Zwischen Spaßinstrument und Hardware-Trojaner
Betty TV: Sofameilen für gläserne Zuschauer
Home Entertainment
Fernsehen zum Mitmachen - so lautet der Slogan von Betty TV. Per Fernbedienung soll der Zuschauer Informationen erhalten, Gewinnspiele lösen, an Meinungsumfragen und Votings teilnehmen können, ohne im Videotext nachschlagen oder das Telefon in die Hand nehmen zu müssen. Schöne neue Fernsehwelt? Netzwelt hat das Konzept unter die Lupe genommen und Betty ein wenig unter den Rock geschaut.
Montag, 20.30 Uhr. Während der Spielfilm-Held auf dem Bildschirm in seinen brandneuen Sportwagen klettert, klingelt die Fernbedienung. Betty fordert mich zu einem Quiz auf und fragt, welches Modell der Protagonist im letzten Film gefahren hat. Anschließend habe ich die Möglichkeit, per E-Mail weiteres Informationsmaterial über a) das gezeigte Cabrio, b) den neuen Sportkombi, oder doch lieber c) den sparsamen Kleinwagen selbigen Fabrikats zu erhalten. Angesichts der schönen Fahrszene und genereller automobiler Faszination fällt es mir beinahe schwer, die Taste d) Nein, Danke! zu drücken, zumal das laufende Programm von der Interessensbekundung nicht weiter beeinträchtigt wird.
Inhalt
- Konzept: Die Spaß-Fernbedienung
- Technik: Nur mit Analog-Anschluss
- Wer zahlt? Wer profitiert?
- Gezielte Werbung: Trojaner auf dem Sofa?
- Daten- und Verbraucherschutz
- Fazit: Muss nicht sein
Konzept: Die Spaß-Fernbedienung
So oder ähnlich stellt sich die Firma Betty TV (Deutschland) AG interaktives Fernsehen vor. Betty, wie das System in Kurzfassung heißt, wird seit Anfang Januar 2007 in Deutschland kräftig beworben und wurde am 1. Februar offiziell gestartet. Wer dem Aufruf der Werbung gefolgt ist und sich im Internet schlau gemacht hat, konnte für knapp 40 Euro zuzüglich Versandkosten bereits vorab ein Betty-Set bestellen. Kern von Betty ist eine gleichnamige, schlanke Fernbedienung mit Display und programmierbaren Zusatztasten, die als Ersatz für vorhandene TV-Fernbedienungen konzipiert ist.
Als vollwertige Universalfernbedienung im Sinne einer Logitech Harmony taugt Betty allerdings nicht. "Neben dem Fernsehgerät kann Betty weitere DVD-, Video- oder Hifi-Komponenten nur ansteuen, wenn nach der Einspeisung der TV-Kommandos noch programmierbare Tasten übrig bleiben", hat Martin Weber herausgefunden. Weber ist einer von 2500 Beta-Testern, der Betty schon im Dezember 2006 kennengelernt und seine Erfahrungen in seinem Weblog niedergeschrieben hat.
Das Betty-Set ist für 39,90 Euro zu haben.
Bettys Aufgabe besteht offiziell erst einmal darin, dem Zuschauer in Deutschland ein ganz neues TV-Gefühl zu vermitteln. Fernsehen soll nach Meinungen fragen, zusätzliche Informationen liefern, zum Wettgegner werden, Gewinne, Produktproben und Prämien verteilen. Kurz: mehr Spaß durch Interaktion. Einige Beispiele liefert die Schweiz, wo Betty bereits Anfang 2006 das Zeitalter des einseitigen Konsumierens von Programm- und Werbeinhalten auf derzeit sieben Fernsehsendern beendet hat.
So können die mehreren tausend schweizer Betty-Nutzer etwa bei der Casting-Show "MusicStar" über den Erfolg von Kandidaten entscheiden, das Moderatorenduo bewerten oder bissige Kommentare über schlechte Auftritte loswerden. In Deutschland ist ähnliches seit Dezember 2006 auf den Sendern Kabel eins, ProSieben und SAT 1 möglich. Bis zu einer Million Geräte will man bis Jahresende verkauft haben.
Technik: Nur mit Analog-Anschluss
Ähnlich dem Videotext sind Betty-Inhalte im nicht sichtbaren Signalbereich eines Fernsehsenders eingebettet. Ein mitgelieferter Scart-Adapter liest diese aus und sendet sie per Funk an die Fernbedienung. Mit einem Signalton, mindestens aber mit dem Aufleuchten des monochromen Displays weist Betty den Fernsehzuschauer auf den eingegangenen Datensatz, ein so genanntes Betty-Event, hin. Aktuell soll in der Hauptsendezeit etwa alle 15 Minuten ein solches Event verfügbar sein.
Nimmt der Zuschauer per Tastendruck teil, sendet Betty die Informationen erneut per Funk an das ebenfalls beiliegende Analog-Modem. Je nach Anzahl der Anschlüsse wird das Modem entweder als separates Endgerät oder als Adapter vor das Telefon geschaltet. Entsprechend der Dringlichkeit nimmt das Modem dann sofort oder in der folgenden Nacht Kontakt mit der Zentrale auf und telefoniert buchstäblich nach Hause.
Links zum Artikel
Diskutieren Sie zu diesen Artikel im Forum!
Neues Thema eröffnen
Sehr interessant ist auch, wie die Mitarbeiter der Herstellerfirma undercover die Vorzüge des Produktes im Netz anpreisen / angepriesen haben.
Insofern bin ich bei sehr positiven Kommentaren gegenüber Betty mittlerweile etwas vorsichtig geworden, denn ich habe "am eigenen Blog" gespürt, wie da verfahren wird.
Zu meinem relativ kritischer Blog-Eintrag wurden von zwei Personen überaus positive "Testberichte" und Nachrichten abgegeben; dabei stellte sich heraus [2], das Mitarbeiter von Betty diese scheinbaren Testberichte verfasst hatten.
[1] [url=http://es-de-we.net/betty-fernbedienung-20]es-de-WE.BLOG » Betty — Fernbedienung 2.0
[url=http://es-de-we.net/der-betty-tv-skandal-wes-brot-ich-ess-des-lied-ich-sing/]es-de-WE.BLOG » Der Betty-TV-Skandal — Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing?
Sorry wenn ich dieses alte Thema wieder aufwärme, habe heute eine Betty geschickt bekommen die ich im Preisausschreiben gewonnen habe.
Wenn ich die blocs lese habe ich irgendwie gemischte Gefühle von "scheint witzig zu sein" bis hin wie Angst vor "telefonischen Verkaufsgespräche", unnötige Werbung, versteckten Kosten usw etc pp
Was die mit meinen Benutzerdaten machen ist mir beinahe Schnuppe, da ich durch Gewinnspiele in Rätselzeitschriften schon jetzt die komischsten Gewinnversprechen usw erhalte, wird durch die Betty doch hoffentlich nicht schlimmer? Wer hat den jetzt gute oder schlechte Erfahrungen die man ernst nehmen kann?
nach oben






