Massenmedien im Wandel: Das Fernsehen
Mehr Medien - weniger Zeit fürs TV
Die heranwachsende Generation wird sich jedoch nicht so leicht wie ihre Eltern damit zufrieden geben, dass gesehen wird, was kommt. So sicher wie sich die Jugend im Web bewegt, so wählerisch könnte die junge Generation auch bei der Wahl des TV-Programmes sein. Doch ein wesentliches Merkmal des Fernsehens ist und bleibt die Passivität: "Dies wird sich zwar etwas durch die so genannte Mediengeneration verändern, aber auch diese Veränderung hat seine natürlichen psychologischen Grenzen. So wird auch das aktuelle DVR kaum von der breiten Masse genutzt", erklärt Medienpsychologe Kaltenbaek.
Der herkömmliche TV-Konsum verliert in den Zeiten des immer breiteren Medienangebots zunehmend an Bedeutung. Zwar hat sich in den letzten Jahren der durchschnittlichen Medienkonsum laut der Studie "timebudget12" von 6,5 Stunden im Jahr 1999 auf mittlerweile acht Stunden erhöht, doch dieser wird auch auf ein breiteres Angebot verteilt. Kaltenbaek: "Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zu beobachten, für Alternativen zum klassischen Fernsehen offen zu sein. Und da jeder Mensch beschränkte zeitliche Ressourcen zur Verfügung hat, wird die investierte Zeit vom klassischen Fernsehkonsum abgezogen."
Das Fernsehen sieht sich einer immer stärkeren Konkurrenz ausgesetzt. Zwar dominiert es immer noch die Abendgestaltung, doch immer mehr Menschen nutzen die Zeit auch, um beispielsweise im Web zu surfen. Das Internet knabbert ebenso am Zeitbudget des TVs wie das erneute Aufblühen des gesprochenen Wortes. Sogar bedrucktes Papier in gebundener Form ist wieder in: Bücher erleben eine Rückkehr und werden heute im Schnitt täglich vier Minuten länger gelesen als noch 1999. Auch durch die Segmentierung der TV-Landschaft in immer feinere Spartenkanäle müssen sich die Platzhirsche ihren Marktanteil mit immer mehr Spartensendern teilen. Statt weniger Vollprogramme teilt sich das Angebot immer mehr in feinere, spezialisierte Sender.
Fernsehen aus dem Web
Weitere Konkurrenz bekommt die altgediente Glotze aus dem Internet. Streams bringen TV-Inhalte auf den PC-Monitor. Zahlreiche Sender bieten mittlerweile Sendungen oder zumindest Teile davon als Videostream auf ihrer Homepage an. "Download- und Streamcontent spielt eine immer stärkere Rolle", sagt Medienforscher Jesko Kaltenbaek. Vorreiter bilden hier die öffentlich-rechtlichen Sender. Besonders das ZDF ist bemüht, mit ihrem Mediathek genannten Service die Nutzer auch über das Web mit Sendungen zu versorgen.
Die privaten Sender können auf diesem Sektor noch nicht mithalten. Kein Wunder: Viele Sendungen sind aufgekauft und nicht selbst produziert. So liegen die erforderlichen Rechte für die Übertragung im Netz nicht vor. "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen verfolgt eine starke Service-Orientierung und ist nicht auf Werbeeinnahmen angewiesen. Dies vereinfacht die Bereitstellung von Download- und Streamcontent", ergänzt Kaltenbaek.
Doch aus dem Netz kommen nicht nur von deutschen Sendern angebotene Streams. Es ist längst kein Geheimtipp mehr, dass sich beispielsweise auf chinesischen Streams die deutsche Bundesliga kostenlos und live verfolgen lässt. Nicht ganz legal: CCTV, das chinesische Staatsfernsehen, hat nur eine Lizenz für den chinesischen Markt. Um ächzenden Servern und verstopften Datenleitungen vorzubeugen, präsentiert sich momentan eine altbekannte Technik in neuer Anwendungsumgebung: P2P.
Geteilte Bandbreite - mehr für alle
Denn mit dem vom Filesharing bekannten Übertragungsweg können die Zuschauer selbst mithelfen, Bandbreite für einen Fernsehstream zur Verfügung zu stellen. Je mehr Menschen zuschauen, desto mehr Bandbreite steht insgesamt zur Verfügung. Kaltenbaek betrachtet das ausländische Internetfernsehen kritisch: "Das Angebot von klassischen Fernseh-Sendern ist vielgestaltiger und vor allem 'legaler'. Viele Inhalte von P2P-TV sind am Rande beziehungsweise außerhalb der Legalität. Wird hier verstärkt mit der Technologie Missbrauch betrieben, so werden die zuständigen Verbände und Rechtsorgane dem auch verstärkt nachgehen." Neben den nicht ganz legalen Angeboten aus Fernost erscheint ein neues Konzept, das der tradtionellen Distribution von audiovisuellen Medien Beine machen will: Joost.
Dieses P2P-Streamingangebot stammt von den Machern von Kazaa und Skype. Das dänisch-schwedische Duo hat mit ihren ersten beiden Projekten bereits das Filesharing und die Internettelefonie revolutioniert und mit dem Verkauf von Skype an eBay 2,6 Milliarden Dollar verdient. Mit dieser komfortablen Finanzspritze im Rücken schicken sich die Entwickler nun an, auch das Fernsehen neu zu definieren.

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