Party-Spaß und Milliardengeschäft
Internet & Netzwelt: Das Phänomen Online-Poker
Eine verrauchte, schmuddelige Bar irgendwo im mittleren Westen: Ein halbes Dutzend Männer sitzt sich mit versteinerter Mimik gegenüber. Niemand lässt sich etwas anmerken, die Blicke sind starr und konzentriert: Pokerface. So oder so ähnlich war das Image des Kartenspiels bis vor wenigen Jahren. Das hat sich grundlegend geändert. Pokern ist ein Massenphänomen geworden.

Inhaltsverzeichnis
- 1Pokern als Trend
- 2Achtung, Suchtgefahr
- 3Reich werden mit Poker?
- 4Im Fadenkreuz der Justiz
Einst ein verruchtes Zockerspiel, mittlerweile ein Fungame für alle Altersgruppen. Die Renaissance der 52 Karten ist vor allem einem zu verdanken: dem Internet. Denn um im Netz ein paar "Hands" - das sind die Spielrunden - zu spielen, müssen keine Regeln gelernt werden. Der virtuelle Dealer verhindert Anfängerfehler, sodass jeder sofort losspielen kann.
Pokern als Trend
Durch den Boom der letzten Jahre hat Poker sich zu einem Milliardengeschäft gemausert. Geschätzte 3,7 Milliarden Dollar Bruttogewinn hatten die Spielbetreiber 2006. 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Alleine im Internet, wohlgemerkt. Denn online sind die Spieltische besonders lukrativ. In Casinos hatten Pokertische stets einen schweren Stand. Durch den Aufwand des Mischens und Austeilens der Karten und die Personalkosten lohnten sich die Tische nicht für die Casinos und so gab es lediglich Pokerautomaten. Die Internettische funktionieren aber automatisiert. So bleiben die Kosten niedrig.
Doch das Pokern boomt nicht nur im Internet. Durch den Hype im Netz angestoßen, bekommt das klassische Kartenspiel auch als echtes Spiel am echten Pokertisch wieder enormen Zulauf. Pokerturniere werden mit sechsstelligen Summen dotiert und sogar Sportsender übertragen die Wettkämpfe im Fernsehen. Hier sieht der Zuschauer die zwei Karten der Spieler und eine Grafik veranschaulicht die Gewinnchancen. Mehr wissen als die Profis, das macht den Reiz der Sendung.
Tobias Hayer, Psychologe an der Universität Bremen, sieht dies mit als Grund für den Boom: "Pokern im Fernsehen ist für den Zuschauer vollkommen transparent". Zudem kurbele die offensive Vermarktung via Internet und Fernsehen die Popularität an. Der leichte Einstieg lockt Tausende in die virtuellen Spielhallen. Denn Poker unterscheidet sich in einem Punkt von anderen Arten des Glücksspiels:
"Es suggeriert einen hohen Geschicklichkeitsanteil" sagt Hayer. Denn beim Poker kommt es auch auf Schauspielerei und Menschenkenntnis an. Erkennen, welcher der Mitspieler tatsächlich ein hohes Blatt auf der Hand hat und wer nur blufft. Früh merken, dass sich weiterspielen nicht lohnt und zeitig aussteigen. Mitgehen, wenn die eigenen Karten Erfolg versprechen. Oder dreist bluffen und die Mitspieler mit hohen Einsätzen unter Zugzwang setzen, auch wenn man eigentlich mit leeren Händen dasteht.
