Zwei Programmversionen und einige Alternativen
Bearshare: Legales vs. illegales P2P
Christoph Scholl
Der Bär ist tot - es lebe der Bär. So oder so ähnlich könnte man die Situation um einen der beliebtesten Filesharing-Clients im gesamten Internet, Bearshare, beschreiben. Nach langem Streit mit der Musikindustrie schmiss die Entwicklerfirma Free Peers Inc. Mitte 2006 das Handtuch. 30 Millionen Euro Schadensersatz zahlte das Unternehmen damals der RIAA (Recording Industry Association of America) und musste daraufhin ihr Projekt Bearshare an den Konkurrenten Imesh abgeben.
Imesh ist bereits seit mehreren Jahren darum bemüht, eine legale, kommerzielle Tauschbörse im Internet zu etablieren. Da passte die Übernahme eines der beliebtesten Filesharing-Clients und deren potenzieller Nutzer prima ins Konzept. Derzeit wird der offizielle Bearshare-Client von der Firma Musiclab LLC (einer Tochterfirma Imeshs) weiterentwickelt und ist in der Version 6.0.2 erhältlich. Alte BearShare-Fans werden sich beim Aufruf des Programms jedoch wundern: Die riesige Vielfalt des Gnutella-Netzes, wofür der Client schließlich seit einigen Jahren so beliebt war, trifft der überzeugte Filesharer nämlich nicht mehr auf der Oberfläche an. Stattdessen dient die Bearshare-Software aus dem Hause Musiclab als Verbindung zum iMesh-Netz - und da gibt es Musik nur noch gegen Bares und gut geschützt mit einem Digital Rights Management (DRM).
Vorbei scheint sie, die gute alte Zeit, als mit Bearshare noch beliebig viele Songs ganz ohne den schnöden Mammon aus dem Gnutella-Netz geladen werden konnten. Das war zwar nie so richtig legal - juckte die meisten P2P-Fans aber nicht wirklich. Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert. Einige der größten Entwickler für P2P-Anwendungen haben längst aufgegeben. Angefangen bei Limewire über Kazaa bis hin zu den Machern von Edonkey2000 ging es etlichen Filesharing-Firmen an den Kragen. Und auch gegen die Nutzer wird immer weiter vorgegangen: Alleine für 2007 und ausschließlich beschränkt auf Deutschland plant die IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) bis zu 1.000 Klagen gegen Filesharer - pro Monat.
Filesharing beliebt wie nie zuvor
Parallel zu der immer schärfer werdenden Situation der Filesharer ist legale Download-Musik nicht mehr ganz so teuer wie noch vor wenigen Jahren. Zudem machen sich mittlerweile selbst die konservativen Major-Labels Gedanken darüber, ob der Einsatz von DRM-Systemen beim Verkauf von Musikdateien zukünftig noch sinnvoll ist. Man hat offensichtlich, zumindest teilweise, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und versucht diese jetzt schrittweise auszubügeln.
Was heißt das für das Filesharing heute? Trotz jeder Menge abschreckender Klagen und teils hohen Geldbußen ist P2P weltweit beliebt wie nie zuvor. Nachts werden bis zu 70 Prozent des deutschen Internet-Traffics durch Filesharing erzeugt. Tagsüber macht der Dateitausch immerhin fast ein Drittel des gesamten Online-Traffics in Deutschland aus. Auch wenn Gnutella nicht mehr zu den ganz beliebten Netzen gehört - die Plätze eins und zwei auf der Beliebheitsskale teilen sich heute das BitTorrent- sowie das eDonkey-Netz - können auch über Gnutella noch jede Menge Dateien über das Internet getauscht werden. Besonders der schnelle Download von MP3s ist über das Gnutella-Netz nach wie vor sehr beliebt.

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Bearshare Lite: "Oldschool"-Version von Bearshare ohne DRM, ohne Kosten.
Wer über sein geliebtes Bearshare auf das Gnutella-Netz zugreifen möchte, kann dies, wie bereits erwähnt, nicht mehr über den offiziellen Client tun, da dieser nur noch mit Imesh zusammenarbeitet. Sucht man ein wenig bei Google nach "Bearshare" stößt man neben der Version 6.0.2 jedoch auch immer wieder auf eine als manchmal "Bearshare Lite" bezeichnete Version 5.2.5 des Filesharing-Clients. Hierbei handelt es sich tatsächlich um eine "Oldschool"-Version des Programmes: Ohne DRM und ohne Kosten, dafür aber mit jeder Menge MP3s zum kostenlosen, rechtlich bedenklichen Download.
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