Spieletest: Tortuga - Two Treasures
Schiff-Sneaking
Im Rhythmus der Gezeiten wechseln sich kampflastige Landgänge und fleißiges Schifferversenken ab. Obwohl das Säbelschwingen an Land durch neu zu erlernende Kampfmanöver an Tiefe gewinnt, steht und fällt das Spiel mit den taktisch eingefärbten Seegefechten. Unterschiedliche Munitionsarten werden dabei ebenso angewandt wie Köder für Riesenkraken, die feindliche Schiffe mit monströsen Tentakeln sekundenlang durchschütteln.
Mit eingeholten Segeln können Kapitäne auf engstem Raum manövrieren, um sich Feinden gegenüber optimal zu positionieren. Geglückte Breitseiten schicken gegnerische Crewmitglieder über Bord, die, schutzlos im Wasser treibend, hungrige Haie anlocken. Je sträker eine Besatzung dezimiert ist, desto größer wird der Abstand zwischen den Salven. Meist folgt der erfolgreichen Kanonade das Entern, hochrangige Offiziere oder Kapitäne geben dann kämpferische Endgegner ab.

Im Vorfeld einer Mission erworbene Reparaturkits helfen, beschädigte Takelagen oder Rümpfe noch während des Kampfes zu flicken. Wesentlich begrenzter ist der Handlungsradius an Bord von Beibooten, die vornehmlich Flucht- und Aufklärungszwecken dienen.
Ins Wasser bugsierte Sprengfässer halten aber auch vielfach größere Verfolger in Schach. Ganz ohne Pulverdampf verlaufen dagegen meist nächtliche Szenarien, die das Infiltrieren feindlicher Gewässer vorsehen. Fliegt man dabei auf, endet das Spiel. Die mit solchen Neustarts verbundenen Ladezeiten lassen vermuten, wie lange Blackbeard für seine imposante Gesichtsbehaarung gebraucht haben muss. Ohnehin machen die Ladevorgänge beim steten Wechsel zwischen See und Land einen nicht geringen Teil der Spielzeit aus.
Vor allem auf dem Wasser im richtigen Element
Der Spieleschmiede Ascaron schmeckt die raue Seeluft. Mit "Tortuga: Two Treasures" stellen die Gütersloher ihre Erfahrung mit seegestützen Spielen erneut unter Beweis. Ihre Schiffskämpfe sind spaßige Unterhaltung und Augenfutter zugleich - dem konsequenten Schadensmodell und gekräuselten Shader-Wasser sei Dank. Von einer High-End-Grafik trennt die 3D-Engine allerdings die Verwendung auch altmodischer Techniken. So richtet sich die aus 2D-Grafiken bestehende Tropenvegetaion immer zu der gewählten Kameraperspektive aus. Das schont die Hardware, sieht aber aus der Vogelperspektive befremdlich aus. An Land wird typische Third-Person-Action mit relativ hohem Blutzoll geboten. Mehr Abwechslung, etwa durch Schleicheinlagen, hätte dem etwas hektischen Landmodus gut getan. Immerhin kaschiert die gekonnt inszenierte Rahmenhandlung das eintönige Missionsdesign.
Als Ausgleich für den fehlenden Mehrspielermodus liegen der Jubiläumsedition zum 15-jährigen Firmenbestehen die Ascaron-Titel "Port Royale", "Patrizier 2 Gold" und "Piraten: Herrscher Karibik" bei - da lacht das Seefahrerherz.

| Steckbrief | ||
|---|---|---|
| Sound | 14 von 15% | 79% |
| Grafik | 13 von 15% | |
| Spielspaß | 13 von 15% | |
| Multiplayer | entfällt | |
| Bedienung | 7 von 10% | |
| Preis/Leistung | 11 von 15% | |
| Hardwareanforderung | 12 von 15% | |
| Langzeitspielspaß | 9 von 15% | |
