Computerspiele sind besser als ihr Ruf
Schach gegen Egoshooter: Macht Zocken schlau?
Computerspiele machen Kinder dumm, dick und aggressiv. Das sind die gängigen Vorurteile, die zum Teil sogar durch Äußerungen von Politikern neuen Nährboden bekommen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Games sind nicht nur Spiele, sondern auch Sport und Hirntraining. Denn ambitioniertes Zocken kann bestimmte Fähigkeiten sogar verbessern.

Inhaltsverzeichnis
- 1Computerspiele und Brettspiele
- 2eSport gegen echten Sport
- 3Die Dosis macht das Gift
- 4Nutzen im Alltag
- 5Gefahren des Spielens
- 6Fazit
Computerspiele und Brettspiele
Im Gegensatz zu Computerspielen besitzen Schach oder strategische Brettspiele einen ausgezeichneten Ruf. Doch das Spielen am Rechner kann bestimmte Fähigkeiten ebenso gut trainieren wie klassische Denk- und Geschicklichkeitsspiele. Das gilt selbstverständlich nicht für jedes Computerspiel. Netzwelt zeigt, wie Spiele den Gamer trainieren und was sie bringen.
Denn die Unterschiede zwischen Brett- und Computerspielen liegen oft nur in der optischen Präsentation. Inhaltlich gibt es jedoch sehr viele Parallelen. Strategie und Taktik sind am Rechner ebenso essenziell wie beim Brettspiel. Kein Wunder: Die meisten Computerspiele sind die elektronische Umsetzung klassischer Spiele. Spieleentwickler wie Bruce Shelly, Verantwortlicher für die "Age of Empires"-Reihe und weiterer Strategiespiele, haben ihre Wurzeln in der Brettspielewelt.
Das oft ausdauernde Starren auf den Monitor ist in vielen Fällen weit mehr als unnützer Zeitvertreib, wie besorgte Eltern oft denken mögen. Denn die meisten Spiele sind eine Herausforderung. Neben Geschicklichkeit und Reaktion, wird vor allem die Fähigkeit strategisch zu Denken vom Spieler gefordert. Egal ob Sportspiel, Echtzeit-Strategie oder Simulation - ohne Training geht nichts: "Brettspiele werden oft als Lernfaktor empfohlen, man kann aber auch durch Computerspiele sehr sinnvolle Dinge lernen", sagt Frank Sliwka, Geschäftsführer der Deutschen eSports-Bundes.
Jürgen Fritz, Professor für Spielpädagogik an der Fachhochschule Köln, unterstützt diese Meinung. In einem Interview mit dem Magazin "zeitzeichen" sagte er: "Generell kann man sagen, jedes Spiel fordert etwas. Indem es etwas fordert, fördert es auch. Wenn das Spiel räumliches Orientierungsvermögen, Reaktionsschnelligkeit oder Ressourcenmanagement, strategisches Denken oder Kooperation mit anderen fordert, werden Kinder und Jugendliche in diesen Fähigkeiten im Spiel auch gefördert".
Sogar die momentan verteufelten Egoshooter, auch bekannt als "Killerspiele", haben einen positiven Nutzen. Denn sie schulen die Hand-Auge-Koordination und die Reaktion. Erfahrene und professionelle Spieler führen bis zu fünf Aktionen pro Sekunde aus und das über längere Zeit. Dass dies viel Training erfordert und somit eine anerkennenswerte Leistung ist, wird von der Bevölkerung meist ignoriert.
eSport gegen echten Sport
Denn wie jeder engagierte Sportler lernen auch Gamer strategisches Denken. Wissen, was der Gegner als nächstes macht. "Antizipatives Denken" nennt man dies. Vorausschauen und reagieren oder gegensteuern, ohne darüber nachdenken zu müssen. "Spielen schult die Auffassungsgabe. Der Spieler lernt, komplexe Vorgänge zu erkennen", erklärt Frank Sliwka. Bei hervorragenden Spielern laufen zahlreiche komplexe Prozesse gleichzeitig im Kopf ab. Dies ist nur durch Training möglich. Nicht ohne Grund haben bereits zahlreiche Länder den eSport als offizielle Sportart anerkannt.
Ist es denn nicht Sport, wenn der Spieler auf dem virtuellen Fußballfeld die nächsten Spielzüge und Varianten des Gegners erahnt, ihm schon entgegen läuft und die Aktion im Ansatz verhindert? Skeptiker des eSports nennen immer die fehlende körperliche Komponente, die dem Computersport fehle. Aber Schnelligkeit und Reaktion sind durchaus sportliche Attribute. Auch Sportschützen müssen sich nicht bis zum letzten verausgaben, trotzdem ist ihr Sport olympische Disziplin.
Links zum Thema
- Killerspiele: Verbot sinnlos
- Homepage des Deutschen eSport-Bundes
- Podcast: Zu Besuch bei der Bundesprüfstelle
