Schach gegen Egoshooter: Macht Zocken schlau?

Die Dosis macht das Gift

In Deutschland ist man zögerlicher. Gamer haben hier immer doch ein wenig das verschrobene "Kellerkind"-Image. In anderen Ländern - allen voran Südkorea - werden erfolgreiche Spieler hingegen behandelt wie Popstars. Doch woran liegt es, dass wir uns so schwer damit tun, Fähigkeiten am Bildschirm anzuerkennen? Ist es der fehlende physische Wettkampf zweier Kontrahenten?

In seinem Vortrag "Let´s drop the 'e'!" geht Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Jena auf den Vergleich von traditionellem und elektronischem Sport ein. In Bezug auf Wettkampf, Anforderungen und Vermarktbarkeit seien Sport und eSport durchaus vergleichbar. Sein Fazit: "Der Sport bekommt eine neue, virtuelle Komponente".

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Möglicherweise ist es der gesundheitliche Aspekt, der den Pro-Gamern in Deutschland immer noch den Sportlerstatus verwehrt. Ein allgemeines Kriterium für Sport ist die Förderung der Gesundheit, konkreter: der Kondition, Kraft und Figur. In diesen Punkten ist eSport für sich in der Tat nicht mit der Leichtathletik vergleichbar, auch wenn der Puls eines konzentrierten Spielers dem eines Sportlers gleicht.

Ein wesentlicher Punkt in der Beurteilung von Aktivitäten, sei es der Sport oder der eSport, ist die Quantität. So wie Leistungssportler sich durch ihr enormes Trainingspensum weit jenseits des Bereiches bewegen, den Mediziner "gesund" nennen würden, so ist auch das übermäßige Zocken vor dem Bildschirm nicht förderlich. Sliwka bringt es auf den Punkt: "Alles, was man zuviel macht, ist schädlich".

Deshalb ist es nur logisch, dass viele Stunden täglich vor dem Rechner durchaus auch negative Folgen haben. Als einziges Hobby ist Zocken ebenso ungeeignet wie Fernsehen oder Minigolf. Darum ist es nicht unbegründet, wenn Eltern sich Sorgen machen, weil der Sprössling den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt. Problem ist in diesem Fall aber der Umgang mit dem Medium und nicht die Spiele selbst.

Oft werden hier Ursache und Wirkung verwechselt. Kinder, die lieber zu Hause bleiben, tun dies meist nicht wegen den Computerspielen. Sondern umgekehrt: Sie spielen soviel, weil sie lieber zu Hause als draußen sind. "Vieles ist schädlich, wenn man nicht verantwortungsvoll damit umzugehen weiß", sagt Dennis Schellhase, selbst Progamer. Erfolgreiche Progamer sind oft keine Klischeezocker, sondern Menschen, die auch sonst erfolgreich und aktiv sind.

FIFA 07
Virtuelles Training für Hobbykicker: FIFA

Schellhase, Weltmeister von 2005 im FIFA-Fußballspiel: "Es gibt viele negative Vorurteile über junge Leute, die am Computer spielen. Nicht selten hört man, dass diese Leute angeblich unfähig seien ein vernünftiges Sozialleben zu führen und die Schule vernachlässigen". Von diesen Klischees distanziert sich der 23-Jährige: "Ich habe ein gutes Abitur abgelegt und habe nun das Wirtschaftsinformatik-Grundstudium an der Uni-Essen vor kurzem abgeschlossen".

Das Vorurteil des sozialen Außenseiters weist er ebenfalls weit von sich: "Auch mein Sozialleben ist völlig normal, wie bei jedem anderen jungen Menschen auch. Ich übe regelmäßig meine Hobbys aus". Die Ursache für einen zurückgezogenen Lebensstil vor dem Computer liegt also woanders als in den Spielen selbst, das Zocken ist hier ein Symptom, nicht die Ursache selbst.

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