Wie düster die Zukunft von PC-Spielen aussehen könnte
Verkehrte Netzwelt: Zu viel Geld im Spiel
Internet & Netzwelt
"Mit dem neuen Siemens-Raketenwerfer wäre Ihnen das nicht passiert", flackert es über den Bildschirm. Verdammt, hätte ich doch lieber gleich den teuren gekauft! Ich sitze vor meinem PC, spiele die neueste Ausgabe des Gangster-Epos "Grand Theft Auto", kurz GTA. Das Spielprinzip ist denkbar simpel: Als entbehrlicher Handlanger anfangen und sich allmählich in der Verbrecher-Hierarchie hocharbeiten. Gerade verliere ich eine wichtige Mission, weil meine virtuelle Waffe - ein japanisches Konkurrenzprodukt - eine Ladehemmung hat.
Bald wird Markenware und Werbung in Computerspielen eine immer größere Rolle spielen. Gleichzeitig ziehen immer mehr Anbieter den Zockern das Geld mit kostenpflichtigen Addons aus der Tasche. Das lässt viel Raum für die wildesten Zukunftsvisionen, denen sich die heutige Ausgabe der Verkehrten Netzwelt hingibt. Treten Sie ein in das Gamer-Gruselkabinett der freien Marktwirtschaft.
Spiel nur mit den Markenkindern
Zurück zu GTA: Erst mit der Marken-Waffe gelingt es mir endlich, den gegnerischen Hubschrauber vom Himmel zu holen und eine weitere Sprosse auf der Karriereleiter zum Unterwelt-Boss zu erklimmen. Auch wenn ich dafür gleich die doppelte Menge virtueller Dollar auf den Tisch legen musste. Doch das bleibt nicht der einzige, herbe Rückschlag. Für die nächste Aufgabe soll sich meine bösartige Spielfigur inkognito bei einem Schickimicki-Club einschleichen, um die Lage für einen nächtlichen Raubzug abzuchecken.
In der fiktiven US-Großstadt "Los Bandidos" gibt es kaum etwas, das es nicht gibt: von der Fast-Food-Kette über den Flughafen bis hin zum Krankenhaus. Auf dem Weg zum nächsten Klamottenladen passiere ich in Echtzeit generierte Werbeplakate für den neuen 2er-BMW, Bitburger mit Pfefferminzgeschmack und die Nummer drei der missglückten "Matrix"-Fortsetzungen. Wegen akuten Geldmangels lasse ich den überteuerten Designer-Shop links liegen und kleide mich stattdessen im Discounter für die geplante Spionageaktion ein. Ein folgenschwerer Fehler.
Siegessicher betrete ich nun den in verbrecherischer Intention anvisierten Nobel-Schuppen. Außer ein paar Fetzen Lounge-Musik und vereinzeltem Hintergrundgeplauder höre ich bloß noch das schallende Gelächter des Security-Personals, bevor sich der von mir gesteuerte Protagonist die Kugel einer 44er-Magnum durch den Kopf gehen lässt. Sie ahnen sicher schon, womit mir das nicht passiert wäre - richtig, dem Armani-Anzug. Mittlerweile ist mein Hirn derart konditioniert, dass ich im weiteren Spielverlauf ausschließlich auf Markenware setze.
Geld spielt eine Rolle
Als bekennender Liebhaber der schönen Computergrafik widme ich mich einige Monate später dem prächtigen Nachfolger des Rollenspiels "Elder Scrolls IV: Oblivion". Leider ließ sich der technische und personelle Aufwand für die Entwicklung der fast wirklichkeitsgetreuen 3D-Welt mit gewöhnlichen Mitteln nicht mehr finanzieren. Allein für die Pferderüstung meines edlen Rosses muss ich deshalb echte zwanzig Euro berappen. Für die anderen essentiellen Ausrüstungsgegenstände hat sich der Vermarkter ein zwar kostenlose, aber nicht minder unbefriedigende Lösung ausgedacht:
Links zum Artikel
- Gamer-Kolumne: Teurer Spaß Computerspiel
- Ingame-Werbung: Markenvielfalt in Computerspielen
- Spiel mit mir: Die beste Gamer-Hardware
- Spiele unter Windows Vista
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Ganz großes Kino. Hatte meinen Spass beim Lesen. Es gibt aber Situation, wo Werbung in Spielen Sinn macht. "Trackmania Nations" zum Bleistift. Da heizt man eh durch ein Stadium. Das die dynamische Werbung dröger Weise zu 95% Eigenwerbung und eben gar nicht dynamisch ist, ist ein kleiner Schönheitsfleck. Ansonsten finde ich die Idee, eh in einem Spiel vorkommende Werbeflächen zu verkaufen sinnvoll. Aber der Rest aus dem Artikel kann bitte auf diesen Artikel beschränkt bleiben. :)
Zu diesem Thema empfehle ich doch gleich mal diesen Artikel:
http://www.netzwelt.de/news/75082-ingamewerbung-markenvielfalt-in-computerspielen.html
Werbung im Spiel macht Sinn, schade, dass dies sich nicht im Preis bemerkbar macht...
Grüße
Zitat:
Werbung im Spiel macht Sinn, schade, dass dies sich nicht im Preis bemerkbar macht...
Jaja, das ist allgemein so. Mein mir sehr verbundener Stromlieferant bedauert auch immer wieder, dass er Preissteigerungen weitergeben muss, da er sonst seine exorbitante Gewinnmage nicht halten kann. Das läuft halt nach dem Prinzip: Solange sich alle einig sind, kann getan werden, was beliebt.
Aber bei Spielen hat man einen Vorteil: Wenn man Geduld hat, sind die Einsparungen enorm. :)
Sehr gut geschrieben^^ Der Autor spricht uns Gamern aus der Seele xD Hoffentlich gibt es irgendwann mal ein ZipArchiv (oder vll. ein Heft/Buch), indem alle Verkehrte Netzwelt Artikel drin sind, gratis und mit Werbung versteht sich ;)
als excessiver QOG Spieler kann ich den Artikel bestens nachvollziehen und warte auf den Tag, an dem unsere Flotten mit Adidas-Streifen und Nike Häkchen verziert sind.
Das Feld der Werbung und kostenpflichtigen Addons in Spielen abzugrasen bis kein Pflänzchen mehr steht wird wohl unausweichlich auf uns zukommen. Ich glaube fast, der Autor des Artikels untertreibt dabei noch.
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