Anonym.OS und Torpark: Unerkannt im Netz unterwegs

Anonym.OS, Polippix und TAILS: Alte Hasen und Junge Wilde

Anonym.OS und Polippix sind zwei etwas betagtere und daher bekanntere Projekte die auf Linux basieren und mit einer ganzen Reihe nützlicher Programme aufwarten. Polippix basiert auf der Linux-Distribution Kubuntu und greift wie Privatix beim Surfen unter Einsatz von XeroBank auf das TOR-Netzwerk zu. Auf dem System steht GnuPG als Verschlüsselung für den Mailclient Thunderbird und VLC als Standard-Mediaplayer bereit. Polippix geht als Besonderheit mit den Standardprogrammen Twinkle (Internettelefonie), der Brennsoftware k3b und k9copy und dem Datenschredder Eraser an den Start. Zusätzlich stellen die Autoren Nutzern umfangreiche Zusatzinformationen zum Thema Datenschutz und Anonymität bereit.

Das von kaos.theory begründete Projekt Anonym.OS kommt zwar seit geraumer Zeit nicht mehr in den Genuss von Updates, hat aber im Amnesic Incognito Live System (TAILS) einen würdigen Nachfolger gefunden. Das Live-System von TAILS basiert auf der Linux-Distribution Debian und wurde von Privatix inspiriert. Zwar fährt TAILS statt dem weitverbreiteten Thunderbird mit Claws Mail eine eher unbekannte Alternative auf, mit OpenOffice, Gimp, Inkscape und Scribus sind jedoch einige solide und weniger unbekannte Text- und Layout-Programme mit an Bord. Für Musikfreunde bieten Audacity und PiTIVi die Möglichkeit Sounds aufzunehmen und zu editieren. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Projekten hat sich TAILS auch der Keylogger-Problematik angenommen und stellt seinen Nutzern mit Florence ein virtuelles Keyboard als Gegenmaßnahme an die Seite. So kann Angriffen, die auf das Abhören der Kommunikation zwischen Tastatur und Rechner abzielen, erfolgreich entgegengewirkt werden.

Keine Angriffsfläche bieten mit dem Ubuntu Privacy Remix. (Bild: Screenshot)
Keine Angriffsfläche bieten mit dem Ubuntu Privacy Remix. (Bild: Screenshot)
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Für die nahezu absolute Sicherheit, welches selbst dem höchsten Paranoialevel genüge tut, wurde mit dem Ubuntu Privacy Remix (UPR) sogar ein Live-System entwickelt, das ganz ohne Proxys auskommt. Denn die Entwickler haben im Bestreben eine absolut sichere Insellösung zu entwickeln alle Voraussetzungen für eine Verbindung mit dem Netz vollständig aus dem Betriebssystem verbannt. Das heißt, dass im System alle netzwerkrelevanten Komponenten kurzerhand amputiert wurden. Das Prinzip, sich aus Sicherheitsgründen physisch vom Internet abzukoppeln wird in Bereichen mit hohen Sicherheitsanforderungen seit langem von Militär und Wirtschaft genutzt. Für den Alltag erscheint es trotzdem denkbar ungeeignet.

Eine Frage der Priorität: Anonymität vs. Geschwindigkeit

Die vorgestellten Programme bieten den Nutzern bei ordnungsgemäßem Gebrauch ein gutes Maß an Anonymität. Doch wie sieht es mit der Geschwindigkeit aus? Da die kostenlosen Proxy-Netzwerke sich allein durch engagierte Server-Betreiber und Spenden finanzieren, ist ihre Kapazität denkbar begrenzt. Das Downloaden von großen Datensätzen wie beispielsweise Videos oder Musik wird daher schnell zur Geduldsprobe und sollte daher am besten gar nicht erst versucht werden. Denn dafür sind TOR und Co. nicht geschaffen worden.

Die Betreiber machen immer wieder darauf aufmerksam, dass das Netz in erster Linie für den Austausch von Informationen und kleinerer Datenmengen gedacht ist. Projekte wie TOR sind insbesondere dort wichtig, wo Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt werden. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Protestbewegungen 2.0 auf ein freies, unzensiertes und überwachungsfreies Internet angewiesen sind. Wer versucht über TOR Filme oder Musik herunterzuladen, sollte dies im Hinterkopf behalten.

Denn wer das Proxy-Netz durch große Datenmengen belastet, tut dies aufgrund hoher Nutzerzahlen und begrenzter Hardware stets auf Kosten der Surfgeschwindigkeit anderer. Aber auch die Verschlüsselung wirkt sich negativ auf die Geschwindigkeit aus, da alle abgesicherten Datensätze stets ver- und entschlüsselt werden müssen, was je nach Rechenleistung und Algorithmus zu Verzögerungen führt. Live-Systeme die als Betriebssystem dienen können zudem aus Sicherheitsgründen nicht beschrieben werden und es muss daher auf weitere externe Datenspeicher zurückgegriffen werden, oder aber die erstellten Daten werden online abgespeichert.

Surfer die es eilig haben können zwar auf Bezahldienste zurückgreifen, aber auch diese haben durchaus ihren Preis. Es lohnt sich, vorab die Anbieter und deren Preisvorstellungen zu vergleichen, da in der großen Bandbreite der Anbieter auch der eine oder andere Abzocker lauert.

Wir haben die Tools: Wann und wo wir anonym sein möchten ist uns überlassen. (Bild: Screenshot)
Wir haben die Tools: Wann und wo wir anonym sein möchten ist uns überlassen. (Bild: Screenshot)

Nutzer von Proxy-Diensten sollten sich darüber bewusst sein, dass sie Geschwindigkeitseinbußen hinnehmen müssen wenn sie anonym surfen. Es ist auch wichtig, sich bei Nutzung von mobilen Browsern nicht der Illusion hinzugeben, das Netzwerk allein schaffe Anonymität. Der Proxy-Dienst ist stets nur Teil eines Gesamtpakets und ohne die restlichen Komponenten kann von Anonymität nicht die Rede sein. Für all jene, denen ein anonymisierter Browser allein nicht ausreicht stehen mit Anonym.OS, Polippix, Privatix, TAILS, JonDo und der Insellösung Ubuntu Privacy Remix das passende mobile Betriebssystem bereit.

Wie weit man dabei bei der Verschleierung der eigenen Identität gehen möchte, ist längst nicht mehr maßgeblich von den eigenen Computer-Fähigkeiten abhängig. Denn eine große Gemeinsamkeit verbindet die hier vorgestellten Programme: Sie alle sind darauf ausgelegt auch von Nicht-Nerds bedient und verstanden werden, damit Anonymität im Netz kein Luxus bleibt, in dessen Genuss nur Techies kommen. Die Option anonym zu surfen - ob nun von zu hause oder unterwegs - ist mit der passenden Software nun jedem Nutzer zugänglich. Und das ist gut so.

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Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Anonymisierung hier.

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