Wie das Internet die Medien beeinflusst
Massenmedien im Wandel: Das Radio
Internet & Netzwelt
Noch konkurrenzfähiger sind Dienste wie Pandora oder last.fm, die den Musikgeschmack des Users analysieren und ihm mittelfristig ausschließlich Musik abspielen, die ihm gefällt. Denn diese "suggerieren Musikkompetenz - eigentlich die klassische Kompetenz des Radios", wie Rüdiger Malfeld vom WDR sagt. Die Redaktion und der Moderator suchte die Musik aus, die den Hörern gefällt.
Noch ist der herkömmliche Funkempfänger nicht dem Untergang geweiht. Die aktuelle Technik eignet sich noch kaum dazu, das Radio zu verdrängen. Es gibt noch zu wenige Geräte, die ohne Computer selbstständig auf Webradios und Podcasts zugreifen können. "Auf kurze Sicht werden Podcast und Livestreams die Radiolandschaft kaum tiefgreifend verändern. Jedes Medium hat seine ganz eigene Nutzungsweise", sagt Jesko Kaltenbaek von der FU Berlin.
Das Web demokratisiert den Hörfunk. Aus Konsumenten werden Produzenten und die Konsumenten selbst werden mündiger. Die Radiolandschaft wird sich darauf einstellen müssen, dass zunehmend die jungen Hörer wegbleiben. Ein Beispiel, wie die Zukunft aussehen könnte, zeigt das Format Jack FM aus Kanada und den USA. Dieses Konzept verzichtet aus Kostengründen auf Livemoderation und sämtliche aktuellen Beiträge wie Nachrichten, Wetter oder Lokalberichte. Alles wird vorproduziert. Radio aus der Konserve.
In Berlin existiert bereits ein deutscher Ableger von Jack FM. Die erklärte Zielgruppe sind Erwachsene. Das Konzept sieht eine abwechslungsreiche Playliste von Hits der 70er bis heute vor. Jugendliche bleiben bei diesem Prinzip also außen vor und wenden sich ab. Das Konzept wurde aus der Not heraus geschaffen, weil die bisherigen Radiokonzepte an Akzeptanz verloren. Doch die Ausrichtung auf Erwachsene wird das Nachwuchsproblem des Hörfunks nicht lösen. Im Gegenteil.
Malfeld vom WDR sieht das ähnlich. Der Markt und die Geschmäcker teile sich in immer feinere Segmente, die ein Sender mit breiter Zielgruppe nicht mehr zufrieden stellen könne. Der Musikgeschmack kann nicht mehr stur nach Altersgruppen festgelegt werden. Durch das Internet kommen junge Menschen ganz anders mit Musik in Berührung. Sie bilden ihren Musikgeschmack nicht mehr durch Radio und TV aus, sondern durch das Web.
Da jeder MP3-Player mit Festplatte mehr Songs aufnehmen kann, als ein durchschnittliches Hitradio in seiner Musikrotation führt, fällt somit zunehmend die Existenzberechtigung der Top40-Stationen weg. Die Nutzer wollen "zeit- und ortsouverän hören" erklärt Radioverantwortlicher Rüdiger Malfeld.
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Links zum Artikel
- ARD: Der Hörfunk auf dem Weg ins digitale Zeitalter (PDF - 800 kb)
- Netzwelt.de Podcast
- Podcastumfrage
- Radiostream "1Live Kunst"
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