Massenmedien im Wandel: Das Fernsehen
Die Zukunft des TVs?
Joost soll frei empfangbar sein und sich durch Werbung finanzieren. Das ehrgeizige Projekt ist zwar noch im Betatest-Stadium, soll aber schon bald allen Nutzern zur Verfügung stehen. Dabei gibt es sowohl On-Demand-Inhalte, die der Nutzer jederzeit abrufen kann, als auch regelmäßige Übertragungen. Dabei beschränkt Joost sich nicht auf bewegte Bilder am Bildschirm: Interaktive Elemente wie Bewertungsfunktion und Chats sollen zusammen mit einer Suchfunktion den Nutzwert des Angebots erhöhen.
Legal ist der Service obendrein auch noch. Die Macher verhandeln mit der Film- und Fernsehbranche, um legale und attraktive Inhalte für ihr Angebot zu akquirieren. Wenn die Testphase abgeschlossen ist, soll es auch Live-Inhalte geben. Fernsehen deluxe - aber aus dem Internet. Einen Makel wird das TV aus dem Web aber mit dem herkömmlichen Rundfunk gemein haben: "Auch bei Joost wird mit äußerst massiven Werbeeinblendungen zu rechnen sein", sagt Medienforscher Kaltenbaek.
Auch andere Anbieter nutzen das Internet als Infrastruktur für die TV-Übertragung. Neben Satellit, Kabel und terrestrischem Empfang bringt auch das Netz Fernsehen nicht nur auf den Rechner, sondern mit der richtigen Hardware in Form eines Receivers auch direkt auf den Fernseher. Beispielsweise nutzt die Telekom durchsatzstarke DSL-Anschlüsse, um die Kunden mit digitalem Fernsehen zu versorgen.
Die Übertragung von Video per Web wird allgemein unter IPTV zusammengefasst. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass das Angebot solcher Dienste rasant wächst. Allerdings ist eine flotte Anbindung an das WWW Pflicht, wenn man bewegte Bilder aus dem Netz empfangen will: Ohne DSL, das laut der AGOF-Studie "internet facts" nur rund ein Drittel der Deutschen nutzen, funktionieren selbst normale Streams nicht richtig.
Fernsehzuschauer sind bequem
Aktuell ist die traditionelle Form des Fernsehens auf dem Sofa aber noch unangefochten. TV-Konsum ist eine bequeme Angelegenheit. Statt sich bewusst und selektiv seine Inhalte zu suchen, wird im durchschnittlichen Haushalt der Fernseher angeschaltet und geschaut, was kommt. Das Internet wird diese Eigenschaft des TVs nicht grundlegend verändern. Vielmehr ergänzt das Web das Fernsehen. Die Studie "timebudget12" zeigt, dass Internet und Fernsehen oft parallel genutzt werden. 40 Prozent der Befragten schauen manchmal fern, während sie im Netz surfen.

TV-Inhalte im Netz werden ebenfalls nur ergänzend genutzt. Um den Fernseher zu ersetzen, sind Streams und Video-on-Demand nicht komfortabel genug. Das Internet dient jedoch zunehmend als wichtigste Informationsquelle. Wer gezielt Informationen sucht, nutzt immer öfter auch das Web. Obwohl der Fernseher insgesamt immer noch die Informationsquelle Nummer eins bleibt, ist das Netz bei gezielten Informationen über Produkte und Reisen der Spitzenreiter.
Werbung in der Zukunft
Noch ist die Flimmerkiste im Wohnzimmer längst kein Auslaufmodell und auch moderne Techniken wie digitale Aufnahmegeräte ändern das Nutzungsverhalten nicht nennenswert. Doch die junge, medienkompetente Generation ist weit anspruchsvoller, was ihnen medial serviert wird. Sie hat weit weniger Berührungsängste mit digitalem TV und Begriffen wie "Timeshift" oder "DVR". Die für die Sender wirtschaftlich unverzichtbare Werbung könnte so mittelfristig an Reichweite verlieren, weil immer mehr Nutzer die Werbeblöcke schlicht überspringen oder herausschneiden.
In Zukunft werden deshalb Product Placement und Werbung innerhalb der Sendung an Bedeutung gewinnen. Medienforscher Kaltenbaek: "Auch heute schon gibt es keine klare Trennung mehr zwischen Werbung und anderen Programmsparten. Eine Werbeeinblendung zum Beispiel direkt in einen Film hinein wird auch in Deutschland kommen, so wie das in anderen Ländern schon verstärkt der Fall ist".
Fernsehen ist die Nummer eins
Sich auf der Couch zu räkeln und auf den Fernseher zu starren, ist und bleibt die Freizeitbeschäftigung Nummer eins. Doch die Inhalte aus dem Web, sowohl bewegte als auch geschriebene Informationen, ergänzen das Fernsehangebot zunehmend. Die Jugend, die mit dem Internet aufwächst, nutzt das Netz wie selbstverständlich, ohne dabei auf den Fernseher zu verzichten. Die Glotze muss sich die Freizeit allerdings zunehmend mit den anderen Medien teilen.
