Prinzipientreu und paranoid

Verkehrte Netzwelt: Der ängstliche Internet-Albtraum

Ohne Internet könnte mir so schrecklich viel passieren: Die Gilde würde den nächsten Raid ohne mich ausführen, feindliche Weltraummächte die planetare Verteidigung vernichten und mich sämtlicher Rohstoffe berauben. Ich könnte die große Flame-Attacke im MP3-Forum und wertvolle Warez-Hinweise im IRC verpassen. Deshalb habe ich vorgesorgt. Und damit prahle ich schon mal ein wenig.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Fort Knox privat
  2. 2Prinzipien über alles
  3. 3Das Ende

So könnte mich ein PC-Ausfall höchstens ein paar Minuten kosten. Im Schrank nebenan liegen genug Ersatz-Komponenten, ein kompletter 200-MHZ-PC aus grauer Vorzeit steht auch noch bereit, das Notebook sowieso. Auch meine Netzverbindung ist vierfach reduntant ausgelegt: Fällt die DSL-Leitung aus, steige ich auf das analoge Telefonmodem um. Mobiltelefon und -vertrag helfen bei defektem Kupferdraht weiter, zwei schnelle Füße bringen das Notebook in Reichweite des nächsten Hotspots, wenn es brennt.

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Fort Knox privat

Sollte es ganz dick kommen, wird die Zwei-Wege-Satantenne aus dem Yacht-Zubehör-Katalog aktiviert. Dass das nicht gerade günstig ist, brauchen Sie mir nicht zu erzählen. Der Preis ist berechtigt, denn die Satellitenverbindung nimmt mir die Angst vor landesweiten Internet-Ausfällen, wie 2006 in Spanien passiert. Netzausfälle seitens des Stromversorgers interessieren mich genau so wenig, denn bis sich der Batteriestrom aus der USV dem Ende zuneigt, habe ich zehnmal den Belüftungsschacht geöffnet und den Baumarkt-Generator angeworfen.

Apropos Belüftungsschacht: Meine persönliche Netzzentrale gleicht einer Festung. Der Luftschutzraum im Hauskeller stammt noch aus den 60ern und genügt als Standort gerade so meinen Anforderungen. Mindestens zehn Stunden wäre ich hier unten sicher, wenn oben die Apokalypse ausbricht. Nur ein kleiner Pluspunkt, weil das doch eher unwahrscheinlich ist. Wesentlich praktischer sind Abgeschiedenheit und Ruhe, die man hier unten genießt: Mitbewohner schauen selten bis gar nicht vorbei und lassen sich schon wegen der Luftqualität leicht abwimmeln. Dank stets verschlossener Stahltür bräuchte selbst die GSG9 mehr als 30 Sekunden, um meinen Schatz zu Gesicht zu bekommen.

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