Windows Vista: Neue Grafikfähigkeiten durch WDDM
Die Idee ist nicht neu
So genial die Idee auch klingt: Neu ist das alles nicht. Apple hat eine vergleichbare Architektur bereits seit OS X 10.2 in sein Betriebssystem integriert. Und diese Version stammt aus dem Jahr 2002. Was bei Microsoft WDDM heißt, nennt die Konkurrenz "Quartz Extreme". Vergleicht man die Namen der Desktopfenster-Manager der beiden Betriebssysteme, lässt sich erahnen, wo die Windows-Produktmanager sich haben inspirieren lassen: Apples Gegenstück zu Aero heißt Aqua, und das schon seit sieben Jahren.
So vielversprechend die Fähigkeiten von WDDM auch klingen, ausgereift ist es noch nicht. So wurde die aktuelle Version 1.0 für bereits existierende Grafikkarten entwickelt. In Zukunft soll die Treiberarchitektur noch verbessert werden: Denn WDDM 1.0 beherrscht noch kein echtes, präemptives Multitasking. Bei diesem Verfahren bekommen die Anwendungungen automatisch per Zeitplan Rechenzeit des Prozessors zugeteilt. Beim veralteten, kooperativen Multitasking von WDDM 1.0 belegen die Programme den Prozessor solange, bis sie ihn selbst wieder freigeben. Der Haken: WDDM 2.0 mit modernerem Multitasking wird nicht mit aktuellen Grafikkarten kompatibel sein. Wer sich gerade eine teure Vista-taugliche Karte gekauft hat, steht bald vor der nächsten Anschaffung.

Vorteile, aber auch Haken
Mit WDDM bringt Microsoft die Nutzung der Grafikkarte auf eine zeitgemäße Ebene. Leider ist die jetzige Ausgabe der Architektur schon ein Auslaufmodell und damit nur eine Zwischenlösung. Multimedia-Fans können sich jedoch schon auf die neuen Möglichkeiten freuen. Mit der Power der GPU erhält der Hauptprozessor kräftige Unterstützung bei visuellen Medienanwendungen. Genutzt wird die Technik beispielsweise schon vom Windows Movie Maker und der Vista Photo Gallery.
Gamer werden die neue Entwicklung mit einer Träne im Auge betrachten: Denn dadurch, dass unter Vista permanent Direct3D-Anwendungen laufen, haben Spiele nicht mehr die Exklusivrechte für die Grafikkarte. Aero klaut durch den Desktop und geöffnete Explorerfenster stets ein wenig teuer erkauften Grafikspeicher und Rechenzeit der Grafikkarte, sodass Spiele ein bisschen darunter leiden könnten.
