Warum Apples DRM-Kritik nur ein Lippenbekenntnis ist

Kommentar: Steve Jobs, Kopierschutz-Opportunist

Anfang Februar überraschte Apple-Chef Steve Jobs die Welt mit einem überraschenden Bekenntnis: Digital Rights Management funktioniere nicht, so Jobs. Die großen Plattenfirmen sollten Apple deshalb erlauben, ihre Werke als ungeschützte MP3s zu verkaufen.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1In Europa in Bedrängnis
  2. 2Druck auf Plattenfirmen ausüben?
  3. 3Jobs macht mit Kopierschutz Geld

Jobs nutzte Apples Webseite, um sich mit einer Art offenem Brief in die aktuelle Kopierschutz-Debatte einzuschalten. Darin erklärte er, Schuld an DRM seien allein die vier großen Plattenfirmen. "Als wir diesen Firmen den legalen Verkauf ihrer Musik über das Netz vorschlugen, waren sie extrem vorsichtig", so Jobs.

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Apple habe deshalb seinen Fairplay-Kopierschutz entwickelt, der Konsumenten weit gehende Nutzungsrechte einräume. Im Gegenzug habe sich die Firma verpflichtet, Fairplay umgehend zu aktualisieren, wenn Hacker den Kopierschutz brechen sollten. Dies sei in der Vergangenheit ein paar Mal geschehen, Apple habe das Problem jedoch stets umgehend gelöst.

In Europa in Bedrängnis

Warum spricht sich Jobs also jetzt plötzlich gegen Fairplay und für MP3s aus? Ganz einfach: Apples iTunes-Plattform droht eine neue Gefahr, die sich nicht so einfach mit einem Quicktime-Update aus der Welt schaffen lässt. Norwegens Verbraucherschutzbehörde hat das lokale iTunes-Download-Angebot für illegal erklärt, weil sich Fairplay-geschützte Songs nicht auf Geräten anderer Hersteller abspielen lassen.

Ähnliche Verbote drohen Apple auch in anderen europäischen Ländern. Apple bliebe damit nichts anderes übrig, als sich aus diesen Märkten zurückzuziehen. Denn eins macht Jobs in seinem Text klar: Fairplay soll Apple-exklusiv bleiben. "Wenn wir anderen Zugriff auf Fairplay geben würden, dann könnten wir nicht mehr für die Sicherheit der an uns lizenzierten Musik garantieren", so seine Begründung.

Druck auf Plattenfirmen ausüben?

Jobs weiß jedoch, wie sich dieses Dilemma lösen lässt: Mit einem kompletten Verzicht auf Kopierschutz. "Wenn die vier großen Plattenfirmen Apple ihre Musik ohne DRM verkaufen ließen, würden wir nur DRM-freie Musik in unserem iTunes Store verkaufen." Verbraucher sollten deshalb lieber Druck auf die Labels ausüben, anstatt seiner Firma das Leben schwer zu machen.

Jobs hat für diese Forderung in den letzten Tagen viel Lob von Kopierschutz-Gegnern bekommen. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser vermeintliche Anti-DRM-Text lediglich als zeitlich gut platziertes Ablenkungsmanöver. Es ist kein Geheimnis, dass die gesamte Online-Musikbranche derzeit erste Schritte in eine Zukunft ohne DRM wagt.

Doch während sich Konzerne wie Yahoo gezielt um die Integration von MP3s in ihr Angebot bemühen, übt sich Jobs im Schwarzweiß-Malen. Natürlich könnte iTunes schon heute MP3s anbieten. 30 Prozent des Musikmarkts wird von unabhängigen Plattenfirmen dominiert, und die meisten dieser Firmen haben kein Problem mit MP3s. Apple hat sich jedoch in der Vergangenheit stets geweigert, einzelne Titel ohne Kopierschutz anzubieten. Der Grund dafür: Fairplay bindet iTunes-Kunden an Apples Soft- und Hardware.

Jobs macht mit Kopierschutz Geld

Der Verweis auf die bösen Plattenbosse, die Apple den Verkauf von MP3s verweigern, ist auch aus einem anderen Grund mehr als scheinheilig: Jobs ist seit rund einem Jahr der größte Anteilseigner an Disney. Seit dem Verkauf von Pixar sitzt der Apple-Gründer auch im Vorstand des Mickey Mouse-Konzerns.

Teil der Disney-Vermarktungskette ist Walt Disney Records - eine Plattenfirma, die Soundtracks der Disney-Filme verkauft. Für Jobs und seine Mit-Aktionäre ist dies ein gutes Geschäft: Im letzten Jahr mauserte sich der Disney-Soundtrack "High School Musical" in den USA zur meistverkauften Platte des Jahres.

Bei iTunes und anderen Online-Anbietern gibt es das Teenie-Album jedoch nach wie vor nur mit Kopierschutz zu kaufen. Vielleicht sollten Verbraucher Steve Jobs Vorschlag folgen - und Druck auf Disney und seine Vorstandmitglieder ausüben.

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