Digitales Doping - Von Moglern und ihren Werkzeugen
Cheaten: Die Nervensäge des eSport-Gerüsts
Gaming
Sehr angesagt vor allem im eSport ist derzeit Aequitas. Als lateinisches Wort für Gleichheit versucht es genau das zu erreichen: Jegliche Umstände entfernen, die nicht aufgrund eigener Spielstärke entstehen, um einen fairen Wettkampf zu garantieren. Aequitas wurde von der deutschen eSport-Liga ESL entwickelt und ist seitdem auf jedem Turnier und Ligaspiel Pflicht. Ähnlich wie Punkbuster ermöglicht es Monitorchecks, überprüft RAM und Konfigurationsdateien. Gegen neue Cheats weht sich das Tool über eine AutoUpdate-Funktion.
Auch hier wird der gläserne Gamer in Kauf genommen - immerhin verspricht die ESL, dass die Daten nur einem ausgewählten Mitarbeiterstab zugänglich sind und nach einer Woche gelöscht werden. Theoretisch können nach Aussage der Entwickler alle Spiele mit Aequitas geschützt werden, derzeit beschränkt sich die Unterstützung aber auf Spiele der Firma Valve - also "Counterstrike" und "Half-Life".
Cheaten im eSport: Höchstens "unter ferner liefen"
Was im privaten Bereich ärgerlich ist, wird direkt zu einem massiven Problem, wenn auf großen Turnieren gecheatet wird - denn hier stehen Preisgelder aus, die für Pro-Gamer mittlerweile bereits die Lebensgrundlage darstellen können. Frank Sliwka, Vorsitzender des deutschen eSport-Bunds ESB, relativiert die Problematik allerdings: "Cheaten im eSport taucht zwar immer mal wieder auf, gute Vorsorgemaßnahmen und softwaregestützte Überprüfung helfen aber." Auch Liga-Spieler Oliver Stahl gibt Entwarnung: "Cheaten kommt im privaten Rahmen deutlich öfter vor als in Ligaspielen. Im professionellen Bereich sind sie maximal eine Randerscheinung."
Werden doch einmal Cheater im eSport erwischt, fällt die Bestrafung alles andere als mickrig aus: Schwarze Listen, Ausschluss, Spielsperren sind unvermeidbar. Sogar Konventionalstrafen gegen den ganzen Clan sind bei hochdotierten Turnieren Usus. Die ESL verhängt über Spieler, die des Cheatens überführt wurden, eine zweijährige Sperre - in diesem schnelllebigen Sport meistens das Karriereende. Um aber gerade jungen Spielern nach einem Fehltritt nicht die gesamte eSport-Zukunft zu verbauen, führt die Liga ein Rehabilitationssystem durch, bei dem Spieler mit milderen Strafen davon kommen können, wenn sie Reue zeigen und nicht mehr unangenehm auffallen.
Prävention: Aufklärung statt Algorithmen
Abschreckung erscheint als adäquates Mittel gegen Cheater, doch für den ESB-Vorsitzenden Sliwka führt langfristig eine andere Route zum Erfolg: "Das Aufklären über die Auswirkungen, Schäden und Strafen des Cheatens muss präsenter werden. Wichtige Ansätze finden sich bei den traditionellen Sportverbänden, die in ihrer Satzung die Fairness ganz weit nach oben stellen." Sliwka betont allerdings, dass es gezwungenermaßen auch konkrete Bestrafungen gegen muss, um zu zeigen, dass Cheaten im eSport kein Kavaliersdelikt ist.
Dass die Cheat-Bewegung in naher Zukunft von der Bildfläche verschwinden wird, bezweifelt Sliwka indes: "Wie beim Doping wird immer wieder jemand versuchen zu betrügen, entsprechende Gegenmaßnahmen werden ergriffen und das Ganze schaukelt sich hoch. So haben sich beide Seiten über die Jahre eingespielt", prognostiziert er.
Eine andere Entwicklung im eSport wirft dafür bereits jetzt schon ihren Schatten voraus: Kürzlich hat die Cyberathlete Professional League CPL beschlossen, dass ab 2007 eSportler zu einer Dopingkontrolle beordert werden können, wenn Offizielle die Notwendigkeit dazu sehen. Ein allgemeines Alkohol- und Drogenverbot existiert auf offiziellen Turnier schon länger. Vielleicht ist also in Zukunft nicht die aufgeputschte Spielfigur im Visier der Cheatfeinde, sondern der Spieler selbst. Quasi "Doping statt Cheaten statt Doping". Zumindest ein Problem, dass sich nicht mit Software beheben lässt - egal, wie gerne die ESL Gleicheit hätte.
Cheaten
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