Verkehrte Netzwelt: Zu viel Geld im Spiel

Der Rubel rollt

Meine glänzende Ritterrüstung durch einen riesigen H&M-Schriftzug verunstaltet, die Wildlederstiefel aus dem Hause Deichmann, das Langschwert von ThyssenKrupp. Die früher vereinzelt auftauchenden Straßenräuber weichen einem Heer anzugtragender Vertreter, die mir bei jeder Gelegenheit ein aktuelles Versicherungspaket der Allianz andrehen möchten. Wer die moderne Variante der Wegelagerer aus durchaus nachvollziehbaren Motiven erschlägt, verliert wertvolle Erfahrungspunkte.

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Ich erinnere mich noch lebhaft an Need for Speed Carbon, den zwölften Teil der erfolgreichen Rennspielserie. Einschlägigen Medienberichten zufolge tauchten einige Sportwagen wegen eines Programmierfehlers nicht im Fuhrpark auf, die eigentlich von Anfang an dabei sein sollten. Statt wie normalerweise üblich ein kostenloses Patch anzubieten, nutzte Publisher Electronic Arts die Gelegenheit, um die fehlenden Fahrzeuge in Addon-Pakete zu je fünf Dollar zu stecken. Doch heute dürften die Kritiker von damals wahrscheinlich gleich einen mittelschweren Herzinfarkt bekommen.

In meiner noch jungfräulichen Karriere muss ich mit einem einzigen Wagen Vorlieb nehmen, doch mit so etwas wie Rennsport hat dieser herzlich wenig an der Haube. Ein kleiner Ford Fiesta mit 50 Diesel-PS und Sitzen in gefleckter Kuhfell-Optik. Die Farbe? Rosa. Für mehr Auswahl bei Lackierung und Interieur gibt es schließlich das aufpreispflichte "Echte-Männer-Addon" für schlappe zehn Euro. Mit dem hemmungslos untermotorisierten Gefährt habe ich nicht den Hauch einer Chance, selbst die einfachsten Gegner zu bezwingen. Kein Wunder, denn die fahren Porsche, Lamborghini und Ferrari.

Um selbst in den Genuss einer Gewinnchance zu kommen, führt der Weg schnurstracks zum Online-Shop für "Need for Speed". Frustriert stelle ich fest, dass im geringen Kaufpreis lediglich der eben genannte Kleinwagen, die Strecken und eine belanglose Hintergrund-Story enthalten sind. Jeder zusätzliche Bolide kostet mich weitere fünf Euro. Ganz zu schweigen von den unzähligen Tuning-Teilen, ohne die ein erfolgreiches Durchspielen absolut unmöglich ist.

Weiter nach der Werbepause

Als Alternative zum teuren Spaß Computerspiel haben sich inzwischen die werbefinanzierten Games etabliert. Das geht zwar nicht auf Kosten des eigenen Budgets, wohl aber auf Kosten der mentalen Gesundheit. In der ersten Zwischensequenz des subventionierten Adventure-Titels "Monkey Island 5" werde ich mit einer unheilvoll-fröhlichen Meldung konfrontiert: "Wie es weitergeht, erfahren Sie nach einer kurzen Pause." Tatsächlich dauert es schlappe fünf Minuten, bis die alle Intelligenz verachtende Tortur schlechter Werbespots endlich überstanden ist.

Entlassen werde ich mit einem gefühlten IQ von 45, der so gerade ausreicht, um meinen grundlegenden Bedarf an lebenswichtigen Körperfunktionen zu decken. Das Verfolgen der Handlung gelingt mir nur noch unter größter geistiger Anstrengung, mein Gehirn droht an der Übermacht multimedialer Sinneseindrücke förmlich zu zerbersten. Totale Verzweiflung, vergeblich suche ich mit zitterndem Mauszeiger nach dem "Beenden"-Button....

....und erwache schweißgebadet unter einer gemütlichen Bettdecke. Zum Glück war alles nur ein böser Albtraum. Hoffentlich bleibt es auch einer.

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als excessiver QOG Spieler kann ich den Artikel bestens nachvollziehen und warte auf den Tag, an dem unsere Flotten mit Adidas-Streifen und Nike Häkchen verziert sind. Das Feld der Werbung und...

Sehr gut geschrieben^^ Der Autor spricht uns Gamern aus der Seele xD Hoffentlich gibt es irgendwann mal ein ZipArchiv (oder vll. ein Heft/Buch), indem alle Verkehrte Netzwelt Artikel drin sind, gratis und mit Werbung...

Zitat: Werbung im Spiel macht Sinn, schade, dass dies sich nicht im Preis bemerkbar macht... Jaja, das ist allgemein so. Mein mir sehr verbundener Stromlieferant...

Zu diesem Thema empfehle ich doch gleich mal diesen Artikel: http://www.netzwelt.de/news/75082-ingamewerbung-markenvielfalt-in-computerspielen.html Werbung im Spiel macht Sinn, schade,...

Ganz großes Kino. Hatte meinen Spass beim Lesen. Es gibt aber Situation, wo Werbung in Spielen Sinn macht. "Trackmania Nations" zum Bleistift. Da heizt man eh durch ein Stadium. Das die dynamische Werbung dröger...

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