen Union ins Leben gerufenem Netzwerk für Internetsicherheit, wurde die Arbeitsgemeinschaft seitenstark.de mit dem "klicksafe Preis für Sicherheit im Internet" ausgezeichnet.
Technische Filtersysteme mit präventiven Maßnahmen kombinieren
Klicksafe.de sieht sich als zentrale Anlaufstelle für Beschwerden und bietet reichhaltige Informationen zum Thema Kinder-und Jugendschutz im Internet. In Deutschland ist unter anderem das Konsortium der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz für die Betreuung dieser Initiative zuständig. Die Projektleiterin Birgit Gehrlein macht darauf aufmerksam, dass jegliche technische Mittel zum Schutz alleine nicht ausreichen: "Die beste Methode ist es, technische Filtersysteme mit präventiven Maßnahmen zu kombinieren".
Denn technische Maßnahmen, wie Filter oder White-Lists, greifen meistens nur bei jüngeren Internet-Nutzern. Wichtig ist es, von Beginn an Präventivmaßnahmen einzuleiten, um Jugendliche höheren Alters erst gar nicht dazu zu verleiten, technische Maßnahmen zu umgehen. Kinder treten neuer Technik sehr unbedarft gegenüber, während Eltern meistens Probleme haben, sich auf neue Techniken einzulassen.

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